Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1882)
- Date
- 1882-08-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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887 ging es dem niederträchtigen Menschen, dem Sccretär des Markgrafen und seiner Schwester?" „Der Secretär, der einer schweren Strafe entgegensah, entzog sich den Händen der menschlichen Gerechtigkeit, er erhängte sich in seinem Gefängnisse, bevor er noch das erste Verhör bestand. Seine angebliche Schwester hatte nach seinem Ableben ein leichtes Spiel, sie war ein Frauenzimmer, das in der vollsten Blüthe ihrer Schönheit stand und auf einen so leichtsinnigen Wüstling, als es Wilhelm Friedrich war, noch immer einen großen Einfluß üben konnte. Ihr selbst konnte kein Verbrechen nachgewiesen werden; sie gab an, eine bei weitem jüngere Halbschwester ihres verstorbenen Bruders zu sein, der sie seit ihrer frühesten Jugend schlecht behandelt habe. Mit dem Tode des Uebelthäters wurde ffde weitere Untersuchung eingestellt, und so konnte es der schönen Frau gelingen, sich noch bis zu dem Ableben des Markgrafen in seiner Gunst zu erhalten, ja wie man in Ansbach wissen wollte, hatte sie dem Fürsten den falschen Schmuck, der für ihn doch werthlos, abgeschmeichelt. „Als Wilhelm Friedrich vor sechs Jahren starb, und seine Wittwe Christian« Charlotte als Vormünderin ihres elfjährigen Sohnes Karl Wilhelm Friedrich die Regierung des Ländchens antrat, war cs ihr Erstes, die freche Abenteuerin aus Ansbach zu verbannen. Es war später kein Geheimniß mehr, daß sie nicht Schlüßners oder wie er sich nannte de Eleviors Schwester gewesen; sondern, daß sie gleichzeitig mit ihnr und dem Markgrafen ein unlauteres Lerhältniß unterhalten. Sie trieb sich lange Zeit in Deutschland unter verschiedenen Namen, als Baronin de Bonville, Baronin Klangheim und Freifrau von Malmenhausen herum." „Ah!" rief der Primator überrascht, „wie eigenthümlich sich das trifft! Ein hiesiger Balbos Reb Kalman Opotschna hat sich vor etwa drei Wochen in einer sonderbaren Angelegenheit an mich gewendet. Er hat für seinen Sohn, der sich verloben wollte, oder sich demnächst verloben wird, durch Vermittlung eines Hausjuden in einem hiesigen Gasthauses von einer angeblichen Baronin Malmenhausen einen Schmuck erkauft, Löb Munitz, der ihn zufälligerweise zu Gesicht bekommen, hatte ihn beim ersten Anblick als falsch bezeichnet, während andere Juweliere erst nach eingehender Prüfung zu demselben Resultate gelangten." „Das ist gewiß der von Munitz angesertigte imitirte Schmuck," meinte David Oppenheim, „ein merkwürdiges Zusammentreffen!" . 1) Noch vor wenigen Tecennien war in Prag in jedem anständigen Gasthofe ein sogenannter „Hausjude," welcher für dn Fremden eine 2lrt Faktor abgab. Von der nahegelegenen Thurmuhr des jüdischen Rathhauses schlug es Mitternacht. Die Gäste erhoben sich, morgen beim Mussafgebete2) wollten sich der fremde Rabbi und der Pttmator mit dem Oberrabbiner in der Altneusynagoge zusammenfinden. Das Schachriß ^-Gebet verrichtete der Oberrabbiner zu Hause, Rabbi Jakob Cohen, der beim Primator wohnte, in dessen kleiner Privat-Synagoge. Vierzehntes Kapitel. Es gibt kein veränderlicheres Ding auf der Welt als die öffentliche Meinung. Es ist das für die Urteilsfähigkeit der Menschen nicht schmeichelhaft, und zeigt wie außerordentlich sehlbar der Menschengeist ist. Wir gehen der höchst verlockenden Versuchung als glänzende und gewiß interessante Beispiele dafür, Persönlichkeiten aus der neuesten Zeit anzuführen, in anerkennenswerthester Weise aus dem Wege, können uns aber nicht versagen, einen Beleg für die Wetterwendigkeit der öffentlichen Meinung anzuführen, der als vollkommen beispiellos der Nachwelt ausbewahrt werden sollte. Bekanntlich hatte Napoleon der Erste, welcher nach seinem ersten Sturze in Elba internirt war, auf sein Glück und die Uneinigkeit der in Wien versammelten Monarchen bauend, am 26. Februar 1815 mit elfhundert Mann der alten Garde Elba verlassen, war am 1. März zu Cannes gelandet und kam, ohne einen Schuß abzufeuern, am 20. März in Paris an, das Ludwig XVIII. kurz zuvor verlassen hatte. Die Berichte des amtlichen Moniteurs vom 2. bis zum 19. März bilden in ihrer Aufeinanderfolge geradezu das Unglaublichste, das die Menschheit je erlebte. Am zweiten März schrieb dieses Blatt: Einem Gerüchte zufolge hat sich der korsikanische Währwolf von der Kette losgeriffen und beabsichtigt die Küsten unsicher zu machen, man wird ihn bald wieder einfangen und an die Kette legen. Am 4. März: Einem weiteren Gerüchte zufolge wäre der tollkühne Abenteurer am 1. dieses Monates in Cannes gelandet, man hofft seiner bald habhaft zu werden. Am 6. März: Es ist dem Usurpator gelungen, einige Meilen weit im Lande vorzudringen, es sind ihm genügende Streitkräfte entgcgengcsandt worden, welche die paar Tollkühnen, die sich im angeschlossen haben, bald zu Paaren treiben werden. Am 8. März: Wie man berichtet soll Bonaparte bei dem Landvolke und zum Theil auch bei der Armee viele 2) Hmatzgebet für den Labbat. 3) Morgen, &