Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1882)
- Date
- 1882-08-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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886 1) Man kann Land auf drei Arten erlangen: A. Durch Bebauung von Ländereien, die dem Staate gehören, die Sie mit allen Eigenthumsrechten erhalten können. B. Auch kann man Länderstriche, „Comuneros" genannt, pachtweise erhalten, d.h. solche, die gewöhnlich mehreren Eigentümern oder mehreren Familien gehören. Diese Pacht erhält man heute für unbedeutende Summen. Auch kann man von Privaten Grund- Eigenthum erwerben. 2) Das Grundgesetz selbst, die Verfassung, schützt die Ausübung aller Culte. Noch nie hat es in der Republik den geringsten Streit durch die Verschiedenheit der religiösen Gebräuche gegeben. Alle Religionen sind gleich geachtet. 3) Jeder Schutz und alle Rechte sind den Israeliten gewährt. Sie genießen alle Rechte, die den Fremden gewährt sind, wenn sie ihre Nationalität bewahren, oder werden, wenn sie sich naturalisiren, unumschränkt wie die Einheimischen behandelt. Die Republik hat im Auslande zahlreiche jüdische Repräsentanten — Minister und Consuln —; unser jetziger Gouverneur der Provinz Azuc, Herr G. Marchena, ist Jsraelite. Es ist wahrscheinlich, daß er in dem Ministerium, das eben gebildet wird, ein Portefeuille erhält." Diese Auszüge, die wir aus dem Briefe des Generals gegeben haben, zeigen deutlich, wie liberal die Regierung dieses Landes ist. Wenn die bereits in St. Domingo wohnhaften Israeliten ihre Glaubensgenossen zur Einwanderung auffordern würden , so wäre anzunehmen, daß russische Israeliten dieses Land bald aufsuchen würden. (Arch. Jsr.) Cincinnati. Eine Colonie russischer Juden, aus 12 Familien und 12 einzelnen Männern, im Ganzen aus ungefähr 60 Personen bestehend, verließ Ende Juli Cincinnati, um nach Cansas zu ziehen. Sie waren von dem Comitö aus einer Anzahl von Flüchtlingen ausgewählt worden. Sie werden sich im Südwesten von Kansas, zwischen den: hundertsten und zweihundertsten Grade westlicher Länge von Greenwich und zwischen dem 36. und 37. Grade nördlicher Breite, an einem Nebenflüsse des Arkansas, nördlich von dem indianischen Gebiet und östlich von Colorado, ungefähr 30 bis 40 Meilen von jedem entfernt, 22 Meilen von der Eisenbahn und 3 Meilen von einer Poststation niederlassen. Das Auswanderungs-Comitß von Cincinnati hat die Beförderung einem Comitö übertragen, bestehend aus den Herren Isaak M. Weis, Jos. Abraham, Abraham Traunstein, M.Loth, Henry Mack und Max Isaaks, welche die nöthigen Anordnungen trafen. Die Herren Leo Weis und Karl K. Davis entschlossen sich freiwillig, die Flüchtlinge an ihren neuen Bestimmungsort zu begleiten, um sich mit eigenen Augen von der Beschaffenheit dieser Niederlassung zu überzeugen. Die Colonisten wurden vom Comittz mit Wagen, Pferden, Stieren, Geschirr, Kühen, Schafen, Geflügel, Ackerwerkzeugen, Milchgefäßen, Vorräthen, Zelten, Hürden und Lampen und allem Notwendigen zm Erlangung einer guten Ernte und zum Schutze bei dem herannahenden Winter versehen. Die Colonie hat einen Chasan, Schochet und einenMohel; auch wurde ihr eine Sefer-Thora und ein Schofar zum Geschenk gemacht, so daß die Emigranten ihre relig.Pflichten erfül« len können. Sie haben auch einen Schmied, einen Zimmermann, einen Maurer, eine Hebamme und eine ganze Anzahl von praktischen Ackerbauern. (Jew. Chr.) Egypten. Alexandrien. Soviel bis jetzt ermittelt werden konnte, sind bei dem Gemetzel am 11. Juni 34 Juden umgekommen. Die äußerste Sorgfalt ist den jüdischen Flüchtlingen, die sich auf hellenisches Gebier begaben, von der griechischen Regierung wie von Privatleuten gewidmet worden. Vor ihrer Abreise von Alexandrien fanden 57 jüdische Familien Schm in einem geräumigen Gebäude, das einem Herrn Xanthi, einem Griechen von Geburt, gehört. Zn gleicher Weise gewährte man den mit dem Schm „Olga" Fahrenden freie Fahrt nach Athen, Schutz und Verpflegung von Seiten der Regierung. Mehrere egyptische Familien wurden nach Volo und anderen Städten geschickt. In Corfu sind etwa 100 Familien in einen: sehr entblößten Zustande angekommen. Man üa: I eine Eollecte für sie eröffnet. Eine Deputation dieser Flüchtlinge stattete dem Syndicus und dem Ober- Rabbiner von Corfu ihren Dank ab für ihre GA sowohl gegen Christen als auch gegen Juden. (Arch. Jsr.) Feuilleton. Lok Munitz. Kulturhistorisches Zeitbild aus dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts. Von S. Kohn. (Verfasser von „Gabriel".) (Fortsetzung.) Es trat eine Pause in dem Gespräche ein. Joseph Oppenheim unterbrach dieselbe. „Verzeiht Rabbi, ich bin ein sehr neugieriger Mensch, und liebe in allem Gründlichkeit; wie er-