Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1882)
- Date
- 1882-08-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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880 bei Neuenhoven, Kreis Grevenbroich, Reg.-Bez. Düsseldorf, ermordet worden. „Es kamen dabei Umstände zur Entdeckung, welche einen Theil der leichtgläubigen Menge zu dem Jrrwahne verleiteten, daß dem Knaben auf empörende Weise das Blut entzogen worden sei, woraus man nun weiter folgerte, daß dabei nothwendig Juden und jüdischer Fanatismus thätig gewesen sein müßten. . . In Folge der dadurch entstandenen Aufregung und Erbitterung griff in der oben bezeichnten Nacht (20/21. Juli) ein zahlreicher Volkshaufe die Wohnungen zweier in Neuenhoven wohnenden Juden an und verwüstete sie sammt den darin befindlichen Mobilien und Maaren fast gänzlich, während gleichzeitig zu Bedburdyk die dortige Synagoge erstürmt und ebenfalls ganz zerstört wurde" (Elberfelder Ztg., 26. Juli 1834, Nr. 205). Wenige Tage darauf verkündete ein amtlicher Erlaß der kgl. Ober-Prokuratur zu Düsseldorf v. 26. Juli (Amtsblatt der kgl. Reg. zu Düsseldorf, Nr. 48, S. 415 f.): „Die im Kreise Grevenbroich gescheheneErmordung eines Kindes christlicher Eltern hat einen aus der Barbarei längst verflossener Jahrhunderte hervorgegangenen Aberglauben geweckt, und grobe Gewaltthätigkeiten gegen die in der Nähe wohnenden Juden und die Stätte ihrer religiösen Versammlungen veranlaßt. — Die gerichtliche Feststellung des Thatbestandes der Ermordung hat jeden Gedauken an die Wirklichkeit des albernen Märchens vollständig widerlegt, und die Rädelsführer der gegen die Juden gerichteten Angriffe befinden sich in den Händen der Gerechtigkeit." (lieber dieses Ereigniß vergleiche man folgende zwei Broschüren: Binterim skatholischer Pfarrer). Ueber den Gebrauch des Christenblutes bei den Juden, Düsseldorf 1834, 29 pp. 8°; Wiedenfeld ^evangelischer Pastor). Was von der Behauptung: „daß die Juden Christenblut genießen", zu halten seid Ein Wort der Belehrung und Warnung. Elberfeld 1834, 15 pp. 8°). Daher haben denn auch die Juden von jeher auf das Entschiedenste gegen die Beschuldigung protestirt, daß sie Christen ermordeten, um deren Blut beim Osterfeste zu genießen, z. B. Isaak Abravanel (geb. 1437, gest. 1508) zu Ezechiel 36, 13; Samuel Usque in seinem 1553 gedruckten portugiesischen Werke „Tröstungen für die Unterdrückungen Israels" (Consolagam u. s. w. s. Wolf, Bibl. Hebr. III, p. 1071—1075): Jehuda Karmi )De cfiaritate, Amsterdam 1643, Manasse ben Israel in denVindieiae Judaeorum (zuerst London 1656, 4°, dann in dem Sammelwerke Phenix London 1708; deutsch in Christian Wilh. Dohm's „über die bürgerliche Verbesserung der Juden", Band I, Berlin und Stettin 1781); Isaak Cantarini, Vindes sanguinis, Amsterdam 1680 (s. Steinschneider Cat. Bodl. Nr. 5327); L. Zunz, Damaskus, ein Wort zur Abwehr. Aus der Zahl der Proselyten nennen wir Aloysius von Sonnenfels (Jüdischer Blut-Eckel oder das von Gebrauch des unschuldigen Ehristenblutes angeklagte, untersuchte undunschuldig gefundene Judenthum, aus Trieb der Wahrheit an Tag gegeben. Wien 1753, 161 S. kl. 8^, lateinisch und deutsch, lateinische: Titel: Judaica sanguinis nausea. . . .), den Warschauer Censor I. Tugendhold. (Der alte Wahn vom Blutgebrauch . . Aus dem Polnischen von I. Tugendhold treu übersetzt, Berlin 1858), den Missionär I. H. R. Biesenthal (Ueber den Ursprung der wider die Juden erhobenen Beschuldigung, bei der Feier ihrer Ostern sich des Blutes zu bedienen, webst kurzer Darstellung des jüdischen Rituals in Beziehung auf den Genuß des Blutes. Historischkritischer Versuch von Dr. Karl Ignaz Com sPseudonym), Berlin 1840) und den Petersburger Professor D. A. Chwolson (in einer russischen Schrift: „Ueber einige mittelalterliche Beschuldigungen gegen die Juden", St.-Pb. 1861, 216 2. gr. 8°). Auch nicht wenige geborene Christen haben die in Rede stehende Behauptung für unwahr erklärt. Um diesen Aufsatz nicht zu sehr auszudehnen nenne ich nur zwei: Luther und Joh. Christoph Wagenseil. Unser Reformator schreibt: „Aber nun wir sie nur mit Gewalt treiben und gehen mir Lügentheidungen um, geben ihnen Schuld, sie müssen Christenblut haben, daß sie nicht stinken, und weih nicht, was des Narrenwerks mehr ist, daß man sir gleich für Hunde hält; was sollten wir gutes an ihnen schaffen?" Und Wagenseil, der gründlich Kenner jüdischer Schriften und Sitten, welcher mehren von Juden gegen das Christenthum verfaßte Weck unter dem Titel Teia ignea satanae (Altdorf 1681) I veröffentlicht hat, also nicht der Parteilichkeit zu Gunsten der Juden geziehen werden kann, hat dei Widerlegung der jetzt wieder sich erhebenden Anklage ein besonderes Werk gewidmet, dessen Titel lautet:! „Der denen Juden fälschlich beigemessene Gebrauch! des Christenblutes, das ist unwidersprechliche Wider' I legung der entsetzlichen Unwahrheit, daß die Juden! zu ihrer Bedürfnis Christen-Blut haben müssen,! welche so viel tausend dieser unschuldigen Leute um I Hab, Gut, Leib und Leben gebracht (in: „Hoffnung! der Erlösung Israelis/ editio altera, Nürnberg unDl Altorf 1707, 4°, Anhang p. 45—130). I Aber woher denn, so höre ich den geneigten I Leser fragen, die Beschuldigung? Muß nicht, Rauch ist, auch Feuer sein? Der wahre Grunvl für diese wie für gar manche andere gegen dieJudeiil gerichtete Beschuldigung liegt in der tiefen KlmI welche die aus verschiedenen hier nicht zu erörternden I Ursachen hervorgegangenen Abneigung zwischen MI sten und Juden hatte entstehen lassen. Mit diesem I