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Der Israelit · 1882-08-30 · Heft 35 (30.8.1882) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 35 (30.8.1882)
Date
1882-08-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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878 machen; da platzten die Feigen und Datteln auf, und es entströmte ihnen der süße Saft. Das war das Land, wo Milch und Honig floß. Aehnlich erging es mit den zahlreichen Olivenbäumen, so daß der Fuß des Vorübergehenden in Oel eintauchte. Ganze Wälder gab es, deren Holz die köstlichsten Wohlgerüche entströmten und das weithin versandt und um hohen Preis verkauft wurde. Der Wind wehte darüber hinweg und erfüllte mit Wohlgerüchen das ganze Land. Und das Volk wohnte glücklich und froh in den Städten und Dörfern, bebaute die Aecker, bepflanzte die Gärten, pflegte die Weinberge und erfreute sich an dem reichen Ertrag des Bodens und an der Fülle der Productc, welche die zahlreichen Heerden ihm brachten. Gatte und Gattin, Eltern und Kinder, Brüder und Schwestern lebten in süßer Eintracht und genossen des höchsten Glückes. Und mit welcher Weihe, mit welcher reinen himmlischen Freude wurden die nationalen Feste gefeiert, das Fest des Wasserschöpfens z.B. an den Halbfeiertagen des Suckothfestes! Der Freude war der Stempel der himmlischen Reinheit aufgedrückt. Da gab es keine wüsten Gelage, die in Völlerei und Unsittlichkeit ausarteten, wie bei den Assyrern und Babyloniern, bei den Griechen und Römern und auch wohl bei den modernen Völkern! — Schon von frühester Jugend an wurden die Kinder in der heiligen Thora Md in allem Wissenswerthen unterrichtet. In keinem Staate in der alten und in der neuen Welt waren die Schulen so gut organisirt und so fleißig besucht wie im Lande Israel. Die Schüler und Schülerinnen, welche sich durch Fleiß, geistige Anlagen, Frömmigkeit, Tugend und Aufopferungsfähigkeit auszeichneten, wurden vom allgütigen Gott mit dem prophetischen Geiste begnadigt. Die Namen von 48 Propheten und 7 Prophetinnen werden uns in der heiligen Schrift genannt; aber damit ist die Zahl derselben noch lange nicht erschöpft; der Talmud erzählt uns, daß im Laufe der Jahrhunderte 1,200,000 (ünsa '«mw Männer und Frauen des prophetischen Geistes, der höchsten Stufe menschlicher Vollkommenheit gewürdigt worden sind. Unsägliche Trauer, unendlicher Schmerz ergreifen uns bei dem Gedanken, daß dieses wunderbare herrliche Staatswesen der gewaltsamen Auflösung entgegen gehen mußte, w, es war ein Gnadengeschenk Gottes (cm ,\n iwto), das wir nicht verdient hatten. Der Gottesname in dem Priestersegen bezeichnet die Eigenschaft der Gnade, des Erbarmens (o^omn rrpo), aber im Eingänge des 67. Psalms heißt es: UITQ'l UJIT Es ist da der Gottesname angerufen, der die göttliche Gerechtigkeit zum Ausdrucke bringt. Wann Gott heimführen wird aus allen Ländern der Erde die Zerstreuten Israels, dann werden wir den Segen,! die Gnade, das Licht des Allmächtigen verdient haben. nto nn« rjs *w\ Im Priestersegen heißt es: I'vdr vob ‘i -isr, „es wird leuchten lassen der Ewige Sein Antlitz zu dir. Noch bestrahlt vom Antlitze Gottes am Fuße des Berges Sinai, konnte Israel! den Mächten der Finsterniß verfallen, ein Götzenbild sich machen und es anbeten. Im 67. Psalm aber heißt es: .t?d un« ras -ik\ „Er wird leuchten lassen Sein Antlitz bei uns, mit uns. Wann Gott heimführen wird von allen Enden der Erde die Zerstreuten Israels, dann wird das Licht des göttlichen Antlitzes bei uns verbleiben, bei uns verharren und uns vor jeder Abirrung schützen. (Fortsetzung folgt.) Professor Z)r. Strack über die Hisza- Lszlaer Uffaire. Der Professor der Theologie an der Universität zu Berlin, Herr Dr. Strack, hat in der „Evangel. Kirchenzeitung" unter der Aufschrift: „Tisza-Eszlar, oder: Gebrauchen die Juden Christenblut?" einen Artikel veröffentlicht, dem wir Nachstehendes entnehmen: Das Recht zur Ablegung eines Zeugnisses in dieser Angelegenheit nehme ich aus meiner langjährigen eingehenden Beschäftigung auch mit der nachbiblischen jüdischen Literatur und aus meiner Bekanntschaft wit jüdischen Sitten und Gebräuchen. Die Pflicht resultirt für mich aus der Ueberzeugung, daß diese Beschuldigung nicht wahr sein könne, auch dann nicht wahr sei, wenn sie von zwei oder drei Zeugen beschworen werden sollte, und aus der daraus sich sitflich ergebenden Nothwendigkeit, die fälschlich Beschuldigten zu vertheidigen. Die Beschuldigung, daß die Juden Christen tödten, um sich des Blutes derselben zu bedienen, ist besonders seit dem zwölften Jahrhundert, in sehr mannigfaltiger Weise ausgesprochen worden: das Blut werde zur Heilung der Beschneidungswunde gebraucht; es erleichtere den Frauen das Gebären und fördere die Genesung; es diene zur Bereitung von Liebes- Elixiren und was des Unsinns mehr ist. Eben so thöricht freilich, aber gefährlicher, weil gegenwärtig viel geglaubt, und deshalb hier besonders zu berücksichtigen, ist die Ansicht, daß das Blut von Christen bei der Feier des Osterfestes verwendet werde, sei es zur Bereitung des Osterbrodes (der Mazzoth), sei es im Osterweine. Wenn der Gebrauch von Christenblut zu diesem Zwecke geboten, ja auch nur gestattet wäre, so müßten in der an Umfang geradezu ungeheueren und auf

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