Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1882)
- Date
- 1882-08-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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862 tismus und warme Liebe für Ungarn nicht absprechen kann, pflegt in Fragen, die sein Vaterland mächtig berühren, sein Urtheil vertrauten Freunden oder der Presse zu vertrauen. Für eine so wichtige Frage hat er auch die peinliche Affaire von Tisza- Eszlar angesehen und sich dem Abgeordneten Helft) gegenüber geäußert, daß dieselbe ein Unglück für Ungarn bedeute, wie immer der Ausgang sein möge. Denn wenn eruirt werde, daß ein Fanatiker den Mord begangen, dann werde das Volk den einzelnen Fanatiker nicht von der ganzen Confcssion trennen können, woraus Complicationen entstehen würden, die das ganze Land compromittiren könnten. Sollte aber die Untersuchung ergeben, daß ein ganz gewöhnliches Verbrechen vorliegt, dann sei die ungarische Gerichtsbarkeit compromittirt, welche die öffentliche Meinung so lange Zeit aufgeregt habe. Dies ist die Ileberzeugung eines Mannes, dessen Vaterlandsliebe noch den Wettkampf mit der Jstoczy's und Onody's wird aufnehmen können und der scharfen Auges die Konsequenzen verfolgt, die ein Theil der ungarischen Presse ans dem Vorfälle, dessen Klärung mit beispielloser Langsamkeit vor sich geht, zu ziehen sich veranlaßt sieht. (Neuzeit.) B-sth, 11. Aug. In Folge des zwischen dem Staatsanwalt und dem Untersuchungsrichter ausgebrochenen Eonflictes stockt die Untersuchung gegen die Tisza-Eszlarer Juden. Der Justizminister ersuchte den Ober-Staatsanwalt Kozma, persönlich zu interveniren, derselbe lehnte diese Aufforderung ab, worauf der Justizminister den Ministerialrats) Berczelly mit Vollmachten versehen nach Nyiregyhaza exmittirte. Da der Staatsanwalt die Zustimmung zur Herausgabe des Scctions-Protokolls der angeschwenunten Leiche au die Vertheidiger verweigert, wird der Ryiregyhazaer Gerichtshof in dieser Angelegenheit entscheiden. Holland. Leenwarden, 8. Aug. Der König hat Hrn. Dr. I. B. Stokvis, Präsidenten der jud. Armenverwaltung in Amsterdam, zum Ritter des niederländischen Lömenordens ernannt. Dr. jur. S. I. C. Rußland. Grodno. Aus Krakau wird uns telegraphisch mitgetheilt, daß daselbst heute ein Privatbrief angekommcn ist, welcher über eine schreckliche Katastrophe in Grodno, der am Riemen gelegenen Hauptstadt des gleichnamigen russischen Gouvernements, berichtet. Im Keller eines Hauses, in welchem sich eine jüdische Schule befindet, geschah eine Explosion, durch welche das ganze Haus sammt allen in der Schule anwesenden Erwachsenen und Kindern in die Lust gesprengt wurde. Die Explosion entstand durch unvorsichtige Handhabung eines Lichtes in der Nähe von Pulverfäßchen, die ein Eisenhändler im Keller hatte, welcher mit Pulver verbotenen Handel trieb. Die Detonation war so stark, daß die Fensterscheiben der benachbarten Kirche gesprungen sind. Gleich zu Beginn der Katastrophe erschienen Polizei und Militär auf der Unglücksstütte, und es wurden aus dem Schutte des zusammengestürzten Hauses eine Anzahl ganz verstümmelter Leichen, sowie viele menschliche Gliedmaßen hervorgezogen. Die Zahl der Verunglückten ist noch nicht constatirt, weil nicht bekannt ist, wie viel Kinder während der Katastrophe in der Schule waren. (N. Fr. Pr.) P a l ä st i n a. Jerusalem. In den letzten Jahren sind in der Nachbarschaft von Jerusalem mehrere ausschließlich von Juden bewohnte Dörfer entstanden, und ersteht zu hoffen, daß sich diese Dörfer in wenigen Jahren verbinden und eine bedeutende Gemeinde bilden werden. In einem dieser Dörfer „Mischkenoth Israel" genannt, sind bereits 40 Häuser gebaut; doch konnte das Werk aus Mangel an Geld nicht fortgesetzt werden. Der „Montefiore-Testimonial- Fond" ist indessen durch seinen Agenten, Herrn Pines, ins Mittel getreten und hat der Verwaltung dieser Ansiedlung ein Drittel des Kapitals, welches für die Erbauung von 160 Häusern, so wie für Synagoge, Beth Hamidrasch 2c. :c. erforderlich ist. geliehen. Der Grundstein zu diesen Häusern ist am 13. Juli in Gegenwart des englischen Eonsuls gelegt worden. Derselbe zeigte seine Freude über die Wiederaufnahme des Werkes. Unter den Maurern sind auch 10 russische Juden. (Jew. Ehr.) Egypten. Ein nach Alexandrien wieder zurückgekehrtcr Europäer schreibt der „Pol. C." aus dieser Stadt vom 27. Juli. Mit erhebendem Bewußtsein läßt sich konstatiren, daß die allerärgsten Tage, als die blutdürstige Masse sich durch die Straßen wälzte, auch glänzende Züge wahrer Humanität zu verzeichnen hatten. Diebarmherzigen Schwestern im europäischen Spitale, die Väter des heiligen Landes, die griechische, koptische und israelitische Kultusgemeinde wetteiferten in Rettung und Bergung unschuldig Verfolgter. Im arabischen Viertel nahm ein Türke eine große christliche Familie in sein Haus auf und verpflegte dieselbe ■UMMmi1n ir-iT *ifT irr ifft***^