Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1882)
- Date
- 1882-08-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXIIL Jahrgang. Erste Leitage Nr. 34 -es Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Posen, im August. Durch wiederholte Gerüchte über Verkümmerung des religiösen Lebens bei den nach Amerika übergesiedelten russischen Glaubensgenossen beunruhigt, hat ein Mitglied des Central- ^omitös der Alliance Jsr. Un. an diese Körperschaft unter dem 9. Juni ein dringendes Ersuchen um bezügliche Verwendung bei dem maßgebenden amerikanischen Comitö gerichtet. Bereits unter dem 15. Juni ward im Namen des Central-Comittzs der nachfolgende vorläufige Bescheid ertheilt: P. P. „Ihren w. Brief vom 9. Juni haben wir mit der größten Aufmerksamkeit gelesen. Ihre Vermuthung, daß die russischen Auswanderer entfernt von jeder jüdischen Gemeinde gruppenweise oder in Colonien wohnen, ist so viel erwiesen, nicht zutreffend. Wir glauben vielmehr, daß die Emigranten fast überall inmitten jüdischer Gemeinden leben und daß sich keine Gruppen derselben gebildet haben. Nur von einer oder zwei solcher Gruppen haben wir gehört. Wir wollen jedoch Erkundigungen über diese Angelegenheit einziehen und unseren amerikanischen Glaubensgenossen zu diesem Zwecke schreiben, ihnen auch gleichzeitig Ihren Antrag ans Herz legen. Uebrigens sind wir überzeugt, daß in Amerika alles Mögliche gethan wird, damit die russischen Glaubensgenossen die religiösen Vorschriften beobachten können. Die Antwort, welche wir aus New-Aork erhalten werden, wird diese Sache klar stellen u. s. w." Diesem ersten ist unter 2. August ein zweiter vom Central-Comittz ertheilter Bescheid gefolgt, welcher also lautet: P. P. „Als Fortsetzung unseres Briefes vom 15. Juni haben wir die Ehre, Ihnen mitzutheilen, daß wir vom Präsidenten des Board in New-Iork genau über die religiöse Lage der russischen Emigranten unterrichtet worden sind. In den durch die amerikanischen Comitös gegründeten Colonien wird, natürlich am Samstag nicht gearbeitet; dieHebrew Emigrant Aid-Society in New-Uork, welche die Emigranten ausnimmt und besorgt, gibt ihnen koschere Nahrung und thut überhaupt das Mögliche, um den Auswanderern die religiöse Praxis zu sichern. Religiöse Beamte (Rabbiner, Schochetim, Mohelim) sind genug unter den Auswanderern selbst." Mit aller Hochachtung I. V. des Central-Comiws. Dem Interesse aller Betheiliqten dürste wohl durch die Publikation obiger beiden Antwortschreiben gedient sein. Die religiösen Glaubensgenossen aller Länder werden aus denselben die beruhigende Ueberzeugung schöpfen, daß mindestens drei große maßgebende Comites den Wunsch haben, neben ausgedehnter Fürsorge für die materiellen Interessen der Auswanderer diese auch in die Lage zu bringen, daß sie ihren religiösen Obliegenheiten gerecht werden können. Sollte diesen Intentionen von einzelnen Sub-Comittzs nicht immer und überall vollständig Rechnung getragen werden, so dürften die Betheiligten, selbst wenn es ihnen mit dem Wunsche, als religiöse Juden zu leben Ernst ist, und ihre bezüglichen Bitten oder Beschwerden an nächster Stelle nicht Gehör und Abhilfe finden, gut daran thun, solche Beschweroen an die betreffenden Central - Comittzs direct oder an einzelne Mitglieder der letzteren gelangen zu lassen.^) Mindestens aber sollte durch Veröffentlichung einzelner specieller Fälle die in letzter Zeit wiederholentlich gehörten Klagen über Verleitung oder gar Nöthigung russischer Auswanderer zu Uebertretung unsrer heil. Religionsgesetze begründet werden, damit die „Sechste Großmacht", die öffentliche Meinung ihren heilsamen Einfluß üben könne. Allgemeine Verdächtigungen dagegen sind nur zu leicht geeignet, wohldenkende Männer von ihren opferfreudigen Bestrebungen im Interesse jener Unglücklichen abzuschrecken. Dr. W. F. Oesterr -Ungar. Monarchie. Pefth. Ludwig Kossuth, dem man, möge man welcher politischen Ueberzeugung immer sein, Patrio- * Auch wir sind bereit, berechtigte Klagen der Auswanderer an die betreuenden Hilss-Comitßs;u vermitteln und über den Eriolg öisentlich zu berichten. (Red.)