Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1882)
- Date
- 1882-08-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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860 wachsenen Hopfen zu einem sehr niedrigen Preise an sich gebracht. Das eine Geschäft machte ihn zum reichen Manne. Jetzt hatte er den Hopsenhandel aufgegeben und suchte seine großen Capitalien so gut als möglich zu fructificiren. Nicht etwa, daß er Wuchergeschäfte oder sonstige unsaubere Dinge trieb; aber die große Zeit, wie die Financiers sie nannten, bot Gelegenheit genug zur vortheilhasten Verwendung der Gelder. Dabei war Silberstein äußerst vorsichtig und hütete sich, an den damals so beliebten Gründungen sich zu betheiligen. Er gab sein Geld nur, wenn ihm „prima" Sicherheit geboten wurde. — Herr und Frau Silberstein hatten nur die einzige Tochter, die sie unaussprechlich liebten, aber nicht in gleicher Weise. Frau Silberstein liebte Helene, weil sie ihr einziges Kind war und weil dieses einzige Kind sich noch außerdem im Besitze aller guten Eigenschaften des Körpers, des Geistes und des Herzens befand. Der Herr Comerzienrath liebte Helene, weil sie sein einziges Kind war und deßhalb die Erbin aller seiner Reichthümer. Der Gedanke an den künftigen Schwiegersohn beschäftigte ihn bereits vielfach; er konnte sich denselben nicht reich und vornehm genug denken. Ein Fürst wäre ihm lieber gewesen als ein Gras. — „Meine Helene," sagte er oft zu seiner Frau, „ist ein Juwel, ein Edelstein, dem ich eine Fassung im Werthe von hunderttausend Thalern gebe. Ein Prinz wäre nicht zu viel für sie; schade, daß es keine jüdische Prinzen gibt." „„Mein seliger Vater,"" pflegte dann Frau Silberstein lächelnd zu antworten, „„sagte immer: Wir Juden sind alle Bne Melochim, und ein solcher Königssohn wird sich auch wohl für unsere Helene finden."" Als Adolph sich von der Familie Silberstein verabschiedete, wiederholte der Herr Comerzienrath seine überschwenglichen Lobeserhebungen. Frau Silberstein lud den jungen Mann auf das Herzlichste ein, seinen Besuch bald zu wiederholen. Der Herr Comerzienrath konnte nicht umhin, seinerseits sich den Bitten seiner Frau anzuschließen; allein er that es in kalter und zurückhaltender Weise. Als Adolph sortgegangen war und auch Helene das Zimmer verließ, sagte er zu seiner Frau: „Du, der Schnorrer wird doch nicht meinen, weil er unserem Kinde das Leben gerettet, daß er Anspruch auf dasselbe habe? Das sollte mir fehlen. Für solch einen Schwiegersohn würde ich mich höflich bedanken." „„Ich glaube nicht,"" antwortete Frau Silberz stein, „„daß Herr Marbach sich jetzt schon mit solchm Gedanken trägt. Er ist ein ebenso bescheidener, wie j anspruchsloser junger Mann; allein, wenn Deine Vermuthung richtig wäre, so könnte ich darin kein Unglück sehen. Der junge Marbach ist fleißig, tüchtig, solide, gebildet; er hat ein sehr angenehmes Aeußere und feine Manieren; sein Charakter ist tadellos; auch ist er von guter Familie; ich könnte unserer Helene keinen besseren Mann wünschen als ihn."" „Was Du für plebejische Anschauungen hast! Nein, da stimmen wir nicht überein. Ich muß Dich ernstlich bitten, ihn nicht so oft einzuladen. Auch das Kind könntest Du warnen. Es soll sich nur ja nicht in den Habenichts verlieben. Niemals würde ich zu solcher Partie meine Einwilligung geben." „„Eine solche Warnung wäre das beste Mittel, das herbeizuführen, was Du befürchtest. Daß ein junges Mädchen von noch nicht 17 Jahren für Denjenigen, der sie mit eigener Lebensgefahr vor einem frühzeitigen Tode bewahrt hat, die schwärmerischsten Gefühle hegt, das liegt in der Natur der Sache. Ich empfehle Dir, Lesfing's Nathan der Weise zu lesen. Da wirst Du sehen, wie Recha für den Tempelherrn schwärmt, der sie dem Flammentode entrissen. Würde ich nun mit einer Warnung kommen, die sich auf materielle Gründe stützt, so hieße das Oel in's Feuer gießen. Helene würde sofort sich verpflichtet halten, den jungen Mann schon deßhalb zu lieben, damit sie ihm mit ihrer Hand auch zugleich ihr Vermögen bieten könne."" „Nein, nein, wenn dem so ist, so sage ihr lieber nichts; aber lade ihn auch nicht ein und suche die jungen Leute so fern wie möglich von einander zu halten." „„Aber, lieber Mann, ich glaube. Du beurtheilst diese Angelegenheit nicht richtig. Wir sind Herrn Marbach zum allergrößten Danke verpflichtet. Ohne seine heldenmüthige That hätten wir kein Kind mehr. Deßhalb könnten wir es ihm kaum verweigern, wenn er es von uns verlangen würde."" „Du hättest ganz Recht, wenn ich gerade so ein Dalsen wäre, wie Dein Herr Marbach. Aber die hunderttausend Thaler, die ich mitgebe, auf die hat er doch keinen Anspruch!" „„Ist Dir denn das Geld lieber als Dein Kind? Nicht doch, lieber Mann. Du machst Dich selbst schlechter als Du bist. Ich weiß es, Du liebst Helene ebenso sehr, wie ich es thue."" „Weil ich sie so sehr liebe, will ich mir einen Schwiegersohn aussuchen, der ihr Ehre und Reichthum bringt." (Fortsetzung folgt.) Hierzu drei Beilagen. verantwortliche Redaction: Or. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des „Israelit* große Bleiche 45. I. GvttSleben'- Buchdruckerei (Mainzer Anreiqer).