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Der Israelit · 1882-08-23 · Heft 34 (23.8.1882) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 34 (23.8.1882)
Date
1882-08-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Steinamanger. Am Dienstag 15. v. M. fand vor dem Sreinamangerer Gerichtshof gegen Franz Förster und Genossen die am 10. v. M., um 10 Uhr Abends, die Lampen des israelitischen Tempels zerbrachen und die Fenster desselben einschlugen, die Schlußverhandlung statt. Als klägerische Parteien waren in Vertretung der Cultusgemeinde Philipp Lackenbacher und I. M. Deutsch erschienen. Diese bezifferten den Schaden mit 20 fl., erklärten jedoch, daß sie weder den Ersatz des Schadens, noch die Bestrafung der Thäter verlangen. Der öffentliche Ankläger tritt von der Anklage gegen Julius Kotzmann zurück. Nach den Reden des öffentlichen Anklägers und des Vertheidigers Weghofer erfolgte die Beratung des Gerichtshofes, worauf der Vorsitzende folgendes Urtheil publicirte: Als mildernd zog der Gerichtshof in Betracht, daß die klägerische Partei vom Ersatz des Schadens abstand und die Bestrafung der Angeklagten nicht wünschte; weil aber die begangene That von Amtswegen zu verfolgen ist, fand der Gerichtshof, die Thäter zu verurteilen. In Folge dessen wurden wegen des Vergehens der Schädigung eines zu religiöser Ceremonie bestimmten Gebäudes verurtheilt: Franz Förster und Georg Czigler zu vierzehntägigem Gefängniß und 15 fl. Geldbuße, Victor Talaber und Adolf Fringl zu zehntägigem Gefängniß und 10 fl. Geldbuße, Johann Szivös, Coloman Pöcz, Ferdinand Weigl und Ludwig Sarang zu je viertägigem Gefängniß und 5 fl. Geldbuße, Ladislaus Ragy und Coloman Papp zu viertägigem Gefängniß, Carl Tezer zu viertägigem Gefängniß und 1 fl. Geldbuße, Coloman Simon zu viertägigem Gefängniß und 3 fl. Geldbuße, Johann Neubauer und Ludwig Török zu je vierundzwanzigstündigem Gefängniß. Die in Untersuchungshaft verbrachte viertägige und kürzere Zeit wurde 'eingerechnet. Julius Kotzmann, Josef Bödy, Johann Tezer, Stefan T6th, Joses Farkas und Julius Szabados wurden freigesprochen. — Die Verurteilten und der Staatsanwalt gaben sich mit dem Urtheil zufrieden und Förster, Talaber, Czigler und Fringl traten die Gefängnißftrafe sofort an. (Ung.Jsr.) Egypten. Alexandrien. Im Jahre 1488 bereiste ein wegen seiner Gelehrsamkeit berühmter Rabbiner Obadjah di Bartinora den Orient und berührte auf seiner Reise auch Alexandrien. In seinem Reiseberichte gibt er uns über genannte Stadt manche interessante Notizen, denen wir Folgendes entnehmen: Alexandrien ist eine sehr große Stadt mit einer Mauer umgeben, welche von: Meere bespült wird. Zwei Drittel der Stadt liegen öde da und viele Häuser sind unbewohnt. Die bewohnten Höfe haben Mosaikpflaster und sind in der Mitte mit Pfirsich- und Dattelbäumen bepflanzt. Wegen seit einiger Zeit schlechten Luft sind die Gebäude! aber nur spärlich bewohnt, und der des Klimas Ungewohnte wird bald krank oder stirbt bald; die meisten Einwohner leiden an Augenkrankheiten. Kaufleute, die aus allen Gegenden dorthin kommen, finden Schutz und Förderung bei den Konsuln von Venedig, Genua, Katalonien und Ancona. Die! Christen müssen Nachts in ihren Häusern bleiben,! und die Straßen des Christenviertels werden überdies jeden Abend von den Arabern abgesperrt und erst am Morgen wieder geöffnet. Ebenso darf sich am Freitag von Mittag ab kein Christ auf der Straße sehen lassen, er würde kaum dem Tode eiugehen, wenn er sich zu dieser Zeit auf die Straße hinauswagte. Der Eingangszott aller Maaren und sogar auch des baaren Geldes, das der Reisende bei sich trägt, beträgt 2 Percent, doch ist wohl zu merken, daß das Geld zumeist eingeschmuggelt wird und, das ist die schöne Seite des Zollgesetzes, daß der Schmuggel in ganz Egypten nicht bestraft wird. Die Anzahl der Juden belief sich damals nur auf 25—30 Familien. Auch von der Eliassynagoge, die kürzlich ausgeplüudert wurde, ist die Rede. Diese hat aber nicht, wie theilweise angenommen wird, ihren Namen daher, weil der Prophet Elias sie erbaut haben, sondern weil er in der südwestlichen Ecke derselben den Betenden zuweilen erschienen sein soll. So soll er auch, berichtet unser Reisender, erst vor zwanzig Jahren einem Manne dort erschienen sein, setzt aber seinem Berichte vorsichtig die Worte hinzu: „Gott weiß die Wahrheit!" Üebrigens ist die jetzt neuerdings ausgeplünderte Synagoge nicht jene alte, von der unser Reisende berichtet, diese ist vielmehr auf dem Platze der alten vor 20 Jahren inmitten herrlicher Gartenanlagen neu erbaut worden in einer Pracht, welche an die schönsten Tempel in Europa erinnert. (Fr. Ztg.) Feuilleton. Der Sohn der Witwe. rv. Frau Josephine machte sich die bittersten Vorwürfe darüber, daß sie ihren Sohn veranlaßt hatte, in den kaufmännischen Verein einzutreten. Sie hatte es so gut gemeint, hatte ihm Zerstreuung und Erholung verschaffen wollen, und gleich bei dem ersten Vergnügen, an welchem Adolph Theil nahm, war sein Leben gefährdet worden! Wohl war er glücklich dem Strome entronnen und hatte ein Menschenleben gerettet, aber die Folgen waren noch nicht abzusehen. Sie hatte zum Arzte geschickt und erwartete sehnlichst dessen Ankunft. 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