Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1882)
- Date
- 1882-08-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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856 größere Theilnahme von Seiten der Gemeinden, was wesentlich dem gütigen Wohlwollen und Entgegenkommen der k. Kreis-Regierungen, welche die Gemeinden durch die betr. k. Bezirksämter zur Betheiligung aufmuntern ließen, zuzuschreiben ist. Nach Erledigung der regelmäßigen, geschäftlichen Punkte ging man zum Hauptgegenstande, den man schon bei jüngster Versammlung auf die diesmalige Tagesordnung setzte, über, nämlich die Aufstellung eines Lehrplanes für den jüd. Religions-Unterricht. Dieser sollte es ermöglichen oder vielmehr den Weg zeigen, wie bei dem knappen Zeitmaß, welches im Allgemeinen für diesen wichtigsten aller Gegenstände in unsern Schulen eingeräumt ist, dennoch eine größere und tiefgehendere Kenntniß unserer Religionsfächer bei den Kindern zu erzielen fei. Die Aufgabe ist keine leichte, und eine gute Lösung derselben verdiente wohl einen hohen Preis. Es waren in der That einige recht gediegene Arbeiten hiefür von Rabbiner Bamberger—Kissingen, Mittel—Unsleben und Ehrmann—Burgpreppach eingelaufen. Vorsitzender Stern referirte hierüber, wies aber auch zugleich die Mängel derselben nach. Am Schlüsse legte derselbe seinen eigenen Entwurf in einer mehrstündigen Erläuterung der Versammlung zur Anschauung vor. Im Wesentlichen besteht derselbe in Folgendem: St. verlangt vor Allem als Minimum an Zeit 10 Stunden wöchentlich, mit weniger als soviel sei unmöglich das erwünschte Lehrziel zu erreichen. Selbst dre kgl. württembergische und die Großh. badische oberste Schulbehörde erkennen dieses Zeitnmß als nothwendig, b^w. empfehlenswerth für die jüdischen Schulen an. Diese 10 Stunden seien in 20 halbe Stunden auf 4 Klaffen, welche aus dem 1. Jahrgang und dann je aus zwei Jahrgängen gebildet werden, zu vertheilen. Hilfs-Unterricht, stille Beschäftigung, Zuhören als Wiederholung des Gelernten und als Vorbereitung des zu Lernenden müßten die fehlende Zeit ersetzen. Als Lehrziel des unerläßlich Röthigen stellt St. für die Knaben das Durchübersetzen des ganzen Pentateuch, welchem sich das Kennenlernen der Pflichten und Gesetze anzuschließen habe, und für die Mädchen das Uebersetzen des ganzen Gebetbuches auf, und er glaubt dies nach seinem System und der bezeichneten Zeitvertheilung bei dem entsprechenden Eifer des Lehrers auch zu erreichen. Die Gegenstände selbst theilt er in unerläßlich nöthige und empfehlenswerthe, wodurch sich auch die Zeitvertheilung erklärt und regulirt. Es war ein mit vieler Muhe und durch Zahlen zur Veranschauung gebrachter Plan, der sich in der Theorie jedenfalls als gut erwies; allein er stieß ebenfalls auf vielfachen Widerspruch, und so wurde wegen vorgerückter Zeit die Discussion hierüber vertagt, und beschlossen, daß zur Jnformirung über den Gegenstand eine schriftliche Auseinandersetzung unter den Mitgliedern während btfl Jahres circulrren, und bei der nächsten Versag lung, die wieder im August 1883 dahier stattfmd» wird, entgiltige Beschlüsse gefaßt werden solle! Nach Schluß der Sitzung vereinigte sich eine große! Anzahl von Mitgliedern zu einem gemeinschaftliche» Mahle, wobei sich eine recht heitere collegialW Stimmung kund gab. Möge der junge Verein mV Innen immer mehr erstarken und nach Außen onl Ansehen und Förderung gewinnen, damit er fcineil idealen, wie materiellen hohen Aufgabe gerecht tm den könne! I Berlin, 17. August. Die gestern Abend nach! dem „Bock" einberufene Antisemitenversammlung abermals äußerst zahlreich besucht. Hauptredner tDoil wiederum Dr. Henrtci, der sich u. A. auch darüber! beschwerte, daß auf die dem Reichkanzler s. Z. über-I mittelte Antisemitenpetition bis jetzt keine Antwort! erfolgt sei. Die Antisemiten würden aber nicht ehr:! ruhen, als bis der letzte Jude den deutschen Bode«! verlassen. Es gelangte endlich folgende Resolution! zur Annahme: „Die heute auf der Berliner Boi brauerei versammlten 2000 deutschen Reichsbürger bitten ein hohes Staatsministerium ergebenst unt dringend, sämmtliche Staatsbehörden Zu veranlag nicht ihre Annoncen mehr den staatsfeindlichen um staatszerrüttenden Juden - Zeitungen zu übergeben, sondern sie regierungsfreundlichen, christlichen, deutschen Blättern überweisen zu wollen." Niederlande. Haag, 15. Aug. Gestern Mittag 1 M wurde der Bazar zu Gunsten der verfolgten russischen Juden eröffnet. Die Verkäufe sind schon so flott gegangen, daß die Erwartungen, die sich an den Erfolg des humanen Werkes knüpften, bei Weitem übertroffen sind. Zu einer recht animirten Stimmung trug eine auf der Estrade postirte Militärkapelle bei, die beim Eintritt des Prinzen von Oranien und der Prinzessin Marianne (einer Tante des Königs) diholländische Nationalhymne intonirte. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Pesth, 8. Aug. Der Gerichtshof zu Nyiregyhaza hat in Sachen der verschwundenen Esther Solymossy den Beschluß gefaßt, die kriminelle Untersuchung gegen die des Mordes an dem Kinde Verdächtigen einzuleiten. Der Beschluß lautet im Wortlaut: Der kgl. Gerichtshof zu Nyiregyhaza hat nach erfolgtem Abschluß der gegen Joseph Schwarz und Genossen sud Zahl 129/1881 v. b. anhängig gemachten Voruntersuchung wie beschlossen: Gegen