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Der Israelit · 1882-08-23 · Heft 34 (23.8.1882) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 34 (23.8.1882)
Date
1882-08-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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855 E Muß es noch erst bewiesen werden, daß der Duelle Mord dem Judenthum nicht allein fern liegt, Echt allein von demselben verabscheut wird, sondern U Verbindung mit dem Judenthum gedacht, ein so «geheurer Nonsens ist, daß es fast als eine an den Menschen und dem Menschenthum geübte Beleidigung «gesehen werden müßte, wenn man es noch für nö- »ig hielte zu beweisen, daß jene Blutbeschuldigungen »ne boshafte Verleumdung vergangener Zeiten sei. Rs steht daher fest, daß Jeder, der nicht ganz dem «rkommensten Geistes - Proletariat angehört, diese UM nicht glaubt. Aber es gibt und namentlich im Rüdesten und Osten Europa's eine beträchtliche Zahl, Re dem Geistes - Proletariat angehört, und es gibt «ich gewissenlose und ehrlose Menschen, welche, um ■gene Zwecke zu fördern, diese Unwissenheit ausbeu- «il und die bedauerlichen Geistesarmen durch lügne- »sche Schaudergeschichten erschrecken, ihre Phantasie Efjiöcn und zu Gewalttaten aufstacheln. Wagt es «i Gebildeter, den Verdacht des Mordes zu rituellen «recken gegen die Judenheit auszusprechen, so spricht »' gegen seine bessere Ueberzeugung, er macht sich Wissentlich der Lüge schuldig, sein Ziel ist Mord und »odtschlag. I Daß' die Blutanschuldigungsfrage im Laufe des Rroceffes erörtert werden, und daß von competenter »eite dieselbe als Wahn erklärt werden wird,. ist Ritt Sicherheit anzunehmen, und so wird die öffent- Iche Verhandlung nach dieser Seite hin wohlthätig Inf die Massen wirken, an denen die Hetzereien der magyarischen Antisemiten nicht wirkungslos vorüberlegcmgen sind. [ So wenig wir nun auch gewünscht hätten, daß >ie Tisza-Eszlarer Affaire niedergeschlagen und gleichem todtgeschwiegen worden wäre, so sehr wir wünicheu, daß mit hellem vollen Licht die Angelegenheit geleuchtet werde und die Anklageschrift uns daher mcht ein unshmpatisches Aktenstück ist, so macht es joch auf den Culturfreund einen peinlichen Eindruck, m unserm Jahrzehnt eine Klage erhoben zu sehen, M nach Zeugenaussage sich ergeben habe, Salomon Pchwarz und Genossen hätten die Solymossy „durch Mn, mittelst des jüdisch-rituellen Schacht- Messers am Hals applicirten Schnitt ermordet." ^urch den Zusatz „jüdisch-rituell" ist die ofsicielle Anklage auf rituellen Mord ausgesprochen, und das p bedauerlich für den Nus unseres Jahrhunderts, ster nicht für die Sache und auch unseres Bedünkens Mit für die Angeklagten. Der Untersuchungsrichter M nichts anders als das ResumS der Zeugenaussagen, verleiht der Anklage zugleich aber eine pasis, die nicht schwer zu entrücken sein wird. Mag der Proceß also beginnen: liegt eine Blutschuld vor, so mögen die Schuldigen ihre gerechte Strafe finden, auch in diesem schlimmsten Falle wird der Nichterspruch klar stellen, daß das Verbrechen des Einzelnen nicht der Gesammtheit aufzubürden ist. Wird aber, wie wir nicht allein hoffen, sondern glauben, das Urtheil ein freisprechendes sein, so wird jeder boshaften Nachrede, als habe man aus Angst und um der Juden willen ein Verbrechen verschleiern oder verdunkeln wollen, die Gelegenheit genommen sein. Die Gründe, welche wir dafür haben, und es sind psychologisch und sachlich sehr gewichtige, an ein freisprechendes Urtheil zu glauben,' wollen wir hier nicht mittheilen, um nicht den Anschein zu erwecken, als wollten wir aus den Gang des Proceffes oder die Stimmung irgend eine Einwirkung ausüben, daß aber das Verschwinden der Solymossy sich ereignet, nachdem man in Ungarn eine Judenhetze nach Berliner Muster in Scene zu setzen versucht hat, wollen wir doch constatiren. Jur Schechitahangelegenheit. 8. dir. 6 der „Allgem. Thierschutz-Zeitschrift" enthält einen Bericht über eine Ausschußsitzung des Thierschutz-Vereins in Würzburg, in welchem mitgetheilt wird, „daß man in Bern bereits begonnen habe, der rituellen Schlichtung der Israeliten (!?) eine Tödtung des Thieres durch die Schlachtmaske voranzuschicken." Wir können dieser Notiz keinen Glauben beimessen, und veröffentlichen sie in der Erwartung, daß dieselbe von maßgebender Seite in Bern dementirt werde. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Würzburg, im August. Am 2. ds. hielt da' hier der „israel. Lehrerverein für die drei fränkischen Kreise Bayerns," seine Hl. Generalversammlung. Die Betheiligung war eine recht lebhafte und legte Zeugniß ab von der Consolidirung des Vereins. Auch einige Ehrengäste hatten sich eingefunden: Herren Rabbiner Adler Kitzingen, Rabbiner Lebrecht—Schweinfurt, Rabbiner Berlinger—Braunsbach, Vorst. Müller—Würzburg. Nach einer Begrüßungsrede des Herrn Vorsitzenden Schuldirector Stern—Würzburg, ging man zur Tagesordnung über. Die Rechnungs-Ablage ergab ein sehr günstiges Resultat, indem dieselbe eine Zunahme an Mitgliedern und an Einnahmen nachwies. Der Verein besteht z. Z. aus 86 ordentlichen und 67 außerordentlichen Mitgliedern, das Vereinsvermögen aus 3282 Mark 38 Pfg. Auch constatirte der Vorsitzende eine

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