Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1882)
- Date
- 1882-08-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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839 fertigung anvertraut, von Dir aber unterschlagen und gegen falsche ausgewechselt wurden?" „In welchem Tone wagen Sie es, mit mir zu sprechen?" hatte Munitz im Auflohen gerechten Zornes dem wüthenden Beamten entgegengerufen, „Sie stehen einem Manne von anerkannt makellosem Charakter gegenüber. Nicht nur die ersten meiner Glaubensgenossen, die vornehmsten Patricier in Frankfurt; sondern auch regierende Fürsten werden mir das beste Zeugniß ertheilen. Ich fordere Sie mit allem Ernste auf, sofort Ihre unbesonnenen Worte zurückzunehmen, mir Satisfication zu geben, Abbitte zu leisten; sonst werde ich augenblicklich die Klage gegen Sie bei meinem hohen-, gnädigen Gönner, Seiner Durchlaucht dem Herrn Markgrafen, überreichen. — „Morim diwre emes,"*) fuhr Rabbi Jakow Cohen in seiner Erzählung fort, welche seine Zuhörer in athemloser Spannung erhielt, „einen Augenblick war |ber Direktor von dem lauten Aufschrei gekränkter illnschuld betroffen, aber de Cleviöre rief: Schelm! |ba kommst Du an den Unrechten Mann, Serenissimus selbst ist ja Tein Ankläger, er hat den von Dir angefertigten Schmuck von Kennern untersuchen uassen^und diese haben unter Eid erklärt, daß sämmtmche steine falsch sind; aber Herr Kriminaldirektor, dvandte sich der Schurke an diesen, wenn Sie hier mch den gestohlenen Steinen suchen lassen wollten, Mre die Mühe eine vergebliche, die wird die schöne Lüdin, die Mitschuldige dieses Betrügers, bei ihrer puchtartigen Abreise vor einigen Wochen mitgenommen haben." [. Jetzt überkam dem sonst unerschrockenen Munitz ein jäher Schreck; wenn de Clevere ein vollendeter Schurke war, und daran konnte er jetzt keinen Augenblick zweifeln, — dann war er, wenn Gott m Himckel nicht ein Wunder that, ein verlorener Niann und auch seine edle Gattin, die in nicht alltu ferner Zeit einem Kinde das Leben geben sollte, Unrettbar einer Anklage verfallen, die sie nicht zu ntkrästen vermochte!" „Freilich!" rief Josef Oppenheim ganz eifrig, tdie ganze Machination liegt ja klar am Tage, der pende Secretär hatte offenbar die Fabel, daß der Mesende Markgraf einen imitirten Schmuck wünsche, Kunden, und diesen statt den werthvollen, den er unterschlug, seinem Gebieter übergeben, die Malverptwn auf den unschuldigen Munitz geschoben und M fluchtartige Abreise der armen, betrübten Frau Mau zu seinem nichtswürdigen Plane benützt — M wie ergings dem schwer geprüften Manne veiter?" I „Es wurden ihm sofort Ketten angelegt, er kurde in den Kerker geworfen. Munitz war ein I Mann von unerschütterlichem Gottvertrauen und sein treuer Diener Feisch Jchenhausen, ein Zeuge seiner gläubigen Zuversicht, hatte für seine Standhaftigkeit nicht Worte der Bewunderung genug. — Der racheschnaubende, wilde Markgraf, der in seinen Secretär unbeschränktes Vertrauen setzte, ließ die edle Channa als Diebstahlstheilnehmerin steckbrieflich verfolgen. Was Munitz erlebt, kann man sich leicht vorstellen; aber er besaß zu Gott, dem er sein Leben lang mit endloser Treue und Ergebung gedient, endlose Zuversicht; nachdem er sich von dem ersten Schrecken und der ersten Ueberraschung erholt hatte, war er von der innigsten Ueberzeugung durchdrungen, daß der allgerechte, allwaltende Gott, den Guten nicht zu Grunde, den Bösen nicht triumphiren lassen würde; — aber in dem unerforschlichen Rathschlusse des Höchsten war es anders bestimmt! Munitz hatte bei seinem Verhöre die Wahrheit gesprochen, er berief sich darauf, daß der Markgraf selbst ihm ausdrücklich erklärt habe, daß er ihm durch seinen Secretär Aufträge ertheilen und er diese wie direkte Befehle betrachten solle; — aber der Schein sprach gegen ihn. Der Markgraf, ein großer Tyrann in seinem kleinen Lande, drohte dem Kriminalgerichte mit seiner höchsten Ungnade, wenn es ihm nicht gelänge, von dem verstockten Verbrecher ein Geständniß zu erlangen. Unter Wilhelm Friedrich herrschte in Ansbach kein Recht, nur die Willkür, der Wille, die Laune des Markgrafen und seiner Creaturen; und die Justizbehörde war ein gefügiges Werkzeug in deren Händen. Die trefflichen Richter besaßen aber ein nie versagendes Mittel, einem Angeklagten jedes Geständniß, dessen sie eben bedurften, abzupressen — die Folter! Wieder hielt Rabbi Jakow, tief aufathmend, einen Augenblick inne. „So oft ich an diese, die Menschheit schändende, frevelhafte Institution denke," fuhr er nach kurzer Pause fort, „erkenne ich von Neuem die wunderbare Herrlichkeit, Reinheit und Einfachheit unserer heiligen Gotteslehre! Die Folter zerstört nicht nur des Menschen Leib, sondern auch seine Seele! Welcher vernünftige Mensch wird, wenn er gefesselt, hilflos gemacht, auf der Folterbank liegend, in einer Weise gemartert wird, daß er wahnsinnig zu werden glaubt, nicht Alles gestehen, was man auch von ihm verlangen wird?! Es ist eine bekannte Thatsache, daß reine, zarte, kaum dem Kindesalter entwachsene Mädchen. als Hexen angeklagt, aus der Folterbank Verbrechen gestanden haben, die man ihnen in den Mund gelegt und deren Bedeutung sie gar nicht gekannt hatten^). Man wollte Munitz foltern. Feisch Jchenhausen, sein treuer Meschores, war in Ansbach ge-!!! 1- ■■; < i t i 1) Tie Wahrheit ist erkennbar. 2) Historische Thatsache.