Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1882)
- Date
- 1882-08-16
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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840 blieben, so lange als sein Herr dort im Kerker lag, und der einzige Mensch, der ihn dort zuweilen sprach. Dieser hatte jenem gesagt: Als man mich in die Folterkammer führte, gedachte ich der Worte unserer Weisen: Ile mole nogduhu Chanania, nuschoel weasaria polchu lezalmo^) — diese Schändung des im Ebenbilde Gottes geschaffenen Menschen, wollte ich nicht an mir vollziehen lassen, ich gestand, was man von mir verlangte!! .... Das Urtheil ließ nicht lange auf sich warten, der wuth- und racheschnaubende Markgraf hatte das höchstmögliche Strafausmaß gefordert, er hätte es am liebsten gesehen, wenn man Munitz zum Tode, vielleicht sogar zu einem martervollen, qualenreichen Tode verurtheilt hätte; aber ein Rest von Schamgefühl, das moralische Bedürfniß, wenigstens äußerlich einen Schein des Rechtes zu wahren, veranlaßte das Gericht den Jnkulpaten — in Anbetracht erschwerender Umstände — zu lebenslangem Zuchthause zu verurtheilen. Bevor Munitz die Kerkerhaft antrat, wurde es ihm gestattet, sich in Gegenwart des Kerkermeisters von seinem Diener Feisch Jchenhausen zu verabschieden. Der treue Mann erklärte ihm, so lange er im Kerker sei, Ansbach nicht zu verlassen, er glaube, es werde ihm — Munitz — doch wohl thun, zu wissen, daß ein theilnehmender Mensch dieselbe Luft mit ihm athnle, und er würde auch die Erlaubniß erhalten, ihn von Zeit zu Zeit sprechen zu dürfen. Es gelang ihm auch, seinem Herrn unbemerkt ein Papier mit einigen Worten zuzustecken. Als Munitz in seiner Zelle allein war, las er dieselben und dankte Gott aus tiefstem Grunde seiner Seele für diese Botschaft. Er hatte alles Leid, das ihn allein betraf, mit Standhaftigkeit er- 3) Hätte manChananja, Mischoel und Asaria gefoltert, auch diese Männer, die standhaft den Tod im glühenden Katkofen ertragen wollten, hätten sich vor dem Götzenbilde gebeugt. tragen, nur Eines bedrückte qualvoll seine Seele, Channa wurde verfolgt; wenn sie das edle, fromme Weib ergriffen, um Geständnisse von ihr zu erpressen, sie auf die Folterbank legten, ihren Leib zerfleischten, sie im Kerker zu Mördern, Räubern, Mordbrennern, lüderlichen Dirnen, dem Abschaum der Menschheit würfen, ihren zarten Leib mit schweren Ketten belasteten; — das war ein Gedanke von so entsetzlicher Grauenhaftigkeit, daß er zuweilen glaubte, der könne sogar seine unsterbliche Seele vernichten! . . . . und nun erfuhr er, daß sie gerettet sei! - Sie hatte sich in Frankfurt nicht sicher gefühlt, sie war nach Prag zu ihrer an Reb Henoch Straßburg verheiratheten Cousine geflohen, dort nach emer beschwerlichen, gefährlichen Reise glücklich angelangt." „Der arme würdige Mann!" seufzte David Oppenheim tief auf. „Wie erging es ihm während seiner langen Kerkerhaft?" „Prager-Munitz ertrug sein Leid mit einer Gottergebenheit, die alles bisher Dagewesene bei Weitem überstieg; sein Gottvertrauen blieb unter den härtesten Schlägen unerschüttert. Durch seinen treuen Diener Feisch erfuhr er auch, daß feine Frau kurz nach ihrer Ankunft einen Sohn geboren, den man Benjamin genannt; daß sie, indem sie ihm das Leben gab, den Tod fand, daß ihre irdische Hülle dort auf dem schönen, uralten Friedhofe seiner Heimath ruhe ...... Es war ein harter Schlag, der eines schwachen Menschen Herz wohl zu brechen vermag; — aber Munitz war kein schwacher Mensch, er ertrug auch das — er verzehrte sich in unschilderbarer Sehnsucht nach dem mutterlosen Knaben, dessen Vater für ihn tobt, in seiner Bitterkeit mochte er denken, viel mehr als todt fei; — nach dem zarten Kinde, das er wohl in diesem Leben nie sehen würde; — aber er ertrug auch diesen Schmerz standhaft und murrte nicht! (Fortsetzung folgt.) Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. WHT Inseraten - Annahme für Frankfurt a. M. bei I. Kauffmann, Buchhandlung; für Hamburg bei A. Goldschmidt, Buchhandlung, Kohlhöfen 35; für Cöln bei Leo Frank, Steinfeldergasse 7; für München bei N. Dettelheim, Färbergraben 29; für Fürth in Bayern M Dornberger, hebr. und deutsche Buchhandlung. s^ine Thora - Rolle steht billig zum Deri ft,iu junger Mann, welcher seit längerer. Stellung, am liebsten in einer kleinerer vs/ kauf und wird auf Verlangen zur An-! Zeit in einem größeren Eisenwaaren-^Ltadt. sicht versandt. ' > Geschäft als Magazinier thätig und in allen j E. H. Cohn s Buchhandlung! Comptoirarbeiten tüchtig ist, sucht gestützt j Offerten unter 8.8, 2935 an dieErpev. 8073] in Schwerin a. d. Warthe. * auf die besten Referenzen eine ähnliche 1 d. Blattes.