Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1882)
- Date
- 1882-08-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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832 lande ganz ohne Bedeutung und Einfluß. DieUebrigen lesen das Zeug nicht." Königsberg i. Pr, 26. Juli. In letzter Zeit haben mehrfach jüdische Flüchtlinge aus Rußland an dem hiesigen Orte ihren Aufenthalt genommen: von diesen sind gestern 17 angehalten und wegen Legitimations- und Mittellosigkeit heute früh zwangsweise mit der Ostbahn nach Eydtkuhnen geschafft worden, um dort über die Grenzen gewiesen zu werden. Aus Furcht vor Festnahme verließen gestern mit dem Abendpersoneuzuge 30 Flüchtlinge freiwillig die hiesige Stadt. (Jsr. Wchschr.) Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien. Eduard v. Hartmann, der bekanntlich nichts weniger als judenfreundlich gesinnt ist, äußert sich in seinem neuesten Werke: „Das religiöse Bewußtsein der Menschheit im Stufengange seiner Entwickelung," über das Judenthum in folgender Weise: Lax. 478. „Das Mitgefühl als tröstende Theilnahme und hilfsbereiter Licbeswille tritt von jetzt ab (das heißt nach der Zerstreuung der Juden) in den Mittelpunkt der jüdischen Moral. „Laß die Weinenden nicht ohne Trost und traure mit den Traurigen." Bei eigener Fröhlichkeit auch der Armen liebend zu gedenken, den Elenden und Rothleidenden nicht ohne Hilfe zu lassen, seinen Neberfluß an Geld nicht zu vergraben, sondern durch Unterstützung des Nächsten sich einen Schatz von guten Werken zu sammeln, das sind die Grundsätze, an denen das Judenthum bis auf die Gegenwart treu festgehalten hat. Zorn, Haß, Feindschaft'und Rachsucht gegen den Nächsten, widersprechen der Hoffnung, die man auf die Gnade Gottes setzt; man muß zuerst dem Nächsten vergeben, wenn man selbst auf Vergebung rechnen will . . . Und Seite 479 heißt es ferner: „Wohlthätigkeit und Familiensinn, Arbeitsamkeit und Streben nach Bildung und Mehrung derErkenntniß sind die schönsten Züge des Judenthums, die ihm auch für die Folge treu geblieben sind, und durch die es noch heute den Völkern, unter denen es wohnt, als Muster und Vorbild nützlich werden kann. Sie sind es gewesen, die diesen kleinen Stannn vergrößert und vor den: Untergänge bewahrt haben; denn sie haben ihm jene starke Vermehrung verschafft, welche ihn zur Auswanderung und Colonienbildung nöthigte, und sie haben den jüdischen Colonien allüberall jenes Gedeihen verschafft, welches trotz aller partiellen Zerstörungen den jüdischen Stamm als ganzen alle Stürme der Geschichte hat überdauern lassen, und ihm auch für die Zukunft eine fortschreitende Prosperität neben den fruchtbarsten Völkern der Erde (Deutschen, Iren, Chinesen) verbürgt." Trieft, 4. August. Heute Nachmittag fand das Begrübniß des durch den Bombenwurf getödteten Studenten Angela Forti statt; dem Leichenwagen folgten der Rabbiner, der Vorstand der israel. Gemeinde unter Führung des Präsidenten Edlen von Eisner, Hofrath Rinaldini in Vertretung des Statthalters, Bürgermeister B a z z o n i, Polizeidirector Pichler und eine unabsehbare Menschenmenge. Der Leichenzug kam von der Leichenkammer in San Giuüo auf die Piazza de legna, wurde hier vomVeteranen- Verein empfangen, welcher einen Kranz auf die Bahre niederlegte und sich mit seiner Musikkapelle anschloß. Auf dem Gottesacker hielten der Vorstand der Cultusgemeinde und der Rabbiner erschütternde Nachrufe. Erwähnen wollen wir noch die folgende Stelle aus der Rede des jüdischen Gemeindevorstehers, welche ungefähr also lautete: „Obgleich Du früh durch Mörderhand Deiner betrübten Mutter, Deinen trauernden Angehörigem entrissen worden, rufen wir hier nicht um Ra che, sondern wir bitten, daß aus Deinem Märtyrerblute Eintracht und Verständigung ersprkeße." —8 — Fr a nkr ei ch. Paris. Dem Eonsistorium war die Mittheilung gemacht worden, daß die städtischen Behörden von Rouen und Boulogne, in Folge der Aufhebung des Artikels 15 des Dekrets von 23. Prairial des Jahres 12, wonach besondere jüdische Begräbnißplätze untersagt sind, . die Anordnungen getroffen haben, das neue Gesetz zur strengen Ausführung zu bringen. Das Eonsistorium hat die Angelegenheit, vor die zuständige Behörde gebracht. Der Cultnsminifter hat darauf die Mittheilung gemacht, daß fein College, der Minister des Innern, an den die Reklamation gerichtet war, die Präfecten der Seine und Seine-Jnftzrieure angewiesen, daß der statu« gu" der gegenwärtigen Begrabnißplätze so lange aufrecht erhalten werde, bis die Nothwendigkeit einer Abänderung nachgewiesen sei. (Arch. isr.) Paris. In Folge des neuen Gesetzes, welches den Religionsunterricht aus dem Unterrichtsplan abschafft, hat das Eonsistorium eine Commission beauftragt, einen Plan für die Organisation des Religionsunterrichts außerhalb der Schule zu entwerfen. (Arch. isr.) Paris. Dem consistorialen Wohlthätigkeits- Comittz von Paris sind von einem Unbekannten 51 unveräußerbare Obligationen von Paris-Lyon-M6cliterranöe zugewiesen worden. Die Einkünfte dieser Obligationen sollen zur Bildung eines Fonds dienen, der die Benennung führt: Unterstützungsfonds für jüdische Jünglinge