Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1882)
- Date
- 1882-08-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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831 lief) begangene Jubelfeier der Würzburger Universität, bei welcher man in dankbarer Erinnerung und Verehrung des ersten Gründers dieser Pflanzstätte menschlichen Wissens gedachte, des Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn, des Erbauers des nach seinem Namen benannten Julius-Hospitals, eines durch seine vortrefflichen Einrichtungen seit drei Jahrhunderten hervorragenden, weit berühmten Krankenhauses. Wenn so der Humanist bei diesem Rückblick Anlaß findet, dem Gedächtniß eines um die Menschheit hochverdienten Mannes den dankbarsten Tribut zu zollen, so muß es ihn anderseits wieder mit Wehmuth erfüllen, wie die herrschenden Ideen mittelalterlicher Unduldsanikeit selbst auch auf hocherleuchtete, für das Wohl der Menschheit warm fühlende Männer ihren Einfluß ausübten, und wie dieselben in ihrem Streben nach dem Guten in dem Bekenntniß der Juden eine Schranke fanden; denn das Terrain, auf welches diese Wohlthätigkeitsanstalt erbaut wurde, war Eigenthum der vertriebenen jüdischen Gemeinde und früher Begräbnißvlatz derselben. Der Fürstbischof fand jedoch in der Aneignung dieses Gemeinde- Eigenthums keine widerrechtliche Handlung und entschloß sich trotz gerichtlicher Einsprache zu keiner Entschädigung. Herr Weisbart zeigt weiter die Bildung der jetzt bestehenden Gemeinde in ihren ersten neuen Ansiedlern. Wir begegnen da Namen, deren Sprößlinge heute zu den berühmtesten Familien zählen. Die Zusammenstellung ist meist den vorhandenen Urkunden entnommen, und wir können das Ganze als ein Wort zu seiner Zeit bezeichnen. Da bte Hälfte des Ertrags dieser Schrift für den Fond des israel. Hospitals zu Würzburg bestimmt ist, also einem wohlthätigen Zwecke dient, so ist dieselbe, abgesehen von den interessanten Aufschlüssen, die sie über den Entwicklungsgang der jüd. Gemeindeverhältnisse, sowie über die Niederlassung später berühmt gewordener Familien bietet, den jüdischen Familien besonders zu empfehlen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 5. Aug. „Unsere jüdische Mitbürger," w lautete das neue Thema eines alten Vortrages, welchen Herr Dr. Henrici gestern Abend vor ausverkauftem Hause zum Besten gab. Wie sonst mußte auch gestern wieder die Mähr von den Morden zu jüdisch-rituellen Zwecken herhalten, um die Versammelten mit mehr oder weniger Erfolg auf einige Stunden angenehm zu unterhalten. „Die Juden zapfen uns das Blut ab, nachdem sie einen wirthschaftlich - rituellen Schnitt an unserm Volkskörper vorgenommen," ist der erste zündende Ausspruch, den der Redner unter donnerndem Applaus des Auditoriums in der Einleitung vom Stapel läßt. „Wie man einen fremden Leichnam in die Kleider der Esther Solymossy hüllte, so versucht man heute, durch eine schlau eingefädelte Politik dem deutschen Michel Sand in die Augen zu streuen: Die Fortschrittler wollen beweisen, daß sie der Juden nicht bedürfen und daher jüdische Candidaten weder für den Landtag noch für die Stadtverordneten.versammlung aufstellen. Durch solche Manipulationen lassen wir uns nicht täuschen, wir, die erdrückende Majorität des deutschen Volkes, aller anständigen Leute. Mögen Judenknechte, wie Virchow, Richter, Hänel und wie die ganze Gesellschaft heißt, die ein so versumpftes Geschlecht von Deutschen ausmacht, die vergessen haben, daß sie deutsche Brüder haben, mag diese Gesellschaft, aus der, wie Straßmann richtig sagt. Sumpsmiasmeu steigen, immerhin kokettiren mit dem fremden Geschlecht, das nichts weiter will als uns wirthschaftlich und vielleicht auch körperlich schächten, — wir werden ans diesen Köder nicht anbeißen!" Dies war der zweite Ausruf, der freudischen Jubel hervorrief. Am packendsten wirkte die Parole: „Wählt nur Antisemiten! Alles Andere ist ein Verrath an unserm Vaterlande, ein Verrath an unserm Volke!" So ging es weiter bis zu der Prophezeihung: „In Deutschland, ja, da ist allerdings Platz für alle vertriebenen Juden; denn wir haben ein Gesetz, welches gestattet uns abzuschlachten; das hat uns die Partei gegeben, die die Frechheit hat, sich Fortschrittspartei zu nennen! Aber der Tag ist nicht mehr fern, wo die Juden ihr Bündel schnüren müssen, wo es mit des Königs Namen unterzeichnet steht: „Die Juden haben Deutschland mit bem heutigen Tage zu verlassen!" — Nachdem Herr Dr. Henrici Schmähbriefe citirt, die er erhalten haben will, u. s. w., sagt er zum Schluß, daß die Antisemiten auf der Wacht ständen, das deutsche Kaiserthum zu schützen gegen das verrottete Jndenthum, „bis zuni letzten Äthemzuge." Metz, 7. August. Das in Cassel erscheinende Schmutzblatt „Das Geldmonopol" wird seit einiger Zeit hiesigen Wirthen und Privaten zugesandt. Die amtliche „Lothringer Zeitung", die dies erfährt, bemerkt hierzu: „Welchen Zweck die Herausgeber mit der Verbreitung ihrer Machwerke in Metz und Lothringen verfolgen, ist unerfindbar. Die Leute, die sie lesen und sich allenfalls daran ergötzen, sind hierzu-