Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1882)
- Date
- 1882-08-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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814 eingestellt, der sich selbst als Chevalier de Cleviöre, Secretär des durchlauchtigsten Markgrafen Wilhelm Friedrich von Ansbach 1) vorstellte. Er theilte ihm mit, er habe schon viel Rühmenswerthes von seiner Kunstfertigkeit gehört, er möge ihm die schönsten Schmucksachen, die er am Lager habe, vorweifen, er selbst sei Kenner und wenn ihm seine Producte gefielen, würde er ihn seinem Gebieter, dessen vollstes Vertrauen er genieße, empfehlen. Dieser sei ein junger sehr großmüthiger Fürst, der seinen Freunden und Freundinnen oft sehr kostbare Geschenke mache, er würde an diesem eine vortreffliche, einträgliche Kundschaft haben. Der listige Mann, der sogenannte Chevalier de Clevwre, war, wie sich am Ende seiner Laufbahn herausstellte, ein ehemaliger Uhrmacher¬ und Goldschmidtgeselle aus Straßburg gewesen und hatte ursprünglich Ludwig oder Louis Schlüßler geheißen. Er hatte lange Zeit in Paris gelebt und sich dort die Landessprache ziemlich angeeignet. Auf seinen Irrfahrten war der kluge, unternehmende Mann nach Ansbach gekommen. Durch die Schönheit eines Mädchens, das ihn begleitete, und das er als seine Schwester bezeichnete, hatte er die Aufmerksamkeit des leichtsinnigen und wollüstigen Markgrafen auf sich gezogen, sich dessen Gunst erworben, und den Markgrafen veranlaßt, ihn zu seinem Privatsecretär zu ernennen. In dieser Stellung gelang es ihm Einfluß auf die Regierung des kleinen Landes zu erlangen, für hohe Bestechung unfähigen Menschen Sinecuren, reichen Leuten einträgliche Monopole oder Privilegien zu verschaffen, die Bewohner des Ländchens zu bedrücken. — Er bestärkte den Markgrafen in allen seinen bösen Neigungen und Intentionen, namentlich auch in seinem Bestreben, die Landesstände ganz bei Seite zu schieben; wären nicht endlich seine Malversationen und Niederträchtigkeiten, die er sich auch gegen seinen Gönner zu Schulden kommen ließ, entdeckt worden, er hätte es noch dain gebracht, daß der Markgraf den klugen, aber unstudirten, ja sogar unwissenden Mann zum Minister ernannt hätte. De Cleviere befand sich damals erst im Beginne seiner unwürdigen Laufbahn, seiner schändlichen Wirksamkeit, sein Name und sein Charakter waren in weiten Kreisen noch nicht bekannt, er wußte sich gut zu präsentiren, auch ein scharfblickendes Auge zu täuschen; das was er sprach, war zum großen Theile wahr und klang wahrscheinlich. Munitz hatte in dieser Weise schon mehrfach. Geschäftsverbindungen mit Fürstenhöfen angeknüpft und wies dem sogenannten Chevalier 1) geb. 1685, gelangte 1703 nach dem Ableben seines Bruders Georg Friedrichs, der als österreichischer Feldmarschalllieutenant am 28. Mär; in einem Gefechte gegen die Bayern bei Einsiedl an der Pils fiel, zur Regierung. mehrere Stücke vor, über welche sich dieser als Kenner sehr lobend aussprach. Nach einiger Zeit erschien de Eleviere wieder bei Munitz und forderte ihn auf, erwöge für seinen Gebieter Zeichnungen zu einem großartigen Schmucke entwerfen. Der junge Markgraf beabsichtige eine Rundschau an den deutschen Höfen abzuhalten, um sich eine Gemahlin zu wählen, und wolle der hohen Dame, der er seine Hand reiche, einen kostbaren Schmuck zum Geschenke machen. De Clevere erklärte, der Markgraf wolle die Edelsteine selbst dazu geben, sie sollten nämlich aus einem alten, unmodern gefaßten Familienschmucke gebrochen und in neuester Fayon gefaßt werden. Er gab Munitz genau die Zahl derselben, deren Farbe und Gewicht an, so daß dieser im Stande war, die gewünschten Zeichnungen zu entwerfen, und zur Ansicht nach Ansbach einzusenden. Kurz darauf empfing er eine höfliche Einladung nach Ansbach zu kommen, der er Folge leistete. Bei seiner Ankunft verschaffte ihm de Cleüiere Audienz beim Markgrafen, der ihn sehr freundlich aufnahm. Er übertrug ihm die Anfertigung des Schmuckes, und sagte ihm, er selbst sei verhindert ihn oft in seiner Kunstwerkstätte zu besuchen; aber de Clevisre, der sein volles Zutrauen besitze, werde ihn von dem Fortschreiten der Arbeit in Kenntnis setzen, und ihm seine Befehle überbringen, er möge j Alles was ihm sein Secretär auftrage, als seine - des Markgrafen — eigene Willensäußerung betrachten. Nach der Audienz verfügte sich der Secretär mit Munitz in die Schatzkammer, in welcher bctl Familienschmuck und die Kostbarkeiten der markgrO! lichen Familie aufbewahrt werden. In Gegenwaui des Schatzmeisters wurden Munitz die Edelsteine MI Perlen zugezählt und zugewogen, und dieser mM' I über das kostbare Material eine genaue detailliml Quittuug ausstellen. | Der Secretär hatte im Aufträge des Mark-, grafen für Munitz eine Wohnung in der Stadt gr-I nommen und ließ zur größeren Sicherheit vor drul Fenstern der Werkstätte eiserne Gitter machen; ml dem Hause und der Werkstätte standen Schildwachcul um den Munitz anvertrauten Schatz, namentlich wennl sich jener aus der Wohnung entfernte, zu behüten. > Um nicht zu lange von seiner jungen Frau ss» trennt zu bleiben, berief er sie nach Ansbach, sie von einer Magd und einem, bewährten, treuc» Diener des Hauses — Feisch Jchenhausen — dei> als achtjähriger Knabe in ihres Großvaters M« gekommen und damals schon 45 Jahre dort lck» begleitet, bald darauf anlangte. I Munitz arbeitete fleißig in seiner WerksrattW während seine Frau für die Bedürfnisse ihres kleivM Haushaltes sorgte. — Der Secretär war täglich W Munitz, wie er sagte, um seinem Gebieter, der M