Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1882)
- Date
- 1882-08-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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815 gar nicht erwarten könne, den herrlichen Schmuck vollendet zu sehen — über den raschen Fortgang der Arbeit erfreulichen Bericht erstatten zu können, aber nach etwa 14 Tagen erschien der Markgraf selbst, von seinem Secretär begleitet. Er war mit der Arbeit sehr zufrieden, rieth ihm Frankfurt zu verlassen und seinen dauernden Wohnsitz in seiner Residenz in Ansbach zu nehmen und versprach, ihn zu seinem Hofjuwelier zu ernennen. Am Abende desselben Tages bat Channa ihren Gatten, ihr zu gestatten, nach Frankfurt in ihre öeimath zurückzukehren, und als Munitz überrascht, sie um den Grund ihres raschen Entschlusses frug, erwiderte sie erröthend, schon früher wäre ihr das Benehmen des Secretärs, seine widerliche Freundlichkeit auffallend gewesen; aber sie glaubte bemerkt zu haben, daß ihr ruhiges, würdiges Benehmen einen günstigen Einfluß auf ihn ausgeübt, da er sich später ganz tadellos gegen sie benommen; aus diesem Grunde hatte sie, um ihren Gatten nicht zu beunruhigen, ihm nichts darüber mitgetheilt; aber heute wäre der Secretär in Begleitung eines sehr jungen Mannes, den sie der Schilderung nach für den Markgrafen halten mußte, während Hllunitz's Abwesenheit auf ihr Zimmer gekommen. Der Markgraf hätte sie mit eigentümlichen frechen Blicken betrachtet, und auch das, was er gesprochen, hätte ihr, ohne daß sie dafür einen bestimmten Grund angeben könne, mißfallen, sie fühle sich bedrückt und wolle abreisen. Munitz billigte ihr Vorhaben, am nächsten Morgen reiste Ehanna, von ihrer Magd begleitet, ab. Feisch Jchenhausen wollte sie nicht mitnehmeu, dieser sollte bei ihrem Gatten bleiben, damit dieser doch einen treuen verläßlichen Menschen zur Seite hätte. Der Abschied fiel ihr schwer, ihr Gemüth ward von bangen Sorgen umdästert, sie glaubte in dem Markgrafen und seinem Vertrauten zwei böse, schlechte, gewissenlose Menschen erkannt zu haben, ihr armes treues Herz erzitterte bei dem Gedanken, ihren Gatten in Anspach zurückzulassen; in überwallendem Gefühle schwerer Sorge und Bangigkeit beschwor sie ihn, sofort mit ihr zu reisen, aber Munitz setzte ihr auseinander, daß er sich dem Markgrafen verpflichtet habe, drei Monate lang in seiner Residenz für ihn zu arbeiten, daß er sich dieser Verpflichtung nicht einseitig entziehen könne, in jedem Falle aber zuerst den Schmuck vollenden müsse, endlich glaubte er auch, daß gar kein Grund zu einer Befürchtung vorläge, und sprach die Hoffnung aus, daß sie sich in einigen Wochen, wo die bestimmte Frist abgelaufeu, froh und glücklich wieder sehen würden; — seine Hoffnungen erfüllten sich nicht, die Beiden haben sich in diesem Leben nicht mehr wieder gesehen!" Rabbi Jakob mußte wieder einen Moment bewegt innehalten, erst nach einer Pause fuhr er fort. „An einem der nächsten Tage theilte de Clevere Munitz mit, der Markgraf sei auf einige Wochen verreist und habe einen Auftrag für ihn hinterlassen, den er ihm überbringe. Eine Geliebte des Fürsten, so hatte der Secretär weiter berichtet, welche großen Einfluß auf Wilhelm Friedrich ausübe, hatte von der Kostbarkeit des Schmuckes, den der Fürst für seine zukünftige Verlobte anfertigen lasse, gehört, verlange stürmisch einen gleichen und hätte dem Markgrafen bei einem Feste, das sie diesem vor seiner Abreise gegeben, durch starken Wein berauscht gemacht und ihm während des Zustandes der Trunkenheit durch Schmeichelworte und Koketterie das Versprechen abgelockt, ihr einen ähnlichen Schmuck anfertigen zu lassen. Nachdem der Rausch verflogen, bedauerte Wilhelm Friedrich sein übereiltes, im Zustande der Unzurechnungsfähigkeit ertheiltes Versprechen; aber die Geliebte behauptete, ein Fürst müsse einer Dame stets Wort halten und so habe ihm der Secretär den trefflichen Rath ertheilt, sein Versprechen wörtlich genau einzulösen, d. h. ihr in der That einen ähnlichen Schmuck anfertigen u lassen, ähnlich und gleich sei aber grundverchieden, und Munitz solle für den Markgrafen aus werthlosen Steinen einen dem echten ganz gleichen Schmuck Herstellen. Der wackere Juwelier war von diesem Aufträge nichts weniger als erfreut, er hatte gehofft, wenn er das werthvolle Geschmeide vor Ablauf der vereinbarten Frist beendet haben würde, vom Markgrafen die Entlassung zu erhalten, auch widerstrebte es seinem redlichen Sinne seine Hände zu einer Täuschung zu bieten; aber er konnte sich beim besten Willen diesem Aufträge nicht entziehen, und nachdem er den echten Schmuck beendet und denselben, da der Markgraf abwesend war, dem Secretär übergeben, ging er sofort daran den zweiten Schmuck aus unechtem, werthlosem Material anzufertigen. Als er auch diesen beendet, und gleichfalls dem Secretär übergeben hatte, wäre Munitz gerne sofort nach Hause gereist; aber es hieß der Markgraf würde in drei Tagen kommen, ihm persönlich sein Honorar, etwa noch ein besonderes Ehrengeschenk übergeben, die vollen drei Monate, die er in Ansbach im Markgräflichen Dienste zu bleiben versprochen hatte, waren noch nicht zu Ende/, er mußte sich zu diesem kleinen Aufschübe entschließen. Endlich sah Munitz eines Abends, an dem Fenster seiner Wohnung stehend, den Markgrafen in seinem Reisenwagen in seine Residenz zurückkehren und glaubte nun, er würde am nächsten Tage zu ihm berufen werden; aber es trat etwas ein, was er am Wenigsten erwartet hatte. (Fortsetzung folgt.)