Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1882)
- Date
- 1882-08-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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810 „ erhabenen Protektors der Kunst und Wissen- 't, schloß der Redner seinen gutdurchdachten er- . yenden Vortrag. Die ganze Feier machte sichtlich llen tiefen, entsprechenden Eindruck. Möge das schöne Beispiel, das unsere Hochschule Mt, auch auf andere hohe und niedere Kreise Bestens -wirken, sie selbst aber immer mehr zur Blüthe und }■ Größe gelangen und zur allgemeinen Bildung und > Humanität mächtig beitragen.? Posen. Dem vierundvierzigsten Bericht über die Verwaltung und den Stand der Israelitischen -Waisen-Knaben-Anstalt zu Posen (Jahr 1881) entnehmen wir: Wir erkennen es mit innigem Danke an, daß von den Erben des verstorbenen Kommerzienraths Herrn Louis Jafft zum Andenken des Verblichenen eine Stiftung von 6000 M. der Anstalt gewidmet wurde mit der Bestimmung, daß von den Zinsen dieser Summe unseren Zöglingen zur selbstständigen Begründung eines technischen Gewerbes eine namhafte Beihilfe gewährt werden soll, wobei das Bauhandwerk mit allen seinen Zweig- und Nebenbetrieben in erster Reihe zur Berücksichtigung empfohlen wird. Diese schöne Zuwendung entspricht den Intentionen, welche der Heimgegangene als langjähriges Mitglied der Direktion zu verfolgen pflegte und wird den theuren Namen im Andenken der Anstalt unvergeßlich erhalten. Der Präsenzstand der Zöglinge hat sich auf der Höhe erhalten, welche die Anstaltsräume überhaupt zulassen. Dieselbe betrug durchschnittlich 21. 6 Lehrlinge wurden von der Anstalt beaufsichtigt und zum Theil subventionirt. Von diesen wurden nach Absolvirung der Lehrzeit zwei im Laufe des Jahres Gehilfen. Die Einnahmen betrugen 24136 Mk., die Ausgaben 16898 Mk. Oefterr. - Ungar. Monarchie. Wien, 4. Aug. Am 11. Mai d. I. um 3 Uhr Nachmittags war der Platz in der Oberen Danaustraße vor dem ehemaligen Tempel der polnischen Juden, welcher jetzt' m ein Glaswaaren- Magazin umgewandelt erscheint, der Schauplatz eines ganz bedeutenden Raufexcesses. Derselbe entspann - sich in folgender Weise: Die beim Umbaue des Tempels beschäftigten Maurer DomenicusWeidmann und Leopold Czerwenka gingen eben daran, ein mit hydraulischem Kalke gefülltes Faß zu entleeren, als ihnen ein polnischer Jude die Worte zurief: „Ihr Ärbeiterknochen, wenn ihr uns den Tempel wegnehmt's, so arbeits ordentlich, könnt's ntz das Faß in die Höh' heben?" Die Maurer antworteten, mit einem Schimpfworte, der polnische Jude entfernte sich; bald darauf aber kam der aus Lemberg gebürtige Hausirer Moses Wälder mit einer Schaar der oft beim Karlsstege anwesenden polnischen Juden zum Bauplatze, und diese bewarfen die Maurer mit Steinen. Die Letzteren wichen der Uebermacht, allein auch Straßenpassanten nahmen an dem Excefse theil, und es wurde mit Stöcken hin- und hergeschlagen. Die'Sicherheitswache schritt ein und arretirte die drei Excedenten, den Agenten Simon Pick, den Hausirer Moses Wälder und den Tempeldiener Leopold Sonnenthal. Da bei dieser allgemeinen Schlägerei der Maurer Ezerwenka in Folge eines Steinwurfes und der Hausirer David Tetteles durch einen Schlag mit einem Holzinstrumente verletzt worden waren, erhob der staatsanwaltschaftliche Funktionär gegen Pick, .Wälder und Sonnenthal die Anklage wegen Übertretung gegen die Sicherheit des Lebens. Heute wurde jdie Verhandlung durchgeführt. Der staatsanwaltschaftliche Funktionär Baron Gorup dehnte hiebei die Anklage auch auf den Maurer Czerwenka aus, weil Tetteles erklärt hatte, er sei von diesem mit einer Holzplatte verletzt worden. Das Beweisverfahren gestaltete sich indeß für Czerwenka sowohl als auch für die Angeklagten Wälder und Sonncnthal günstig. Die Anklage gegen Sonnenthal wurde zurückgezogen, Czerwenka und Wälder, vertheidigt von Dr. Karl Fuchs, wurden freigesprochen. Bezüglich Pick's nahm der Richter als erwiesen an, daß derselbe mitSteinen geworfen habe, und er verurtheilte ihn zn 14 Tagen Arrests. Rußland. Petersburg, 3. Aug. Zufolge der letzten provisorischen Bestimmungen über die Juden, erließ der Finanzminister, wie die „Voss. Ztg " meldet, ein Circulär an die Acciseverwaltung, daß die Juden anzuhalten seien, über ihre Berechtigung zum pachtweisen Betriebe der Branntweinbrennerei Dokumente vorzulegen. — Ein an die in Nikolajew ansässigen Juden gerichtete Bekanntmachung des Miltärgonverneurs von Nikolajew erklärt, daß zur Beseitigung der Uebelstände, welche dadurch hervorgerufen worden sind, daß den aus Rußland ausgewanderten Juden jenseits der Grenze die versprochene Unterstützung nicht gewährt wurde, alle Agenten, welche die jüdische Bevölkerung innerhalb der Grenzen Nikolajews zur Auswanderung ermuntern sollten, von der Polizei werden verfolgt werden und daß die Erfüllung dieser Vorschrift der Polizei bedeutend erleichtert werden wird, wenn die jüdische Bevölkerung Nikolajews selbst dazu beiträgt, daß solche Agenten der Polizei nicht verborgen bleiben.