Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1882)
- Date
- 1882-08-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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809 Interesse abgewinnen können; denn der Gründer der Alma Julia, Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn war kein Judenfreund, er hat dies tatsächlich, wie neuerdings mehrfach erörtert, bewiesen; auch wird er sicher seine konfessionelle Hochschule nicht israelitischen Söhnen geöffnet haben; aber wir haben es nicht mehr mit dieser alten Hochschule zu thun, sondern mit der gegenwärtigen und diese ist es, die unsere ganze Verehrung und Dankbarkeit verdient; denn sie setzt uns in die Reihe aller Menschen; sie spendet uns ihre Güter in gleicher Weise wie allen andern Glaubenssöhnen. Wie sehr sie nun diesen ihren paritätischen Charakter wahrt und zum Ausdruck bringt, das zeigten recht deutlich ihre Vertreter, der hohe Senat mit seinem frei- und edeldenkenden derzeitigen Rektor Magnificus an der Spitze, bei Gelegenheit dieses Festes. Volle Gleichheit wurde bei allen Einladungen in den drei Confessionen beobachtet. Unser Herr Rabbiner wurde unter gleicher Form wie die übrige Geistlichkeit als Ehrengast betrachtet und zur officiellen Theilnahme an dem Feste eingeladen. In das Festprogramm wurde der jüdische Gotesdienft neben dem der andern Confessionen ausgenommen, bei der Festzugs-Ordnung ward der Rabbiner mit den übrigen Geistlichen genannt. (Es betheiligten sich jedoch weder Rabbiner noch die übrige Geistlichteit officiell an dem Festzuge.) Noch bevor das Fest seinen Anfang nahm, stattete der Rektor dem Herrn Rabbiner einen Besuch ab, dankte im Namen der Universität für die Zusage eines abzuhaltenden Gottesdienstes und bedauerte zugleich, persönlich nicht erscheinen zu können, da er um dieselbe Zeit als Rektor dem kath. Gottesdienste anzuwohnen habe. Dafür aber werde er drei Professoren zur Synagoge abordnen, und damit auch ein Rektor zugegen sei, den Rektor einer k. preuß. Universität, H. Dr. Behrend veranlassen, als Jsraelite dem jüdischen Gottesdienste beizuwohnen. Bei einer solchen Rücksichtnahme auf die jüdische Confession war es denn wohl doppelt berechtigt, daß man dieserseits die aufrichtigste Theilnahme bewies. In feierlich beleuchteter Synagoge und bei zahlreicher Betheiligung fand am ersten Festtag nach einem gutgewählten Programm der Gottesdienst statt. Die „Würzburger Zeitung" berichtet hierüber ungefähr Folgendes: Auch in der Synagoge nahm der israel. Fest- Gottesdienst programmmäßig um 9 Uhr seinen Anfang. Der Vorhof war hübsch dekorirt, die Synagoge selbst feierlich beleuchtet. Eine zahlreiche Versammlung hatte sich eingefunden, worunter viele Festgäste. l Kabbiner Dr.Levi aus Gießen, Dr. Cahn,Legationst^ath am kaiserl. auswärtigen Amte zu Berlin, tKabbiner Berlinger aus Braunsbach u. a. m. Als Weputirte der kgl. Universität erschienen im Ornate Wle Herren Professoren: Kohlrausch und Semper 2c. Das Programm lautete: Psalmen 19 und ' versweise vom Vorsänger rezitirt und von der meinde wiederholt; Psalm 116, Verse 12 mit 1£. vom Cantor vorgetragen; Psalm 117, Chorgesang: Festpredigt; Herausnahme der Thora-Rolle aus der h. Lade unter Abstngung des Waj'hi binsoa rc.; Gebet für Seine Majestät den König und das kgl. Haus; Zurückbringen der Thora-Rolle unter Abfingung des Jehalalu rc.; Psalm 111, versweise vom Vorbeter rezitirt und von der Gemeinde wiederholt und Schlußgesang, Psalm 100. Von der Festpredigt des Rabbiners Bamberger, die ungefähr eine halbe Stunde dauerte, heben wir hervor: Anlehnend an den Text Psalm 117, „Lobet den Herrn, all ihr Völker, preiset ihn alle Nationen. Denn mächtig über uns ist seine Huld und die Treue des Ewigen ist ewiglich. Hallelujah!" begründete der Redner die hohe Bedeutung des Festes und zwar nach verschiedenen Seiten. Vor allem bedeute es einen Sieg der Wissenschaft und der allgemeinen Cultur, woran die Jubilarin tapfer mitgearbeitet und woran sie hervorragenden Antheil nimmt. Welche Wohlthaten verbreitet sie als Vermittlerin der Wahrheit, des Rechtes und der Heilkunde! Wenn nun auch nicht geleugnet werden könne, daß die Zeit, in welche die Gründung der Alma Julia falle, schmerzliche Erinnerung in dem Israeliten wachrufe und auch in Würzburg die Juden in jener Zeit den liebgewordenen heimatlichen Boden verlassen mußten, so kann dieser inhumane Akt doch dem Gründer selbst nicht zur Last gelegt werden, sondern mehr seinem unmittelbaren Vorgänger. Heute aber habe der Israelit allen Grund, an diesem Feste aufrichtigsten Antheil zu nehmen: denn diesen Pflanzstätten, Trägern und Pflegern der Wissenschaft verdanke er so viel seiner verbesserten gesellschaftlichen Verhältnisse. Von diesen Stätten aus wird das Recht, das keinen Unterschied in dem Menschen kennt, gelehrt und gepflegt; hier werden durch wissenschaftliche Unparteilichkeit alle Vorurteile gegen Juden und Judenthum auf ihr Nichts zurückgeführt, dem Verdienste seine Anerkennung gezollt. Die Hallen der Wissenschaft sind allen, die sie aufsuchen, geöffnet und welche lebhaften Antheil nehmen jüdische Söhne an dieser freiesten, schönsten aller Gaben; wie viele jüdische Namen glänzten und glänzen auf den verschiedensten Wissensgebieten! Endlich wird die wahre Forschung auch auf die Erkenntniß jener ewigen geoffenbarten Wahrheiten führen und sie zur Anerkennung bringen, wie ja so mancher finstere Jrrtbum vor ihrem hellen Lichte im Laufe der Jahrhunderte geschwunden. Mit einem tiefgefühlten Gebete auf das fernere Glück und Gedeihen der Jubllarin, auf das Wohl und segensreiche Wirken ihrer Lehrer und endlich auf das Wohl und Glück unseres geliebten Landesvaters.