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Der Israelit · 1882-08-09 · Heft 32 (9.8.1882) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 32 (9.8.1882)
Date
1882-08-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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807 „ nate keine nennenswerthe Fortschritte gemacht. Die Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben fügen wir bei, bemeken jedoch, daß, da mehrere Abrechnungen noch ausstehen, die Zahlenangaben in den Hauptpositionen der Ausgaben noch nicht als definitive anzusehen sind. Erfreulich ist, daß unserer Beobachtung nach jedes Herumschicken innerhalb der deutschen ComitHs aufgehört hat, und daß, abgesehen von Berlin und der Nordküste Preußens, der Andrang Einzelner bei den einzelnen Local Comittzs sich so vermindert hat, daß wir nur in seltenen Fällen uni Dispositionen angegangen wurden. Von dem verdienten und mit großer Hingebung arbeitenden Comittz in Eydtkuhnen sind annähernd 500 Personen expedirt worden, welche zum größten Theile selbst die Reisekosten bestritten und zum kleineren Theile einen Zuschuß erhielten. Für den letzteren Zweck ist bis auf Weiteres jenem Comit6 ein Beitrag von uns zur Verfügung gestellt, in einzelnen Fällen sind außerdem Gelder bewilligt. Unserem Ersuchen an alle Comittzs, ihre besondere Fürsorge den gesundheitlichen Verhältnissen der Flüchtlinge zu widmen, ist nach deren Berichten bereitwillig entsprochen worden, und wie wir aus zuverlässigen Quellen erfahren, haben auch sämmtliche um amtliche Auskunft angegangene Staatsbehörden dies bestätigt. Nicht ein Fall von gefährlichen Krankheiten ist zu unserer Kenntniß gelangt, und auch von sonstigen Erkrankungen sind nur überaus wenige, kaum nennenswerthe^ Fälle gemeldet. Die getroffenen Einrichtungen werden, wie wir hoffen, jede Gefahr von den Flüchtlingen und von dem Lande, das ihnen Eeien Durchzug gewährt, abwenden. In Berlin hat sich neben dem Lokalcomittz ein Verein gebildet, welcher besondere Sammlungen macht und für die einstweilige Unterbringung, Verpflegung und Ausrüstung der nicht von den Landesgrenzen aus expedirten Flüchtlinge sorgt, dadurch die Zerstreuung derselben und deren Ausbeutung verhindert. Ein Frauencomits welches der Kleidung und Kost eine besondere Aufmerksamkeit widmet, hat sich demselben angeschlossen, und beide Vereinigungen haben sich mit uns in Verbindung gesetzt. Ein besonderer Deligirter des Central-Comitßs übermittelt denselben unsere Wünsche und findet, da wir Alle dasselbe Endziel im Auge haben, ein bereites Gehör. Die luftigen Räume, das gute Lager, zur Verfügung gestellte reichliche Bäder, zugemessene Kleidung und gesunde Kost gewähren den Durchzüglern nach Möglichkeit während der kurzen Rast neue Kraft zur Ertragung der großen Anstrengungen auf der Reise. Unsere Beförderungs-Commission bestimmt, wer nach Westen und wer nach Osten befördert werden soll und bestreitet die erforderlichen Kosten. Die Zahl der namentlich aus London Zurückkehrenden unbeträchtlich. Da wir mit einem irregulären Zustc thun haben, so wechselt die Situation häuft, es ist nicht möglich, sich auch nur mit den Lokalcomitös, welche sich uns angeschloffen immer vor dem Handeln in Verbindung zu In solchen Fällen bleibt nichts übrig als unters Haltung des Zwecks, zu welchem unser Comitö ek setzt wurde, auf eigene Verantwortlichkeit handeln.;• Ein solcher Fall war z. B. folgender: Bl Paris waren wir durch Depesche benachrichtigt, ein nicht autorisirter Zug von Auswanderern ’om Brody aus Berlin passiren würde. Die.AnkmH eines Zuges wurde uns durch Draht angezeigt, t blieb aber einen Dag aus, kam unerwartet am folgeben an und es ergab sich, daß Jemand um Pro-^ Vision zu verdienen den Transport nach Amsterdam übernommen hatte. Falsche Berechnung der Fahrkosten setzten ihn außer Stand den Transport durchzuführen. Es blieb nichts übrig, als die 210 Personen nach Amsterdam zu befördern und die fehlenden 1500 Mark zuzulegen. Das dortige ComitS, zunächst unangenehm davon berührt, daß wir ohne alle Anfragen ihm plötzlich so viele Personen zuschickten, empfing jedoch die :von der Bevölkerung liebevoll aufgenommenen Flüchtigen und bemüht sich einen geeigneten Ort für deren definitive Unterbringung zu finden. Im Laufe des Monats trat zu der noch immer fast ungelösten Frage, was mit den in Brody zurückgebliebenen Arbeitsunfähigen geschehen solle, die weitere Frage hinzu, was aus den bereits Expedirten in Amerika werden solle? Es erwies sich, daß die in unserem Maiberichte betonte, von uns selbst anerkannte Härte, gerade die Hilflosesten in Brody nicht nach Amerika zu befördern, eine unumgänglich nothwendige war. Von New-Aork sind bereits nach eingegangenen Nachrichten 400 von den dahin Expetirten, angeblich solche, die nicht arbeiten können oder wollen, zur Rückbeförderung eingeschifft. Um nun NewDork in den Stand zu setzen, möglichst von weiteren Rücktransporten abzustehen und die Tausende, welche ohne Beschäftigung dort verweilen, einige Zeit dort unterhalten und allmählich unterbringen zu können, haben wir der dortigen Emigrant Aid Society 100,000 Mark übersandt, und hoffen hiermit dem Willen unseres Localeomittzs entsprochen zu haben. — Kehren die gedachten 400 Personen nach Berlin zurück*), so ist es leicht möglich, daß wir für deren Unterbringung und Rückbeförderung sorgen *) Inzwischen sind bereits ca. 50 via Antwerpen-Cöln hier eingetroffen.

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