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Der Israelit · 1882-08-09 · Heft 32 (9.8.1882) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 32 (9.8.1882)
Date
1882-08-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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806 Erde." Säet wohl Jemand, ohne reiche Erndte zu erwarten? Rabbi Jochanan folgert es aus dem Schluffe desselben Verses (Hosea Cap. 2, V. 23): „Und ich werde mich erbarmen Derer, die bisher Erbarmen nicht gefunden, und ich werde sprechen zu dem, der früher meinem Volke nicht angehörter Du bist mein Volk; und er wird sprechen: Mein Gott bist Du." (Pesachim f. 87 b,) Der Weg bis dahin ist ein sehr langer und die Zurücklegung desselben kann nur langsam geschehen. Noch ertönt die Stimme des Rufers, der da ruft: „Bahnet den Weg des Ewigen!" vielfach in der Wüste, noch ertönt in der Einöde der Ruf: „Ebnet den Pfad unsrem Gotte!" — Noch brennt der heiße Strahl des Wahns und des Aberglaubens vielfach auf die Völker hernieder, und der heiße Wüstensand der Wildheit, Rohheit, der entfesselten Leidenschaften versengt ihre Füße; aber schon zieht sich eine Oase durch die ganze Wüste hindurch; milder, besser, bescheidener werden die Sitten. Noch ist der Erkennende ein einsamer Wanderer auf menschenleerem Pfade; aber schon sind die Spuren so mannigfaltige, daß sie vom Winde nicht mehr verweht werden können, und dem beobachtenden Auge bleibt das Voranschreiten der Menschheit, trotz vielfacher Rückfälle, unverkennbar. „Jedes Thal wird erhöhet werden." Wo immer die Menschheit auf einer niedrigen Stufe der Entwickelung sich befindet — die Zeit wird kommen, daß auch der bis dahin seiner geistigen Kraft noch nicht bewußte Menschenstamm sich erheben und vervollkommnen wird. „Jeder Berg und jeder Hügel werden erniedrigt werden." Unsere Weisen werfen im Talmud Jeruschalmi die Frage auf, warum wohl der heilige Tempel zu Jerusalem am Abhange des Berges und nicht auf der Spitze desselben erbaut worden sei, und sie beantworten diese Frage dahin, daß man, da auf der Spitze jedes Berges und jedes Hügels von den alten Völkern Götzendienst getrieben wurde, nicht das Haus unsres Gottes an der Stätte ehemaligen Götzendienstes errichten wollte. Deßhalb wählte man für den heiligen Tempel den Abhang des Berges und nicht den Gipfel. — Wir dürfen daher wohl annehmen, daß der Prophet, indem er die Erniedrigung der Berge und Hügel ausspricht, die Ausrottung des Götzendienstes verkündet. Dann wird werden der krumme Pfad zur geraden Bahn und das hügelige Land zur Ebene; und es wird sich offenbaren die Herrlichkeit des Ewigen und die ganze Menschheit wird die Wahrheit der göttlichen Lehre erkennen, die Wahrheit, daß Israel ist das auserwählte Volk des allmächtigen Gottes, das Werkzeug Seiner Hand, um die ganze Menschheit zur Gotteserkenntniß, zur Tugend, zum ewigen Heile zu führen. Wir sehen es täglich, daß, wenn ein.Mensch Großes erreichen will, er sich gern und freudig den größten Mühseligkeiten und Gefahren aussetzt. Es durchwacht der künftige Gelehrte die Nächte und scheucht den Schlaf von seinen Augen; der strebsame Kaufmann scheuet die Gefahren und Mühseligkeiten weiter Reisen nicht, um sich ein Vermögen zu erwerben; der Erfinder setzt Hab und Gut, Gesundheit und Kraft daran, um sein Ziel zu erreichen; der Entdeckungsreisende verläßt freudigen Herzens die traute Heimath, wiewohl er weiß, daß er sich unendlichen Gefahren, dem größten Elende, dem Tode aussetzt; der Krieger, der nach Ruhm dürstet, stürzt sich todesmuthig dem feindlichen Kugelregen entgegen. Und alle Diese wollen nur irdische, vergängliche Güter erstreben. Und wir, wir Söhne und' Töchter Israels, denen die höchsten Aufgaben der Menschen zu lösen aufgegeben worden ist, sollten uns darüber beklagen, daß unsre irdische Laufbahn mit allerlei Kümmernissen, mit Hohn, Verachtung, Verfolgung besäet ist, daß wir die Gefahren uberwinden müssen, welche unsre geistige und sittliche Errungenschaften bedrohen? Treu und zuverlässig ist der Herr, der uns zu seinen Arbeitern ersehen hat. Er gibt uns gedoppelten Lohn für die Leiden, die wir erdulden, Lohn für die Gefahren, die wir überwinden. Diese Hoffnung verläßt uns nie, kann uns nicht verlassen; sie hält uns mit festen Banden umschlungen, und Gott spricht: „Kehret zurück zur festen Burg, Ihr, die Ihr von der Hoffnung gefesselt seid. Schon heute verkünde ich: Doppelten Lohn werde ich Dir verleihen". 11. Monatsbericht des deutschen Central-Cvmitks für die russisch-jüdischen Flüchtlinge. Juni!882. Das Deutsche Central - Comittz hielt im Juni 14 Sitzungen. An mehreren derselben betheiligtcn sich die Delegirten von Leipzig und Frankfurt a. M. Zu einigen Sitzungen waren Herren eingeladen und erschienen, welche über die Verhältnisse in Brody sowie in New-Iork und Rochester aus eigener Anschauung bereitwillig Auskunft ertheilten. Außer den im Berichte vom Mai genannten Comittzs haben folgende ihre Verbindung mit dem Central-Comittz hergestellt: Königsberg i. Pr. und Zabrze. Andere ComitLs haben Beiträge gesandt ohne formell ihren Beitritt zu erklären. Die Bildung von Provinzial-Verbänden, welche zur Erhöhung der Thätigkeit im Lande und zur Vereinfachung der Geschäftsführung so erwünschl gewesen wäre, hat unseres Wissens in diesem Mo,

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