Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1882)
- Date
- 1882-08-02
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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795 Feuilleton. Uckeröau in Syrien') Wen die Eingeborenen in Syrien und Palästina nicht ein ebenso ackerbauendes Volk wie ihre Nachbarn, die Aegypter sind, so beharren sie ebenso ganz aus ihrer Abneigung gegen alle jene Neuerungen und Erfindungen, deren Zweck es ist, ibre Arbeit weniger mühevoll und schneller zu beenden. Der Fellah an dem Nil bewässert noch sein Land vermittelst des „shadoof,“ einer Stange und eines Eimers, deren Bilder wir jetzt noch auf den Denkmälern aus der Zeit des Königs Thotmes sehen; der syrische Bauer fährt seine Joch Ochsen in dem Pflug, dem Elisah folgte, als der ältere Prophet seinen Mantel über seine Schuldem ausbreitete und ihn hinweg zu anderen Arbeiten rief. Der Syrer ist ein Mann von unendlichem Vorurtheil gegen jedes Ding, was das Bepflügen derAecker betrifft. Erblickt mit Argwohn auf einen Spaten, der von Lincoln oder Ipswich herrührt, weil er ihn nicht geprüft hat; und gewöhnlich ausgerüstet mit einem Trupp träumerischer, stämmiger Abkömmlinge beiderlei Geschlechts, welche die Steine und den Schutt in ihren Schürzen wegzutragen, blickt er mit stolzer Verachtung auf den europäischen Schiebkarren. Diese tief eingewurzelte Anhänglichkeit des Volkes anseine alten, nationalen Gewohnheiten und Sitten verleihen einer Reise in Syrien und in Palästina einen besonderen Reiz. Von vielen Dingen können, und wirklich müssen wir enttäuscht sein. Die Mönche des gelobten Landes mit ihren vielen heiligen Arten haben uns Argwohn eingeflößt, im Betreff der Lage der in der heiligen Schrift erwähnten Orte. Aber wenn wir wenig Glauben der Erzählung der Mönche schenken, und abgeneigt sind, das Zeugniß jedes Steinhaufens anzunehmen, so bemerken wir, daß die Zeit wenig im Vergleich von den Sitten des Volkes in Palästina ausgelöscht hat; oder vielmehr, daß die Fellahs und Beduinen, welche die Erbschaft der ehemaligen Bewohner des Landes angetreten, auch getreulich ihre Ueberlieferungen fortgesetzt haben. Die gegenwärtigen Bewohner von Bethlehem, von Schechem, von Ramoth Gilead sind, was sie in den Tagen der Propheten gewesen sein müssen. Sie pflügen noch mit demselben Pflug; ihre Ochsen treten das Korn auf derselben Tenne aus; und sie treiben dieselben zur Arbeit mit demselben Treibstachel (eine schreckliche Peitsche, gewöhnlich einige zehn Fuß lang und an dem einen Ende mit einer scharfen, eisernen Spitze versehen) an, mit dem der beherzte Richter Schamgar 600 Nach der englischen Zeitung „Iva Globe.“ Philister mit eigner Hand erschlug. Wenn die Gerste für die Sichel, oder vielmehr für das Messer reif ist, kann man auf den Ebenen von Gilead den ganzen Tag die Leute beschäftigt sehen mit gerade jenen Erntearbeiten, welche so schön in dem Buch Ruth beschrieben sind. Oft ereignete es sich, daß die Kornfelder einige Meilen von den Wohnungen der Schnitter entfernt sind, so daß sie sich während der Ernt^eit in der Gegend ihrer Arbeit lagern, wie es Boas und seine Mägde thaten. Die Ochsen treten meistens das Korn auf einer Tenne, die aus Erde besteht, aus, wie von Alters her. Manchmal jedoch kann man im nördlichen Syrien einen Mann einen Schlitten fahren sehen, der den Namen „mourej“ führt, mehrmals um die Kornhaufen, bis die Arbeit vollendet ist. Diese Maschine hat oft Eisenzinken, die unter ihr angebracht sind, um das Dreschen noch wirksamer zn machen. Der Prophet mag auf dieses angespielt haben, wenn er sagt: Ich will dir ein neues, scharfes Dreschwerkzeug machen, das Zähne hat. Sie ist nicht ganz und gar unähnlich in ihrer Arbeitsausführung der egyptischen „norage* einer Maschine in der Form eines Stuhles, die auf kleinen, eisernen Rädern läuft und in einem Kreis von ein Paar Ochsen über das Feld gezogen wird. In dem Jordanthale fällt die Gerstenernte ungefähr in die Mitte des Aprils. Der Regen fährt fort in Zwischenräumen bis Ende März anzudauern, so daß der Fluß gewöhnlich ganz voll ist, wenn die Erntearbeiten beginnen; selbst wenn er nicht unbedingt über seine Ufer getreten ist und die Gefilde bewässert hat, wie cs ebenso, als die Israeliten über ihn hinzogen, geschehen sein soll. Die Weizenernte in der Gegend ist vierzehn Tage oder drei Wochen später, im Monat Mai. In dieser Zeit fällt der Regen zufällig in keinem Theil Palästinas, eine Betrachtung, welche den Sturm von Donner und Regen bezeichnet, der auf das alten Samuels Gebet mit einem sehr wunderbaren Charakter geschickt wurde. In dem Hügelland Judäa und in den Ebenen bei Bethlehem, wo der Ackerbau meist in den Händen einer kleinen deutschen Kolonie ist, beginnt die Gerstenernte vor Anfang Juni nicht. Das Land in diesem Theil Palästinas liefert keine guten Ernten, was auch zur Zeit der Israeliten der Fall gewesen sein mag. Aber ein Theil des Jordansthal ist noch sehr produktiv; und von dieser Gegend hängen Jerusalems Bedürfnisse hauptsächlich ab. In den Sommermonaten kann man Züge von Kaufleuten, die mit Weizen handeln, den steinigen, beschwerlichen Pfad, der von Jericho nach Jerusalem führt, hinaufsteigen sehen, glücklich in der That, wenn sie nicht unter Diebe fallen. Die Beduinen lauern den Karawanen auf, irtdem sie an einer passenden Stelle einen Hinterhalt legen, wie an