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Der Israelit · 1882-08-02 · Heft 31 (2.8.1882) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 31 (2.8.1882)
Date
1882-08-02
Page
– (sequence 20)
Language
German
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796 dem malerischen Wady-el-kelt Waldstrom, von dem vermuthet wird, daß er den alten Lauf des Baches Cherith bezeichnet, wo Elias von Naben ernährt wurde, und senden sie oft leer zurück. Das Thal Scheckem wird manchmal Wady-Sha'tr oder Thal von Gerste Barlez genannt, so günstig ist sein Boden für das Wachsen und Reifwerden von jenem Getreide. Wirklich lohnt die ganze Gegend zwischen Bethel und dem neuen Stabulus, das Neapel der Römer und Schechem der Juden, ergiebig die Arbeiten des Landwirths. Es ist das alte Gebiet Ephrainr, dessen Land vor Moses Tod von demselben gesegnet wurde, wegen der kostbaren Früchte, die durch die Sonne hier reif werden. Im Gegensatz ist jedoch das ausgedehnte, flache Land zwischen Jaffa und Jerusalem, das die Thäler von Ajalou und Kirjath- Jearim begreift, sehr spärlich kultivirt. Eine Bevölkerung von 20 Millionen Menschen soll dort einst gewohnt haben, wo jetzt nur iy2 Millionen leben. Dies muß man hauptsächlich den Erpressungen der Obrigkeit und der Abneigung gegen dieselbe Zuschreiben. Auch die Zerstörung der Wälder, welche die Berge und die Hügelabhänge ausfüllten, pflegen die Dürre noch andauernder und strenger zu machen. Der Reisende, der Jerusalem am frühen Morgen verläßt, wird gewiß Reihen von geduldigen Weibern finden, auf ihren Köpfen Bündel von Steineichenreißholz tragend, die alle Gehenden aus ihrem Weg in der engen Davidsstraße verdrängen. Das Verlangen nach Feuerung entkleidet schnell die Hügel von Judäa und in wenigen Jahren wird es ein ebenso seltener Gegenstand sein, wie in dem Lande der Pharaonen. Auch Futter für das Vieh ist in einigen Gegenden fehr schwer zu erhalten. Auf den Bergen steht viele Monate im Jahr nicht ein Hälmchen Gras oder Grün irgend einer Art, und die Erfindungskraft des syrischen Bauern wird oft schwer in Verlegenheit gebracht, um dafür etwas anderes zu schaffen. Auf dem Antilibanon, wo die Disteln verschwenderisch wachsen, zerstoßen sie dieselben zu einer feinen Spreu, welche ihren Thieren eine armselige Nahrung liefert. Die hauptsächlichste Beschäftigung der Leute bildet die Kultur des Seidenwurms. Die Seidenwurmhütten, hier und dort unter den luftigen Dörfern zerstreut, bilden einen in's Auge fallenden Gesichtszug der Landschaft; und bei jedem Theil der Industrie, vom Seidenwurm bis zum Seidenkleid findet sich etwas für die Frauen und Kinder, wie für die Männer zu thun. In jedem maronitischen Haushalte kann man die anständige Hausfrau Seide auf einer Spindel spinnen sehen, mit ihrem Säugling an der Brust. Die helldreinblickenden Mädchen in schmuckem Anzug winden Seide miteinander, während die kleinen Abkömmlinge beiderlei Geschlechts beschäftigt werden, indem sie in den Garten geschickt, Maulbeerblätter pflücken müssen. Die maronitischen Christen haben einen großen Theil der Industrie in ihren Händen, einen weit größeren jedoch die Drusen; sie lernten ihre Geschicklichkeit zuerst von Franzosen. Erst kürzlich starb M. Fortune Pourtalös, von dem erzählt wird, daß er der Vater der Libanonseidenindustrie gewesen sein soll. Vor den blutigen Tagen von 1660 war sein Einfluß auf die Bergbewohner gleich, wenn nicht dem des Gouverneurs des Libanon überlegen. Er bekam den Orden der Ehrenlegion durch eine That der Barmherzigkeit, die lange der Maronitengesellschaft unvergeßlich bleiben wird. In der Zeit der Niedermetzlungen sammelte er einige hundert Christen in seinem Geschäftshaus, und nachdem er sie eine Zeitlang beherbergt, zwang er eine Drusenabtheilung sie sicher an einen Zufluchtsort zu bringen. M. Pourtalss' Leichenbegängniß war eine nationale Feierlichkeit. Indem wir Palästinas Früchte aufzählen, dürfen wir nicht die blutrothe Orange von Sidon, die übersüße eiförmige Fruch: von Jaffa, die Feigengärten von Bethel und die Olivengärten von Stabulus vergessen. Die Beeren werden in den Monaten November und Dezemberreif und werden von Frauen und Kindern, die mil langen Stangen versehen sind, abgeschlagen. Die Obstgärten von Damaskus sind der Stolz von Syrien und das Gemälde der Stadt, in Aprikosenblüthen eingehüllt, wird mau nicht so schnell vergessen. Indem der Prophet zu seinen Füßen Damaskus liegen sah, rief er aus: Nur ein Paradies ist dem Menschen beschieden. Ich will das meinige in dieser Welt nicht in Besitz nehmen. Und so wandte er sich ab und schlug sein Zelt in der Einöde auf. Mainz, 30. Juli. Herr Max Victor in Cöln am Rhein hat uns seine reichhaltige Muster- Collection von hebräischen Gratulationskarten und Gratulationsbriefen, in allen Dessins, 13 Nummern enthaltend, zugeschickt. Wir müssen gestehen, daß uns deren Durchsicht außerordentlich befriedigt hat, da dieselben sowohl in künstlerischer wie in praktischer Hinsicht Bewunderung erregen. Herr Victor hat es wie in jedem Jahr so auch diesesmal verstanden, das Publikum mit seinen Neuheiten zu überraschen. Unter anderem wollen jwir als neu und recht originell Nr. 6 mit einem hebräischen und deutschen Akrostichon in Octav - Briefform hervorheben. Die Anfangsbuchstaben des hebräischen Gedichts bilden die Worte aua aibff, die des deutschen Gedichts: „Beste Wünsche".

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