Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1882)
- Date
- 1882-08-02
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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flicken. Der gedachten Prüfung, welche vor Schluß des Schuljahres an der dortigen Volksschule stattfand, wohnten, wie üblich, die Honoratioren des Ortes und auch der in Rede stehende Geistliche als Katechet bei. Nach beendigtem Examen hielt der Katechet an die Schuljugend eine Ansprache, worin er seinen jugendlichen Zuhörern nebst anderen erbaulichen Lehren auch eingehende Informationen über die Juden ertheilte. Se. Hochwürden erklärte, mit der anti-jüdischen Bewegung in Ungarn einverstanden zu sein, nur sei es unbegreiflich, daß der Zeitpunkt der gewaltsamen Lösung der Judenfrage so lange hinausgeschoben werden konnte, da die gegen die Juden erhobenen Anklagen, insbesondere diejenige des rituellen Blutopfers, längst als berechtigt erwiesen sind!! In diesem Sinne setzte der fromme Pater seinen Sermon bis zum Schlüsse fort. Es wäre sehr zu verwundern, wenn die in demselben entwickelten Ideen keinen Eindruck auf das empfängliche Gemüth der jungen Zuhörerschaft gemacht hätten. Da von Seite des Milowkaer israelitischen Cultusvereines wider den Herrn die Strafanzeige erstattet wurde, so wird dieser bei der für nächste Woche anveraumten Verhandlung Gelegenheit finden, seine diesfälligen Anschauungen vor einem berufenen Auditorium zu vertheidigen. (Jeschurum.) Wien, 31. Juli. Nach einem Wiener Telegramme des „Tagesboten" hat das Comitö des österreichischen Episkopats in Folge Intervention des Wiener Erzbischofs beschlossen, daß in den einzelnen Diöcesen mit mehr Nachdruck als bisher den Wühlereien antisemitischer Faiseurs Einhalt gethan werde. Es wurde übrigens constatirt, daß sich der Clerus mit geringen Ausnahmen von jeder Unduldsamkeit gegen Semiten ferne hielt. Die von dem antisemitischen Organe in Wien an Kirchenfürsten und Hochadelige gestellte Bitte um Subvention blieb in fast allen Fällen unbeantwortet. Prag, 30. Juli. Dem „Prager Tagblatt" sowohl, als auch der „Bohemia" entnehmen wir, daß die reichhaltige und höchst interessante Bibliothek des vor einigen Monaten verstorbenen Prager Oberjuristen, Gemeinderabbiners und Talmudg^lehrten R. Samuel Freund von dem Prager Buchhändler Herrn Jakob B. Brandeis käuflich erworben worden ist. Das „Prager Tagblatt" bemerkt hiezu, daß diese Bibliothek seltene wissenschaftliche Werke hagadischen, halachischen und pilpulistischen Inhaltes, die aus fast aller Herren Ländern stammen und mitunter bis ins 15. Jahrhundert hinaufreichen, enthält, und ähnliche Exemplare in ihrer Seltenheit, selbst in der berühmten Oxforder Bibliothek kaum zu finden sein dürften. Die „Bohemia" zählt die Bibliothek des verewigten R. Freund zu den seltenen und werthvollen Privatbibliotheken. Aus Nyiregyhaza wird gemeldet: Die Voruntersuchung wurde heute beendet. Auf Antrag des Untersuchungsrichters Vary wurde heute Nachmittag die specielle Untersuchung, sowie die Untersuchungshaft angeordnet und um 6 Uhr verkündet, und zwar gegen drei Individuen wegen Verdachtes des Mordes, gegen sieben Individuen wegen Theilnahme und gegen sechs Individuen wegen Vorschubleistung zu demselben Verbrechen, während vier auf freien Fuß gesetzt wurden. England. London, 22. Juli. Dr. Löwy, der Sekretär der „Anglo Jewish Association", hat aus Smyrna nachstehendes vom 19. ds. datirtes Telegramm erhalten: „Eine Feuersbrunft hat in gestriger Nacht 1000 Häuser im Judenviertel eingeäschert. Wir bitten flehentlich um Hilfe. Der Nothstand entzieht sich jeder Schilderung!" London, 30. Juli. Heute, Nachmittags 3 Uhr, wurde die neue Synagoge zu St. John's Wood eingeweiht. Es ist dies die dreizehnte der „United Synagogues.“ Egypten. Alexandrien. Nach den neuesten Meldungen aus Alexandrien wurde während des Bombardements auch die dortige große Synagoge, beibenannt „Synagoge des Propheten Elias", gänzlich ausgeplündert. Nach der Ueberlieferung der egyptischen Juden wurden dieses Gotteshaus noch vom Propheten Elias (?) gegründet, der in demselben auch als Prediger und Vorbeter fungirt haben soll(?). Eine andere Ueberlieferung will wissen, daß einige Gesetzrollen dieser Synagoge aus dem ehemaligen jüdischen Tempel in der egyptischen Stadt Heliopolis stammen. Dieser Tempel, der eine getreue Nachahmung des jerusalemitanischen Tempels war, wurde von den Ptolemäern eigens zu dem Zwecke erbaut, um die Juden Egyptens vom Hohenpriester in Palästina unabhängig zu machen. Dieser junge Tempel bestand jedoch nur einige Jahre. Erwähnenswerth dürfte es hier sein, daß Plato erzählt, er habe in Egypten viel mit einem gelehrten Juden verkehrt. Man glaubt nun, es sei dies der Prophet Jeremias gewesen, der ein Zeitgenosse dieses Philosophen war und eine Zeit lang in Egypten in der Verbannung gelebt hatte.