Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1882)
- Date
- 1882-08-02
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXIII. Jahrgang. Zweite Leilage;» Nr. 31 -es Israelit. Telegraphische Depesche. Budapest, 30. Juli. Die Voruntersuchung list beendet und publicirt. Die des Leichenschmuggels verdächtigt gewesenen Personen, VogelHund Mendelowits sind bereits freigelassen. Hoffentlich wird Isich auch die Unschuld der übrigen Angeklagten bald sklar herausstelleu. Ignatz R e ich. Leitender Artikel. Literarischer Aericht. Herr Max Lamm in Buttenwiesen, der sich bereits im vorigen Jahre durch seine Novitäten in jüdisch-deutschen Abreißkalendern rühmlichst bekannt Macht hat, übersendet uns auch dieses Jahr Exemplare seiner neuen Kalender, welche allen Denjenigen, Die jüdisches und deutsches Datum stets beisammen haben wünschen, bestens empfohlen werden können. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 31. Juli. In voriger Nacht verstarb )ier, in Folge eines Herzschlages, Herr Commerzienrath Simon Wolf im Alter von 65 Jahren. Aas Fleiß, Redlichkeit und Intelligenz zu leisten »erwögen, davon liefert das Leben des Verstorbenen Sen sprechendsten Beweis. Derselbe, in dem benachbarten Dorfe Bretzenheim als der Sohn ganz armer Atem geboren, wurde von diesen zu einem Schuhmacher in die Lehre gethan. Simon Wolf ist sein ganzes Leben hindurch dem Schuhmacherhandwerke freu geblieben und hat sich nie mit andern Geschäften lls mit dem der Erzeugung von Fußbekleidung besaßt. Nach vollendeten Lehr- und Wanderjahren ließ er sich hier in Mainz nieder, ganz ohne Mittel, hur von der Arbeit seiner Häudc lebend. Bald aber Erlangte seine Arbeit das ihr gebührende Renommee, lud sein Ruf drang weit über die Grenzen der ^tadt hinaus bis in die entferntesten Länder. So wurde denn aus dem Schuhmacher ein Schuhsabrikant, der mehrere Hundert Arbeiter beschäftigte und der den Ruf der Mainzer Schuhindustrie bis nach Amerika, Australien und Asien trug. Es konnte nicht fehlen, daß diesem intelligenten Handwerker und späterem Großindustriellen die allgemeine Anerkennung und Hochachtung 31t Theil wurde, und so wurde er auch mit dem Titel eines Commerzienraths beehrt. Auf allen Weltausstellungen erlangten die Erzeugnisse der Wölfischen Schuhfabrik die höchsten Auszeichnungen. Der Verewigte versäumte auch nicht, alle Erfindungen und Verbesserungen, welche die Neuzeit fast täglich bringt, in seinem Geschäfte zu verwenden. Sehr häufig ließ er neue Maschinen und geschickte Arbeiter aus England kommen. Dabei blieb er der bescheidene, einfache und anspruchlose Mann, der er von Jugend auf gewesen. — Simon Wolf hat bewiesen, was der Jude auch auf dem Gebiete des Handwerkes zu leisten vermag. Durch reiche Intelligenz, unablässige Thätigkeit und strenge Rechtlichkeit hat er sich vom armen Schuhmacher bis zum hochangesehenen Großindustriellen emporgeschwungen und dadurch nicht allein dem jüdischen Stamme Ehre gebracht, sondern auch dem deutschen Gewerbefleiße im fernen Auslande zu hoher Anerkennung verholfen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Aus Weftgalizien. Wenn auch die Mehrzahl der katholischen Geistlichkeit hierzulande keineswegs den Vorwurf der Intoleranz verdient und der judenfeindlichen Strömung der jüngsten Zeit in den meisten Fällen, wenn nicht durch Mißbilligung entgegengetreten ist, so doch zum mindesten durch ein fast ebenso verdienstliches „Schweigen" sich den Dank und die Anerkennung der jüdischen Mitbürger erworben hat, so können wir doch andererseits nicht umhin, die Thatsache zu constatiren, daß es, namentlich unter dem niederen Seelsorge-Clerus, manche junge Heißsporne gibt, welche den Pflichten ihres heiligen'Berufes dadurch gerecht zu werden glauben, daß sie Haß und Zwiertracht unter ihren Mitmenschen säen. In diese Kategorie gehört jener ehrenwerthe Eaplan der Marktgemeinde Milowka, welcher dieser Tage anläßlich einer Schulprüfung die Gelegenheit vom Zaune brach, den Juden etwas am Zeuge zu