Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1882)
- Date
- 1882-08-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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786 den kann, wenn man sie widerlegt. Ja, meint Herr B. weiter, die betreffenden Gutachten „hätten" ihm im Gegentheil noch manches verwerthbare Material zur Begründung seiner Ansicht geliefert. Herr B. spricht hier im Conjunctiv, in dieser Redeweise läßt sich aber leicht sprechen. Holen Sie sich doch, bester Herr, Ihr Material aus jenen Gutachten, man wird Sie ja anstaunen und bewundern, wenn es Ihnen gelingt, die Herren, die Ihre Gegner zu sein scheinen, zum Zeugnitz für Sie zu zwingen. Etwas scheint aber doch die Kenntnißnahme der Engelbert'schen Broschüre gewirkt zu haben. In Betreff der Schlachtmaske versucht Herr B. zurückzuhufen. „Daß die Schlachtmaske (Bouterole) nicht die denkbar beste, nicht die absolut vollkommenste Schlachtmethode, daß auch sie noch einer Verbesserung fähig ist, hatte ich schon vor dem Lesen der Engelbert'schen Denkschrift gewußt." Gewußt, ja! ja! aber nicht gesagt! Beim Durchlesen der B.'schen Broschüre empfindet man den Eindruck, als ob der Vers, die Anwendung der Schlachtmaske für die relativ beste, also für den Augenblick denkbar beste Methode halte. Die Gutachten sind aber anderer Meinung, dazu die vielen Klagen, die über die Bouterole kommen, nun muß wohl Herr B. zugestehen, daß die Sache doch einen Haken hat. Dafür aber, meint Herr B., sei die Schußmaske etwas ganz Vorzügliches (in der Broschüre war diese mit der Bouterole auf gleiche Stufe gestellt); nun, wir wollen es abwartcn, die Agitation für diese ist stark, aber die Bedenken, die die Magistrate der Einführung derselben entgegenstellen, sind nicht minder gewichtig. Also die Antwort an Herrn Dr. L. trifft meine Einwände nicht, und doch glaubt Herr B. sie beseitigt zu haben? — „Die Kampfweisc der Verteidiger des Schächtritus ist ja im Großen und Ganzen immer dieselbe". Sehen wir uns diese Begründung ein wenig näher an. Die „Kampfweise" hebt Herr B. hervor, er spricht hier nicht von den Waffen, mit denen gekämpft wird, sondern von der Art und Weffe, wie man die Waffen anwendet und gebraucht. Herrn Di'. L. zeiht der Vers, der Unredlichkeit, des Mangels an Wahrheitsliebe in seinem Kampfe gegen diesen. Darüber mag sich Herr Di-. L. mit Herrn B. auseinandersctzen. Indem Herr Bauwerker aber seine Widerlegung gegen Herrn Dr. L. auch im Allgemeinen an meine Adresse richtet und die Berechtigung dieser Anweisung damit begründet, daß die „Kampfesweise" der Vertheidiger des Schächtritus im Großen und Ganzen ja immer dieselbe sei, wälzt er damit auf mich die Verdächtigung, in meiner Darstellung wissentlich unwahr gewesen zu sein. Soweit dieser, wenn auch nicht deutlich ausgesprochene aber mehr als angedeutete, Vorwurf sich auf mich bezieht, bezeichne ich ihn als eine frivole Verleumdung des Herrn Bauwerker und sehe meine Einwendungen gegen seine Broschüre durch seine Artikel in Nr. 5 u. 6 der „Thierschutz-Zeitschrift" auch nicht im mindesten abgeschwächt, geschweige denn widerlegt. ZeitnugSnachrichlen und Correspondenzen. Rußland. Petersburg, 20. Juli. Der diesjährige Sommer hat über Rußland nicht jene poilitische Stille verbreitet, die in den verflossenen Jahren bei Eintritt der warmen Witterung sich gewöhnlich einzustellen pflegte. Der langersehnte Rücktritt Jgnatiew's und die Ernennung Tolstoi's zum Minister des Innern brachte zahlreiche Arbeiten wieder in Fluß, die unter dem Regime Jgnatiew's mit wenig Ernst begonnen und mit noch weniger Ernst ihrem Ziele zugeführt waren. Rußland hat mit Tolstoi keinen freisinnigen, die Richtung der Zeit erkennenden Minister erhalten. Aber cs steckt doch ein ehrlicher Wille in dem Mann; die Handlungen entsprechen doch wieder dem Reden und Denken und das unselige Lügensystem, das so grenzenlose Verwirrung über alle Zweige der Verwaltung verbreitete und jedes Vertrauen untergrub, hat sein Ende gefunden. In einem Punkte wird der jetzige Minister die ungetheilte Anerkennung aller anständigen Menschen finden: er steuerte nach Kräften dem Umsichgreifen der Judenhetzen. Man muß leider darauf gefaßt sein, daß die Unruhen trotzdem vorläufig noch nicht aufhören werden: denn cs ist zu schwer, Gesinnungen wieder auszutreiben, die der Regierung zeitweilig nicht unangenehm waren. Aber Tolstoi geht wenigstens mit den Unruhestiftern hart zu Gericht und straft sic rücksichtslos und schwer. So kommt heute die Nachricht, daß drei Soldaten, die der Ermordung eines Juden überführt wurden, zum Tode durch den Strang verurtheilt sind. Dergleichen scharfe Ahndungen werden den Leuten schließlich die Tragweite ihrer Verirrungen zum Bewußtsein bringen. Egypten. Alexandrien. Nach den neuesten Meldungen aus Alexandrien wurde während der Beschießung der Stadt auch die große Synagoge gänzlich ausgeplündert.