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Der Israelit · 1882-08-02 · Heft 31 (2.8.1882) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 31 (2.8.1882)
Date
1882-08-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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784 worden. Da der Mörder spurlos verschwunden, so blieb wenig Aussicht, daß der Raub jemals in die Hände der rechtmäßigen Eigenthümer zurückkehren werde. Josephine Marbach befand sich in einer trostlosen Lage. Früh verwaist, aber Erbin eines nicht unbedeutenden Vermögens, war sie im Wohlstand erzogen worden, der sich zum Reichthum steigerte, als sie dem Banquier Samuel Marbach ihre Hand reichte. Run war sie plötzlich verarmt. Zu dem tiefen Schmerze um den verlorenen Gatten gesellte sich noch die trübe Aussicht auf eine trostlose Zukunft. Freunde und entfernte Verwandten erboten sich zwar, eine Collecte für die vom Unglücke so schwer Heimgesuchte zu veranstalten. Dagegen aber empörte sich Josephinens Stolz; es wäre ihr unmöglich gewesen, das bittere Brod der Almosen zu genießen. Sie verkaufte Alles, jwas zu besitzen dem Reichen nothwendig erscheint, während es der Arme leichtlich entbehrt. Dann miethete sie sich eine kleine Wohnung, die sie mit dem Ueberreste ihres ehemaligen Mobiliars ausstattete. Da sie in allen weiblichen Handarbeiten, namentlich in der Anfertigung kunstvoller Stickereien, sehr erfahren war, so suchte sie dadurch ihren Lebensunterhalt zu erwerben, während sie das kleine Kapital, welches der Verkauf ihrer Schmucksachen und ihres überflüssigen Mobiliars ergeben hatte, für die Zukunft ihres Söhnchens aufzubewahren beschloß. Dieses Söhnchen war ihr einziger Trost, ihre einzige Hoffnung. Mit welcher Sorgfalt überwachte sie den zarten Knaben! Mit welcher Angst erfüllten sie die Kinderkrankheiien, von denen der kleine Adolph natürlich nicht verschont blieb! Und wenn er dann genesen war, welche Wonne, welch' himmlisches Vergnügen erfüllte der Mutter warm fühlendes Herz! Die Art, mit welcher Josephine ihr hartes Geschick ertrug, der Muth, mit dem sie den Kampf ums Dasein kämpfte und anderer Leute Hilfe verschmähte, die Liebe und Sorgfalt, die sie ihrem Kinde erwies, verfehlten nicht, ihr die höchste Achtung ihrer Mitbürger zu erringen. Mancherlei Anträge zur Wiederverheirathung wurden der noch jungen und schönen Frau entgegengebracht; sie aber wies sie alle zurück; sie wollte nur der Erziehung ihres Kindes leben. Und Gott lohnte ihr Bemühen; das anfangs zarte und schwächliche Kind entwickelte sich zu einem gesunden und kräftigen Knaben, der geistig und körperlich zu den schönsten Hoffnungen berechtigte. Vor Allem suchte die Mutter die Liebe zu l... und Seinen heiligen Geboten in das Herz ihres! Kindes zu pflanzen. „Mein seliger Mann," sprach sie zu sich selbst! mit Thränen in den Augen, „hat zu viel Selbstvertrauen besessen; er verließ sich zu sehr auf feint eigene Klugheit und Geschicklichkeit. Stets öom) Glücke begünstigt, wurde er in diesem Gefühle bestärkt bis das härteste Geschick ihn uns entriß.! Seinen Sohn will ich vor diesen Fehlern bewahren; ich will ihn von frühester Jugend daran gewöhnend daß er zu sich selbst nur wenig, zu Gott aber das unerschütterlichste Vertrauen hege. Er soll nichlj werden wie die Jünglinge der Jetztzeit, die Gottes heilige Gebote verletzen, den Sabbat entweihen untl die Speisevorschriften vernachlässigen; er soll ein frommer, gesetzestreuer Jude werden, wie seine Vor-! eltern es gewesen." Josephine hatte während der Zeit ihrer kurzen Ehe viele trübe Erfahrungen gemacht. Von gotte§=[ fürchtigen Eltern geboren und erzogen, hatte sie! diese schon in früher Jugend verloren. Ein gewissen-! loser Vormund hatte sie überredet, Samuel Marbach ihre Hand zu reichen, wiewohl er wußte, daß dieser! in religiöser Beziehung ganz anderen Anschauungen huldigte als die seiner Obhut anvertraute Waise.! Das gab schwere Conflicte! Zu Josephinens größtem! Kummer betrieb ihr Gatte sein Geschäft am Sabbat! wie an den Wochentagen. Vergeblich suchte er sie zu seinen Ansichten zu bekehren; aber auch ihr grlang es nicht, auf ihren Gatten in dieser Beziehung! Einfluß zu gewinnen. Und als den Beiden Sohn geboren wurde, dachte Josephine mit Schrecken,! wie schwer es ihr werden würde, ihrem Mam! gegenüber es durchzusetzen, daß der Knabe, in ber| Treue für die Religion der Väter und deren heilm Gebote erzogen werde. Nun war Samuel Marbach! todt; in der schrecklichsten Weise war er in bn| Blüthe der Jugend dahingerafft worden. Umsomehr! fühlte sich Josephine verpflichtet, mit aller MaN schädliche Einflüsse von ihrem Knaben fern zu hall teu. Der kleine Adolph war die Wonne ihres Her-l zens, ihr Trost in dcm schweren Geschicke, das ft! betroffen; in ihm concentrirten sich all ihre Hoft! nungen. Was sie von der Zukunft noch Gutes er-j warten konnte, sie flehte es hernieder auf das Häuft! ihres geliebten Sohnes. (Fortsetzung folgt.) Hierzu drei Beilagen. .. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des .ISraelit* große Bleiche 45. I. GottS'.eben'S Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).

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