Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1882)
- Date
- 1882-08-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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782 bei der Agnoscirung und Obduction der angeschwemmten Leiche die Verteidigung nicht beigezogen, und gefordert, daß den Verteidigern Einsicht in die über diese Acte aufgenommenen Protocolle gestattet werde. Türkei. KonftautLrropel, 20. Juli. Ueber die ungeheuere Feuersbrunst in Smyrna sind hier einige Einzelheiten bekannt geworden. In den jüdischen und türkischen Quartieren sollen gegen 1500 Häuser eingeäschert und an 2000 Familien brod- und obdachlos geworden sein. Das Feuer wüthete beinahe die ganze Nacht vom 18. auf den 19. Juli. Enge Straßen und Wassermangel verhinderten wirksame Hilfe. Der Vali soll während der ganzen Nacht auf der Brandstätte gewesen sein. Smyrna, 21. Juni. Diejenigen, welche die Colonisation von Palästina durch russische Flüchtlinge befürworten, laden eine schwere Verantwortung auf sich, deren Folgen am hiesigen Orte schon recht fühlbar sind. Eine Anzahl Auswanderer, sich auf die gemachten Versprechungen verlassend, kam in Constantinopel in der Hoffnung an, von hier aus sogleich nach Palästina befördert zu werden. Aber diese mit Kindern beladenen und zum großen Theile aller Hilfsmittel beraubten Flüchtlinge wurden enttäuscht, sobald sie nur den Fuß auf türkischen Boden gesetzt hatten. Sie durchschritten die Straßen dieser Hauptstadt nach einem Stück Brod suchend, vergeblich auf das Heilmittel wartend, das ihnen in so prahlerischer und unüberlegter Weise in Aussicht gestellt worden war. so waren ungefähr 000 Flüchtlinge innerhalb der letzten Wochen in Constantinopel zusammengeströmt. Von diesem Stand der Dinge gerührt, und nicht in der Lage sie Alle nach Jaffa zu schicken, wo manche Prüfungen sie erwartet hätten, hat der Vicepräsident des Bezirkscomitös der Alliance Herr S. Fernandez zunächst für die dringendsten Bedürfnisse dieser armen Geschöpfe Sorge getragen und sie dann unter die bedeutendsten Gemeinden des Reiches vertheilt. Smyrna bekam etwa 100, welche vom 8. bis 17. ds. in einem höchst beklagenswerthen Zustande hier ankamen. Mehrere wohlthätige Gesellschaften, insbesondere die der Gemilus-Chasodim, waren sogleich für ihren Empfang, für ihr Unterkommen, für ihre Versorgung mit Nahrung und Kleidung thätig. Um sie keinen Insulten auszusetzen wurden die Männer mit der türkischen Mütze versehen. Groß war das Erstaunen als man sah, daß die meisten unter ihnen Handwerker waren und dadurch trotz der Unkenntniß der Landessprache bald im Stande sein werden,Ihr Brod zu verdienen. Die Gemilus-Chasodim-Gesellschaft hat schon für mehrere Beschäftigung gefunden und ihnen das Geld für die Anschaffung der nöthigen Werkzeuge gereicht. Es sind unter denselben Schuhmacher, Schneider, Spengler, Hufschmiede, Destillateure und besonders viele Graveure. Es sind kräftige Leute, die nicht von Almosen leben, sondern durch ihrer Hände Arbeit sich ernähren wollen. Die kein Handwerk verstehen verwendet man als Arbeiter bei dem neuen Schulhause der Alliance. Ihre Kinder sind als Schüler in diese Anstalt ausgenommen. Die Thätigkeit der leitenden Männer dieser wohlthätigen Gesellschaft verdient alles Lob. Die israelitischen Bewohner von Smyrna haben sich hierbei auch wohlthätig benommen; indessen könnte diese teilnahmsvolle Behandlung gerade noch eine größere Zahl hierherlocken, was bei den beschränkten Mitteln der Gemeinde eine unerträgliche Last wäre. (Leider ist die jüdische Gemeinde zu Smyrna durch den inzwischen ausgebrochenen Brand in großen Notstand geraten, was die Unterstützung dieser russischen Flüchtlinge sehr erschweren, wenn nicht unmöglich machen wird, auf welch trauriges Verhältniß wir die europäischen Comitös aufmerksam machen wollen.) (Jew. Chron.) Smyrna, 23. Juli. Ueber das große Feuer, das hier vor wenigen Tagen ausbrach, wird gemeldet: Das Feuer kam in der Nacht in dem fast nur von Juden und Türken und nur wenigen Griechen bewohnten Stadtviertel „Epano mahala" zum Ausbruche und dauerte 9 volle Stunden. Ungefähr 600 Häuser, Gewölbe und Magazine, von den 500 Eigentum von Juden waren, während circa 100 türkischen und griechischen Besitzern gehörten, fielen dem Elemente zum Opfer. Ungefähr 1400Familien, darunter 1010 jüdische, 250 türkiche und 150 griechische, sind in Folge dieser Katastrophe obdachlos geworden. Unter den zerstörten Gebäuden befindet sich eine Synagoge, eine Mosche und eine türkische Schule, die 1200 L. gekostet hat. Amerika. New-Bork. Seit Anfang dieses Jahres hat sich hier ein Verein gebildet, welcher einen der Grundpfeiler des Judenthums omon zu pflegen, sich zur Aufgabe gestellt hat. Der Verein hat sich den Namen des berühmten Michelftädter Rabbinen yv'i 3*6 ypm /'h"d beigelegt. Ein Sohl! jenes großen Mannes, Herr Abraham Wormser, ist Mitglied desselben.