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Der Israelit · 1882-08-02 · Heft 31 (2.8.1882) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 31 (2.8.1882)
Date
1882-08-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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781 besser anstehen möchte, einlenken würde, — da sehen wir nns plötzlich wieder arg getäuscht. Die Wahlcampagne zum preuß. Landtag ist wieder mit voller Verve eröffnet worden. Von ungefähr fällt uns kürzlich die giftgctränkte „LiegnitzerPatr.Ztg." in die Hände, welche die neueste Rede Stöckers, die er in Breslau auf dem conservativen Parteitage gehalten hat, reproducirt, uub was finden wir da? — Daß Stöcker noch lange nicht bekehrt ist, sondern im Gegentheil wieder mit vollen, geschwellten Segeln auf den Wogen der antisem. Agitation gegen die Juden loszog u. schon wieder eine ganze Breitseite seines eigenartigen Judenhasses — wenn auch nur blind — losgeschossen hat. Polemisirend und kritisirend gegen die von Dr. Max Hirsch geleiteten Gewerks- oder Gewerbe-Kassen! ruft er emphatisch aus: — „und, liebe Freunde, wir iwollen auch unsere Israeliten nicht hassen, nicht verfolgen. Wir verabscheuen die Greuelthaten in Rußland, wie bei uns, sie nutzen auch der großen lFrage nichts, sie schaden nur, aber das wollen wir nicht dulden, daß wir in unserm ehrlichen Arbeitsleben und Ringen nach Befreiung (?), in unserer sittlichen Wiedergeburt und in unserm Streben nach kirchlicher Reform (— o, wer hindert ihn denn daran? -- Corresp.) von Leuten nns beherrschen llassen, die nicht unseres Stammes und Glaubens Kind. Dazu find die Israeliten von heute wirklich micht groß genug. (Heiterkeit.) Wir Deutschen müssen, was wir brauchen, und wenn wir es noch micht wissen, werden wir es in gemeinsamer Arbeit finden. Mögen unsere israelitischen Mitbürger unter kms wohnen und sich damit begnügen, ihren Erwerb pmd Arbeit unter uns zu finden, und wenn sie erst [einmal in alle Schichten der Arbeitt hineingedrungen sind, wenn sie Sackträger und Arbeiter geworden sind, wie unsere deutschen Arbeiter (Beifall und Heiterkeit), dann wollen wir ihnen auch sagen, daß sie in das deutsche Leben mehr, als bisher eingeganfeen sind. [ So lange sie aber das Bedürfniß fühlen, sich [n die einflußreichen, mächtigen Stellen hineinzuarpeiten mit einer Energie und Klugheit, die wir nicht leugnen wollen, ist uns dieser Zustand unerträglich! ^Lebhafter Beifall). Die Parole: „Brecht die Geschäftsverbindungen put den Juden ab", habe ich bisher (— aha! —) poch immer bekämpft, weil ich den Krieg zwischen l>en Mitgliedern eines Staates „bis aufs Messer" r~ nicht haben will. I — Das ist aber eine Forderung die unausbleiblich ist, wenn die Juden, sofern wir einmal ein Wort sprechen, das ihnen nicht bequem ist, gleich die verren spielen wollen über uns. Nein, m. H., das »eht nimmermehr. Sie haben Jahrzehnte lang uns nicht bloß kritisirt und heruntergerissen, sondern die Judenpresse hat nicht mehr für heilig gehalten, was unserm Herzen theuer war. (Stürmischer Beifall). Nun, m. H., der Zustand hat fich ein wenig gebessert. Sie haben zwar gescholten, als ich von ihnen ein klein wenig mehr Bescheidenheit verlangte, aber ein Bischen haben sie es sich zu Herzen genommen, u. ich hoffe, daß wenn sie die Gefahr der Judenfrage, die eine internationale geworden ist und sich nicht durch das Gelächter (?...) u. den Hohn der Zeitungsschreiber austreiben läßt, wenn sie den Ernst derselben erst merken, werden sie zu der Position zurückkehren, die ihnen gebührt, daß sie unter uns leben als deutsche Staatsbürger, aber auf jeden Gedanken verzichten, uns politisch communal, in Handel und Gewerbe, literarisch und durch die Presse zu beherrschen. Das ist unmöglich, einfach, weil wir Christen sind, weil sie Juden sind, weil wir Deutsche sind, — sie nicht fühlen, wie wir". Also, daß wir's nun wissen, was Stöcker von uns nunmehr als Entgelt für seine Liebe und Duldung verlangt: nichts weiter, als bloß jene, ihn unkritisirt machen, reden und agitiren zu lassen und nebenbei auch auf jede Position, außer derjenigen eines Arbeiters als deutscher Sackträger zu resigniren Wo nicht, so wird er nicht, wie bisher, die Parole des Kampfes bis aufs Messer bekämpfen, sondern im Gegentheil würden wir es alsdann bald zu merken bekommen, „was der Ernst der Gefahr der international gewordenen Jadenfrage," die er dann herbeizuführen vermöchte, zu bedeuten haben. Ist das nicht deutlich genug? Heißt das etwas anderes, als eine leicht verblümte Drohung mit dem allegmeinenKreuzzug gegen die Juden?! N. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Budapest. Der Egyetertes veröffentlicht zwei Eingaben, welche der Vertheidiger Karl Eötvös an den Gerichtshof in Nyiregyhaza gerichtet hat. In der einen Eingabe machen die Jnhaftirten darauf aufmerksam, daß sie zwar bereits zwei Monate in Untersuchungshaft seien, daß aber die Sache sich noch immer im Stadium der Vorerhebungen befinde und im Gegensätze zu den gesetzlichen Bestimmungen die ordentliche Untersuchung gegen sie nicht eingeleitet worden sei. Die Jnhaftirten fordern daher, daß der Untersuchungsrichter angewiesen werde, gegen sie die ordentliche Untersuchung anzuordnen, oder aber daß für deu Fall, als zur Einleitung der Untersuchung nicht hinreichendes Material vorhanden wäre, das Verfahren eingestellt und die Verhafteten auf freien Fuß gestellt werden. In der zweiten Eingabe wird Protest gegen die Jncorrectheit erhoben, daß

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