Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1882)
- Date
- 1882-08-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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780 Zeitungsnachrichten und Gorrefpondenzen. Deutschland. Mainz, 30. Juli. In Bezug auf die von einem unserer Correspondenten gerügte Art und Weise der Beköstigung jüdischer Soldaten am Peßachfeste in Metz wird den „ Arch. Jsr." geschrieben, daß während die Zahl der Soldaten seit der Annexion bedeutend zugenommen, die jüdische Gemeinde mehr als die Hälfte abgenommen hat, die Gemeinde daher kaum im Stande ist, die Beköstigung aller jüdischen Soldaten zu bestreiten. Der Oberrabbiner wendet sich daher jedes Jahr an den Generalgouverneur von Lothringen, um die Beurlaubung der jüdischen Soldaten während des Festes, soweit der Dienst es zuläßt, zu bewirken. Dieses Jahr wurden von den 103 Soldaten 58 beurlaubt. Die Erfahrung habe gelehrt, daß selbst Söhne reicher Eltern sich in die Armenliste der Soldaten eintragen lassen, um freie Beköstigung zu erlangen. Um diesem Uebelstande abzuhelfen, verlange man ein Armuthszeugniß von der Heimathsbehörde. Nur ein Soldat habe dieses beigebracht; nichtsdestoweniger sind 16 Soldaten, d. h. alle diejenigen, die sich einschreiben ließen, von der Gemeinde gespeist worden. Der Jndifferentismus in religiöser Beziehung sei bei einer guten Anzahl von Glaubensgenossen in der Garnison ziemlich groß. Crmershausen (Bayern), 24. Juli. Herr Lehrer Jakob Salzer, durch den am 2. Jjar plötzlich erfolgten Tod seiner frommen und würdigen Frau d"u gezwungen, seine Stelle dahier, welche er 46Vs Jahre lang als Religionslehrer, y“w bekeidet hatte, niederzulegen, verließ den 2. ds. Mts. unsre Gemeinde, um nach Schnaittach zu seinen dort wohnenden Kindern überzusiedeln. — Herr Lehrer Salzer wirkte diese lange Zeit hindurch mit großem Pflichteifer und hohem religiösem Ernste und in Folge dessen auch mit reichlichem Erfolge. Der Stand feiner Schule war immer ein ausgezeichnet guter, so daß ihm die Anerkennung des Rabbiners und der Kgl. Schulbehörden in hohem Maße zu Theil ward. Außerdem stand Herr L. S. wegen seines biederen Charakters in großer Achtung und war geliebt nicht blos von seiner Gemeinde und den Nachbargemeinden, in welchen er zeitweilig thätig war, sondern auch von der christlichen Bevölkerung hier und in weiterem Umkreise. Dies zeigte sich auch bei seinem Scheiden. Der Herr Pfarrer, die Herren Lehrer und andere angesehene christliche Männer i des Ortes und von auswärts vereinigten sich zn! Ehren des Scheidenden zu einer geselligen Abschieds-! feier, an welcher auch der größte Theil der jüdischen! Gemeindemitglieder theilnahm. Herr Pfarrer Schneider eröffnete die Reihe der Toaste als Localschulinspector und Freund des Gefeierten mit herzlichen Worten der Anerkennung für die Vergangenheit und des Glückwunsches für die Zukunft. Die isr. Gemeinde überreichte ihrem Lehrer als äußeres Zeichen der Liebe und Dankbarkeit einen prachtvoll gearbeiteten silbernen Pokal. Sowohl bei der Tags vorher, am Sabbat, in tiefer Ergriffenheit gesprochenen Abschiedsworten des Lehrers an die Gemeinde, als auch bei der erfolgten Abfahrt, in Begleitung seines Sohnes des Herrn Rabbiner Dr. Salzer von Schnaittach, wozu außer der Schuljugend, welche den Wagen bekränzt hatte, eine große Zahl Männer und Frauen sich begeben hatte, war der Schmerz ein sichtlicher; selbst Greise vergossen Thränen. Möge der Allgütige, Herrn Lehrer Salzer, dem jugendlichen Greise, einen langen und angenehmen Lebensabend zu Theil werden lassen. Frankfurt a. M«, 31. Juli. Samstag den 29. Juli, ior» nsr wurde die neuerbaute Synagoge zu Weiskirchen b. Seligenstadt, eingeweiht. Nach einem schön arrangirten Feftzuge begrüßte vor der Synagoge ein kleines Mädchen die Ankommenden mit einem hübsch abgefaßten Gedichte. Alsdann hielt Herr Lehrer Fuchs aus Steinheim, der bei der Gemeinde als früherer Lehrer noch in gutem Andenken stand, eine schwungvolle Ansprache, worin er zuerst die große Opferwilligkeit der dortigen Juden hervorhob, und dann darauf hinwies, daß zu diesem schöne Baue auch ein schöner jüdischer Sinn gehöre, der sich vor allem in vollendeter Eintracht mit Aufgabe aller selbstsüchtigen Interessen bethätigen müsse. Der Bau und die Einrichtung der Synagoge machte auf die sehr zahlreich erschienenen Fremden einen höchst befriedigenden Eindruck. Aus dem Ermlande. Jüngst machte ein anmuthender Bericht über eine Unterredung Stöckers mit einem hervorragenden polnischen Juden über die Folgen der antisem. Agitation, die von ihm gewissermaßen ihren Ursprung herleitet, wie sie in Balta und an anderen Orten in Rußland so verderblich gewesen sind, die Runde. Stöcker zeigte sich da sehrmild und versöhnlich gesinnt, und schon hatten wir uns der angenehmen Hoffnung hingegeben, daß dieser hervorragende Apostel des Antisemitismus nunmehr die Segel streichen und in eine friedlichere Bahn, wie sie ihm als einen Verkünder des Heils sicherlich