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Der Israelit · 1882-08-02 · Heft 31 (2.8.1882) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 31 (2.8.1882)
Date
1882-08-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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779 sität ihren Namen verzeichnet. Beginnen wir mit dem zweiten Blatte zuerst. Als im zweiten Decennium dieses Jahrhunderts das Bedürfniß sich geltend machte, bei der Berufung eines Rabbiners auch auf wissenschaftliche Bildung zu sehen, da war es die Würzburger Hochschule, auf welcher junge Rabbinalscandidaten ihre wissenschaftliche Bildung sich erwarben. Es war gerade diese Stätte von vielen, zumeist Süddeutschen, gewählt worden, obgleich diese Hochschule vorwiegend das medicinische Studium Pflegte und nur für dieses Capacitäten nach jeder Richtung dieses Studiums hin gewonnen waren, während für Philosophie und Philologie minder ausgiebig gesorgt war — weil in dieser ganzen Zeit das Rabbinat von Männern bekleidet war, welche zu den bedeutendsten in Deutschland gehörten, und deren Ruf auch über Deutschlands Grenzen hinausgedrungen war. Es waren dies R. Abraham Bing und R. Seligmann Bär Lamberger W'i. Diese Männer hatten immer Talmudjünger um sich gesammelt und so war hier den jungen Leuten die beste Gelegenheit geboten, Unlversitatsstudien mit talmudischen Studien zu verbinden. Träger berühmter Namen sind ans dieser Schule hervorgegangen; wir erinnern nur, um von den Ersten zu sprechen, die dort ihre Bildung erwarben, an die verstorbenen Chacham Bernays und Rabb. Jacob Ellinger Aber nicht allein Männer wie diese, welche der streng orthodoxen Richtung angehören, gingen aus der Würzburger Schule bervor, auch der extremen Reform lieferte sie ihre Repräsentanten. Dies das eine Blatt, das die Würzburger Universität in den Annalen der Geschichte der Judenheit hat. Das andere Blatt ist alt und zwar so alt, wie die Würzburger Hochschule selbst, mit ihrer Geburt ist dieses Blatt beschrieben worden. In einer interessanten und für die Culturgeschichte sehr wichtigen Monographie von C.K. Wilh. Seibt, „Franciscus Modius, Rechtsgelehrter, Philologe und Dichter" (Frankfurt a. M, Keller, 1882), bat der Verf. Gelegenheit, einige Notizen über Bischof Julius Echter v- Mespelbronn, den Gründer des Juliusspitals und der Universität zu Würzburg, zu geben; dies gibt ihm Veranlassung, aus der Würzburger Chronik von Gropp folgenden Auszug mitzutheilen: „Gemeine Judenschafst im Lande hat den Platz, dahin das Julius-Spital erbaut worden, vor etwa vielen Jahren von Bischoffen Gottfrieden von Limburg um dreh hundert Gold-Gulden, und ein jährlichen Zinnß, zu ihrer Begräbnus erkaufft, allda sie dann einen sondern Altar aufgericht, wie auch etliche Wohn-Häuser erbauet, über das sie zuvor viele und unterschiedliche Häuser in der Stadt, auch eine sondere alte Synagog und Waffer-Tauch, wie sie es nennen, gehabt, daher derselbige Platz der Juden- Garten genannt worden. Nun ward unter einem und andern Bischoff etwa merckliche Verfolgung gegen ihnen fürgenommen, da sie doch immer hofften blieben, und wieder aufkommen seyn. Endlich erlangt Bischoff Friedrich von Kayfer Ferdinands ein besonder Privilegium, daß er sollte und mochte die Juden gar abschaffen; dessen nähme er sich zwar genugsam ernstlich an, aber es ging ihrer Patronen halb, wie es kont. Und obwohl zuletzt alle ihr Wohnungen samt der alten Synagog in Aenderung gerathen, blieb ihnen doch der vermeldt erkaufft Juden-Gart von langen Jahren hero, wie auch solcher Zeit der Juden-Kirchhoff genannt." „Als nun Bischoff Julius den stattlichen Bau darauf fürnahme, und denselben schier hatte zu Ende gebracht, unterstunden sich die Juden ihres erkaufften Platzes halb bei dem Kayserl. Hof Einrede; u. er Bischoff Julius darüber seinen nothwendigen Bericht thäte, arbeiteten sie die Juden bey Ihrer Majestät Hof noch dahin, daß Bischoffen Julio angemuthet wurde, die Sache durch Commission fürzunehmen, u. vergleichen zu lassen. Er entschuldiget sich aber mit Erzehlung des Wercks, u. setzet zu dem Kayser, ob auch darum, daß er mit Mühe und Kosten dasselbige Merck GOtt zu Ehren, und den Armen zu gut angerichtet; die Juden es aber widersprachen, sich solt fügen, jemand aus den Reichs-Ständten oder andern guten Leuthen derwegen anzugelangen u. zu bemüssigen, darbey es gelassen u. verblieben. Folgends haben die Juden allein ihrer Vorfahren ausgelegten Kauffs- Gelds um den Juden-Garten, wie er genannt, und darüber sie noch den alten Kauff-Brief gehabt, wieder begehrt; aber Bischoff Julius hat auch dasselbige abgeschlagen. Und stehet also von den Gnaden GOttes der Spital auch fürter an dem Orth, dahin er erbauet." Für die Geschichte ist dieses Blatt sehr wichtig, und wirft es auch ein grelles Licht auf die Rechtszustände jener Zeit, so soll es uns doch die Freude an dem schönen Feste, das die Gegenwart feiert, nicht trüben. Im Vergleich zu all' dem Unrecht, das früher unsre Vorfahren in Deutschland erdulden mußten, verschwindet die Vorenthaltung von 300 Goldgulden in nichts. Wir folgen der Lehre unsrer Weisen, die uns sagt, daß wenn Einer Geld verloren, und ein Armer es findet, der den Eigenthümer nicht ausfindig machen kann und daher der Besitzer desselben bleibt, der Verlierende in dem Gedanken glücklich sein solle, daß einem Armen mit seinem Gelde geholfen worden.

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