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Der Israelit · 1882-07-26 · Heft 30 (26.7.1882) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 30 (26.7.1882)
Date
1882-07-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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759 droht die Menge mit einer erneuten, schlimmeren Wiederholung der Exceffe, wenn nicht die Arretirten freigegeben werden. Die Behörden sind zu schwach, diesem Ansinnen Zu widerstehen, so hört man wenigsten hochgestellte Personen sagen. Feuilleton. Löö Munitz. Kulturhistorisches Zeitbild aus dem erstenDrittel des 18. Jahrhunderts. Von S. Kohn. (Verfasser von „Gabriel".) (Fortsetzung.) Sein Sohn Koppel übernahm sein Geschäft, und da Löb sein einziges Kind blieb, wendete er diesem seine volle, ungetheilte Zärtlichkeit zu. Löb war ein reich begabter junger Mensch. Bis zu seinem 17ten Jahre ergab er sich ausschließlich den Studien. Sein Vater ließ ihm nicht nur gründlichen Unterricht im Talmud und andern religiös-wissenschaftlichen Disciplinen, sondern auch in weltlichen Wissen, in jenen Dingen ertheilen, welche ihm in seiner Zukunft unentbehrlich oder auch nur nützlich werden konnten. Zu 15 Jahren war er schon so weit, daß er die Jeschiwa besuchen konnte; zu 17 Jahren trat er in seines Vaters Geschäft und zeigte auch zu diesem so viele Anlagen und Fähigkeiten, daß er sich schon als 20jähriger Mann eines großen Rufes als Künstler und Juwelenkenner erfreute. Da traf ihn plötzlich einer der härtesten Schicksalsschläge. Bei dem furchtbaren Unglücke, das die Prager Judenstadt 448 der kleinen jüdischen Zeitrechnung *) bei dem verheerenden Brande traf und der viele hundert Menschenleben vernichtete, hatte er Vater und Mutter in furchtbarer Weise verloren. Er war zufälliger Weise bei dieser furchtbaren Katastrophe abwesend, in Geschäften in Wien gewesen, und als er wiederkehrte, wurden eben die verkohlten Leichen seiner Eltern unter den Trümmern ihres niedergebrannten Hauses ausgefunden. — Ein Jugendfreund von ihm, David Wodnian, erzählte meinem Gewährsmann, welche wunderbare Seelenstärke der damals 20jährige Mann bei dieser Ge» legenheit bewiesen hatte. „Es kam von Gott, es muß daher ertragen werden!" sagte er auf der Brandstätte seines Vaterhauses, vor den Leichen seiner Eltern! Rafael Kannstadt war über den gräßlichen, unerwarteten Tod seiner Tochter völlig untröstlich und wenn ihn in seiner Verzweiflung noch etwas aufrecht erhalten konnte, war es der Gedanke an seinen Enkel Löb. Auf diesen wollte er all die Zärtlichkeit und die Liebe, die er nicht mehr auf das Haupt seiner verstorbenen Tochter häufen konnte, übertragen, sein Enkel ^sollte ihm die Tochter ersetzen, eine unschilderbare Sehnsucht nach jenem ergriff ihn, er schrieb ihm, er müffe zu ihm kommen, um sich nie mehr von ihm zu trennen. Munitz fesselte nun nichts an Prag, die traurigen Erinnerungen, an welche er täglich, stündlich gemahnt worden wäre, hätten sein Leben bis zur Unerträglichkeit verdüstert, er sehnte sich selbst nach einem Freundeskreise, und nahm den Antrag seines Großvaters dankbar und mit Freuden an. Löb Munitz hatte von seinen Eltern ein großes Vermögen geerbt. Der Juwelenladen seines Vaters war in dem außerhalb des Ghettos befindlichen Tandelmarkte gelegen und dieser Stadttheil war glücklicherweise von dem verheerenden Brande verschont geblieben. Bei der Unsicherheit, die zu jenen Zeiten auf den Landstraßen herrschte, war es nothwendig, einen verläßlichen Reisebegleiter mitzunehmen, und er war so glücklich, einen solchen in der Person seines Jugendfreundes David Wodnian zu finden. Munitz hätte diesen gerne bei sich in Frankfurt behalten, Wodnian wäre gerne bei ihm geblieben, aber er empfand eine solche unbezwingliche Sehnsucht nach seiner Vaterstadt, nach der altehrwürdigen Altneusynagoge, die dieser Feuersbrunst, wie auch allen früheren und späteren, wie durch ein Wunder entgangen war^), nach dem uralten, schönen Friedhofe, daß es ihn mit unwiderstehlicher Macht nach Prag zog. Munitz und sein Großvater gaben dem wackern jungen Menschen die nöthigen Mittel sich das Geschäft seines Vaters — einen kleinen Gewürzladen — neu einzurichten und wie ich höre dankt Wodnian seinen mäßigen Wohlstand, sein bescheidenes Lebensglück uur Munitz." „Wodnian war auch der einzige Mensch," unterbrach der Primator den Rabbi, „der mit Munitz verkehrte, er galt als sein Waarenlieferant — doch fahrt in Eurer hochinteressanten Erzählung gefälligst fort." „Munitz erwarb sich durch sein stilles, gottergebenes Leben, seine Frömmigkeit, seine vielseitige Bildung, in seiner neuen Heimath Anerkennung und Freunde. Er errichtete sich eine selbstständige Werkstatt und wurde bald als ein ausgezeichneter Juwelier und Goldarbeiter, nicht nur in Frankfurt, sondern weit und breit, in ganz Süddeutschland bekannt. Er fand einmal auch Gelegenheit einem süddeutschen regierenden Fürsten Beweise, sowohl feiner Kunstfertigkeit als seiner großen Redlichkeit I) 1689. 2) Historische Thatsache.

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