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Der Israelit · 1882-07-26 · Heft 30 (26.7.1882) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 30 (26.7.1882)
Date
1882-07-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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760 zu geben, und dieser beschäftigte ihn nicht nur selbst häufig, sondern empfahl ihn auch an zahlreichen, ihm befreundeten Fürstenhöfe." „Das weiß ich," schaltete Oppenheim lebhaft ein, „ich habe es ja erzählt, ich hatte selbst Gelegenheit gehabt den großen und günstigen Einfluß des damals noch jungen Mannes kennen zu lernen ...... Wie erging es Munitz in seiner neuen Heimath weiterd" „Er hatte das Alter erreicht', in welchem man daran denken soll, sich einen Heerd zu gründen. Munitz war auch ein ungewöhnlich schöner Mann, der gefallen konnte, und es gab in ganz Süddeutschland kaum eine vornehme Familie, die sich's nicht als Glück geschätzt hätte, ihm ihre Tochter zur Gattin zu geben. — Munitz verkehrte freundschaftlich sowohl als geschäftlich häufig mit seinem Oheim Simon Kannstadt, in dessen Hause seine Töchter Bele und Channa lebten. Erstere war nur ein Jahr jünger als der damals 25jährige Munitz, war kurze Zeit nach Hamburg verheirathet gewesen und war nach einjähriger Ehe wieder als kinderlose Wittwe in's Vaterhaus zurückgekehrt, wo sie nun schon vier Jahre lebte. Channa war ein aufblühendes, herrliches, lebensfrisches Mädchen von siebenzehn Jahren. Rafael Kannstadt ließ eines Tages seinen Tochtersohn Löb Munitz rufen und erklärte ihm, daß er es wünsche, er möge in den Ehestand treten, und auch daß er eine für ihn passende Lebensgefährtin, seine Enkelin, die schöne Wittwe Bele Frensdorf, gefunden, die, wie er überzeugt sei, einige Neigung für ihn gefaßt, und diese beschämend in ihrem Innern verschließe, wohl auch nur aus diesem Grunde die zahlreichen, mitunter vortrefflichen Männer, die während ihres Wittwenstaudes um sie geworben, hartnäckig zurückgewiesen. Munitz war von diesen Eröffnungen offenbar betroffen gewesen; wie sich's später mit voller Klarheit herausstellte, war er für Bele's jüngere Schwester in Liebe entbrannt, aber diese war fast noch ein halbes Kind, die jedem heiter und freundlich entgegenkam; er konnte es nicht gewiß wissen, ob seine Liebe erwiedert wurde; in jedem Falle hatte er geglaubt mit einer Werbung um Channa so lauge warten zu müssen, bis diese etwas älter und im Stande war, einen richtigen Entschluß für das ganze Leben fassen zu können; endlich auch aus zarter Rücksicht für Bele, deren stilles Wesen, frommes, geräuschloses, wohlthätiges Wirken ihm Achtung und Verehrung einflößte. Es erschien ihm nicht passend, daß er um die 17jährige Cousine werbe, so lange deren schöne 24jährige Schwester, wenn auch verwittwet, unvermählt im Hause ihres Vaters lebte; — es schien ihm — wohl nicht mit Unrecht — es könne diese verletzen, ihr wehe thun. — Alles das, was ich eben erzählte, hatte der schweigsame, verschlossene Munitz nicht ausgesprochen, aber es erschien allen Jenen, die ihm näher gestanden, in vollster Zweifellosigkeit. — Sein Großvater hatte seine Ueberraschung, sein Schweigen mißverstanden, und seinen gefaßten Lieblingsplan mit Wärnie verfolgend, stellte er seinem Enkel vor, daß diese Verbindung sein höchster Wunsch sei, daß er — Löb — keine bessere, würdigere Lebensgefährtin finden könne, und sich von feinem Eifer weiter Hinreißen lassend als er sollte und wohl beabsichtigt, fügte er schließlich hinzu, daß es für Bele, wenn er sie verschmähen würde, unschilderbar schmerzlich wäre, sie unglücklich werden, bei ihrem Feingefühl und zarten Körperbau durch Gram den Tod finden könnte. Munitz war und ist gewiß auch noch jetzt ein selbstloser Mensch, dieser letzte Grund war für ihn ausschlaggebend; noch an demselben Tage frug er Bele, ob er bei ihrem Vater um ihre Hand werben dürfe. An der seinen Purpurröthe, die ihr sonst bleiches Gesicht schämig färbte, an dem Aufleuchten ihrer Augen erkannte Munitz, daß sich sein Großvater nicht getäuscht! .... . Einige Monate später führte er seine Cousine Bele als Gattin heim." Rabbi Jacob Cohn unterbrach sich, er hatte unwillkürlich seiner außerordentlichen Zuneigung für Munitz folgend, dessen Lebensgeschichte mit gar zu umständlicher Breite wiedergegeben, die Oeltiegel an der großen Lampe waren schon erloschen, freilich das Helle Licht der zahlreichen Wachskerzen verbreitete noch immer genügende Helle und er sagte: „Es ist spät geworden, Ihr, Prager Ras! und die Eurigen werden zur Ruhe gehen wollen und ich kann Munitz's Lebensgeschichte, so weit sie mir bekannt ist, ein andermal zu Ende erzählen." (Fortsetzung folgt.) ANZEIGEN. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. ine religiöse Famiüe in Paris sucht eine Köchin, mit guten Zeugnissen versehen. Guter Lohn. Offerten unter Nr. 2567 besorgt die Exed. d. Bl. ^)reis-Physikus Dr. Doeblin in ***■ Berncastell a. d Mosel nimmt znm Zwecke ärztlicher Behandlung (Douchebäder, Electricität rc.) resp. Pflege eine, auch uvei nervöse Damen oder schwächliche Kinder in sein HanS aus. (2736

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