Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1882)
- Date
- 1882-07-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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654 Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien, 19. Juli. Ein gegenwärtig in Deutschland lebender Amerikaner, der mit den Verhältnissen New-Aorks wohl vertraut ist und seine Informationen über die Lage der jüdischen Flüchtlinge in Amerika aus zuverlässiger Quelle zu schöpfen erklärt, schreibt uns: „Gestatten Sie mir, gegenüber den vielfachen Nachrichten, welche die Zeitungen über die Situation der russischen Emigranten in Amerika brachten, einige thatsächliche Mittheilungen, welche die Thätigkeit des amerikanischen Comitö's in's rechte Licht zu stellen geeignet sind, und welche beweisen dürften, daß die gegen dasselbe erhobenen Vorwürfe der Gleichgiltigkeit und Nachlässigkeit gegenüber den Emigranten aus Rußland unbegründet sind. Die am 2 Juni in New-Dork stattgehabte Conferenz wurde von der im December vorigen Jahres gegründeten New-Aorker Hebrew Emigrant Aid Society einberufen. Zu derselben hatten sich Delegirte aus allen Theilen der Vereinigten Staaten eingefunden. Die Conferenz hatte den Zweck, einen innigeren Contact der einzelnen Zweigcomitb's herzustellen. Herr Jates, der vom Lord Mayor von London, beziehungsweise vom Mansion-House-Comitä nach Amerika entsendet worden war, erklärte sich in einer längeren, von New- Uorker Blättern reproducirten Rede mit der Thätigkeit des amerikanischen Hilfscomit^'s einverstanden und versprach am Schluffe, er werde dahin wirken, daß der New-Aorker Gesellschaft jeder Ueberschuß des Mansion - House - Comitö's bedigungslos zugewendet werde, um auf diese Art das Vertrauen des Londoner Comittz's zu jenem in New-Uork zu manifestiren. Diese Thatsache ist geeignet, die falschen, meist von nicht osficiellen Berichten herrührenden Angaben von der schlechten Behandlung der russischen Juden in Amerika am besten zu widerlegen. Ebenso kann ich Ihnen die verbürgte Mittheilung machen, daß das New-Zjorker Comitd Alles aufbot, um den Ankömmlingen Arbeit in New-Aork oder in den Colonien zu verschaffen. Wenn eine größere Anzahl sich dennoch zur Rückreise entschloß, so erklärt sich dies daraus, daß das Comitö nicht sofort allen Israeliten, welche aus Rußland kamen, Arbeit und Verdienst vermitteln konnte, und daß bei Vielen auch noch ihre Brauchbarkeit erprobt werden mußte. Bei der jetzigen strengen-Cr^C'ole in Brody, die anfangs daselbst nicht geiM wurde, werden manche Uebelstände vermieden werden, die ursprünglich zu Tage traten. Außerdem wurde ein Delegirter der New-Aorker Society nach dem Westen entsendet, um die Colonisationsfrage zu studiren. Er legte der Gesellschaft einen detaillirten Colonisationsplan vor, welcher approbirt wurde. Die genannte Gesellschaft in New-Aork, welche sich > als das amerikanische Central-ComitL in Permanenz erklärte, schickte auch eine Dankadresse an den Präsidenten Arthur für die Depesche, die er zu Gunsten der russischen Juden an den amerikanischen Gesandten in Petersburg gerichtet hatte. Vergleicht man alle diese Thatsachen, und erwägt man weiters, daß ein so großes Unternehmen anfangs mit mannigfachen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, so muß man der Thätigkeit der Gesellschaft alle Anerkennung zollen. (N. fr. Pc.) Budapest, 19. Jul. Ueber die wahrscheinliche Dauer der Untersuchung in der Tisza-Eslarer Angelegenheit melden die heutigen Blätter folgendes: Der Justizminister hat an den Gerichtspräsidenten in Nyiredihaza ein vertrauliches Schreiben gerichtet, in welcher dieser ersucht wird, die Untersuchung sobald als möglich zum Abschlüsse zu bringen. — Der Gerichtspräsident erwiderte, daß eine Abkürzung der Untersuchung nicht möglich sei, da auch viele Punkte vorhanden, welche vielleicht das Gericht auf die Spur der Wahrheit führen könnten, und daher alles genau untersucht werden müßte. Wie die Sache heute steht, kann man die verhafteten Juden nicht einmal in den Anklagestand versetzen. — Wie hieraus zu ersehen, dürfte die Untersuchung wohl noch längere Zeit in Anspruch nehmen; doch ist alle Hoffnung vorhanden, daß diese Untersuchung mit der vollständigen Unschulderklärung der unglücklichen verhafteten Juden enden wird. England. London. Der Mansion House-Fond für die Unterstützung der verfolgten russischen Juden hat bis jetzt die Summe von über 100,000 Lstrlg. erreicht. Rußland. Balta. Das Kriegsgericht in Balta verurtheilte, der „Boh." mitgetheilt wird, die Angeklagten Papuga und Maidantschenbo wegen Todtschlages bei der Judenhetze zum Tode durch der: Strang, drei Angeklagte wegen Plünderung zu 15 Jahren Zwangsarbeit. Feuilleton. Iie Juden im Orient. In dem von uns schon einmal citirten Buche von Herrmann Vambery „Sittenbilder aus