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Der Israelit · 1882-07-26 · Heft 30 (26.7.1882) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 30 (26.7.1882)
Date
1882-07-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
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750 warten. Wir sind mpnn i-pdk, von der Hoffnung Gefesselte. Die Hoffnung soll uns mit festen Banden umschlingen, so daß wir uns gar nicht von ihr lossagen können. Gar Manchem wirft sich in dieser Zeit der Beängstigung die Frage auf, warum Gott so Schweres über uns verhängt hat und warum die Zerstreuung über den ganzen Erdboden uns nothwendig geworden. Diese Frage ist wahlberechtigt; denn die Zerstreuung und Verbannung bergen eine doppelte Gefahr in sich; sie drohen unser materielles Leben zu vernichten und zugleich unser geistiges, sittliches und religiöses Leben zu zerstören. Seit dem Tage der Zerstörung unsers Heiligthums durch die Römer, haben wir Ruhe und Frieden nicht gekannt. Unterdrückung und Zurücksetzung ward unser Loos, und wir mußten zufrieden sein, wenn der Haß der Judenfeinde nicht in offene Gewaltthätigkeiten ausartcte. Und diese offenen Gewaltthätigkeiten, wir haben sie nur zu oft erfahren müssen. Fast kein Volk, fast kein Zeitalter hat es gegeben, das sich nicht an den Nachkommen Jakobs versündigt hätte. Noch vor wenigen Jahren glaubten wir, daß in den civilisirten Ländern Europas unsere Leiden ein Ende genommen hätten; wir haben uns. bitter getäuscht. Der alte Haß war nicht todt; er' war nur zurückgehalten worden, er hatte nur geschlummert; jetzt ist er wieder erwacht und zeigt uns seine giftigen Zähne. Warum hat uns Gott so großen Gefahren preisgegeben? Nicht minder groß ist die andere Gefahr, die wir oben angedeutet haben, und die Gottes Weisheit längst vorher gesehen hat, wie es heißt: (5 B. M. C. 4, V. 27 u. 28). „Und es wird Euch zerstreuen der Ewige unter die Völker und Ihr werdet übrig bleiben in geringer Anzahl unter den Nationen, zu denen Euch Gott führen wird; und Ihr werdet dort dienen Göttern, Werk von Menschenhänden, Göttern von Holz und Stein." — Und in der That, es ist so geworden. Viele hat der Druck zum Abfall getrieben, Andere die Nachahmungssucht, von der immer der Dienende den Herrschenden gegenüber befallen wird. Das Culturleben der Völker beruht auf andern Grundlagen als das unsrige', und seitdem unsere Brüder und Schwestern daran Theil genommen, hat man sich vielfach daran gewöhnt, Alles das für erlaubt zu halten, was den Völkern, in deren Mitte wir leben, nicht unerlaubt erscheint. Daher die allgemeine Entweihung des Sabbats, die Uebertretung der Spcisegesetze, die Mißachtung der Ehe- und Reinheitsvorschristen. Gerade in den civilisirten Ländern Europas hat der Abfall von dem jüdischen Religionsgesetze in so erschreckender Weise zugenommen, daß diese traurigen Zustände jedes jüdisch fühlende Herz mit tiefer Bekümmerniß erfüllen müssen. Warum hat uns Gott diesen großen Gefahren ausgesetzt, warum müssen solche entsetzliche Kämpfe unser inneres Leben zerrütten und nach Außen unsere Existenz bedrohen? Biel leichter wäre es doch gewesen, in geschlossenem Staatswesen den äußeren Feinden entgegen zu treten und im Innern das Volks- und Familienleben so zu regeln, wie Gottes Gesetz es erheischt! Die heilige Lehre unseres Gottes und die Geschichte unseres Volkes geben uns auf diese Fragen genügende Antworten, denen wir die folgenden Kapitel widmen wollen. (Fortsetzung folgt.) Line Kolonisation Syriens. In London hat sich eine Gesellschaft gebildet, die, wie aus den Unterschriften zu ersehen ist, durchaus aus Christen besteht, sich es zur Ausgabe macht, unseren unglücklichen, verfolgten russ. Glaubensgenossen beizustehen. Im Interesse der heiligen Sache bringen wir daher einen Auszug des Aufrufes, der lautet: Es bietet sich den Christen jetzt eine außergewöhnliche Gelegenheit, ihren guten Willen gegenüber der israelitischen Nation zu zeigen. Die Juden sind ein selbständiges, fleißiges und sparsames Volk, die Wohlhabenden unter ihnen unterstützen ihre ärmeren Brüder in gewöhnlichen Fällen reichlich, so daß verlassene jüdische Waisen, Straßenkinder u. s. w. in Europa unbekannt sind. In diesem Momente jedoch erhebt ein großer Theil der jüdischen Nation in Europa einen Schrei der Verzweiflung. Alle erdenklichen Qualen, Raub, Mord, und Schande sind an Juden — Männern, Frauen, Kindern — von Bekennern des Christenthums verübt worden. In ihrer großen Roth haben sich die Juden an die Christen Großbritanniens um Hilfe gewendet. Die englische Nation hat auf diesen Angstschrei mit einem im ganzen Lande erhobenen indignirten Protest geantwortet. Nicht in einem schwachen, zitternden Ton ist das Unrecht verurtheilt und der Sympathie mit den Leidenden Ausdruck gegeben worden; aber der bloße Ausdruck, so heftig er auch sein mag, genügt jetzt nicht mehr. Die hiesigen Juden haben reichlich gespendet, um eine momentane Abhilfe zu schassen. Soll aber ausreichende Hilfe geschaffen werden, so müssen diese fürstlichen Gaben doch noch durch Beiträge von Christen vermehrt werden. Nach einer kürzlich abgehaltenen mäßigen Schätzung bedurfte man zur Ernährung, Bekleidung und zur Unterstützung der Zurückgebliebenen der 100,000 Familien, die Alles verloren haben und obdachlos

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