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Der Israelit · 1882-07-19 · Heft 29 (19.7.1882) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 29 (19.7.1882)
Date
1882-07-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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731 die sich am Peter- und Pauls-Tage ereigneten. Um 9 Uhr Abends zog eine Zigeunerbande, welche die Hepp Hepp-Melodie spielte, durch die Gassen. An der Spitze derselben stand ein königlicher Beamter, der sich nicht entblödete, die Menge aufzufordern judenfeindliche Lieder zu singen. Bald gesellten sich auch Bauernbursche und Handwerksgesellen zu der Rotte, welche bis auf den Marktplatz unter wildem Gejohle und fortwährendem „Hepp-Hepp" sich begab. Ein jüdischer Beamter, Namens Deutsch, machte jenen Beamten auf das Unstatthafte eines solchen Vorgehens seitens eines Staatsbeamten aufmerksam, worauf es zwischen Beiden zu Thätlichkeit gekommen wäre, wenn nicht einige Anwesende sich ins Mittel gelegt hätten. Als aber dann Prügeleien entstanden, reguirirte Stuhlrichter Adamovics in aller Eile Panduren, deren energisches Einschreiten die Ruhe vorläufig herstellte. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Zwei Stunden später erneuerten sich die Unruhen, und wurde dem vor seiner Wohnung stehenden Tempeldiener Weiß der Fuß angeschossen, so daß er seitdem das Bett hüten muß. Nach dem bekannten russischen Muster kamen auch aus einem [benachbarten Dorfe bewaffnete Bauern und Weiber [mit großen Linnentüchern, um darin die erhoffte [Beute ffortzuschleppen. Einige Israeliten richteten rngs darauf ein Telegramm an den Minister-Präsi- Ibenten Tisza, in welchem die Vorfälle geschildert [wurden und Abhilfe gegen die Erneuerung der Unruhen verlangt wird. Der besonnene Theil der wrtigen christlichen Bevölkerung, heißt es in einem ler uns vorliegenden Berichte, nimmt an diesen unliebsamen Vorfällen keinen Antheil und perhorrescirt dieselben. Donaufürstenthümer. Jassy, 6. Juli. In Tirgul-Frumos sind Vertangene Nacht 100 Häuser abgebrannt; 1000 Einwohner, meist Juden, sind völlig obdachlos. Die jiesige Feuerwehr ist heute dahin abgegangen. Feuilleton Löb Munitz. kulturhistorisches Zeitbild aus dem erstenDrittel des 18. Jahrhunderts. Von S. Kohn. (Verfasser von „Gabriel".) (Fortsetzung.) „Ihr könnt es glauben, Primator!" beharrte ftr Frankfurter Rabbiner, „sein Sohn lebt hier, nur hat sich Munitz ihm nie als Vater genähert; und jener kennt auch seine Anverwandten nicht .... es ist gar Vieles dunkel und räthselhast bei Reb Löb Munitz, fast könnte man glauben, daß seine lange, schwere Kerkerhaft, die er selbstverständlich unverdient erlitten, und schweres Leid, das ihn wäh-. rend dieser traf, ihn menschenscheu gemacht . . . . Sein Schwager Efrajim Kannstadt in Frankfurt hat mich dringend gebeten, Alles aufzubieten, den herrlichen Mann aus seiner Abgeschiedenheit zu reißen, ihn wieder zum Verkehr mit seinen Glaubensgenossen zu bewegen." „Eigenthümlkch!" meinte Oppenheim, nachdenklich das Haupt schüttelnd." Wenn es in meiner Macht steht, Euch bei diesem Euren gottgefälligen Bemühungen zu unterstützen, könnt Ihr auf mich rechnen." „Wann und wo wurde der angebliche Sohn des Reb Löb Munitz geboren?" frug der Primator. „Hier in Prag," erwiderte Cohen, „es mögen jetzt schon fünfundzwanzig Jahre sein. Als Munitz- Prager in den Kerker geworfen wurde, floh seine Frau unter fremdem Namen hierher zu Reb Henoch Straßburg, dessen Gattin aus Frankfurt und ihre Cousine war. Hier gab sie einige Tage nach ihrer Ankunft einem Knaben das Leben; Reb Henoch nannte das Kind, weil seine Geburt der Mutter das Leben gekostet und sein Vater sich im Kerker, im tiefsten Drangsal befand, Benjamin." „Dessen kann ich mich noch deutlich erinnern," sprach Oppenheim. -„Diese Begebenheit fällt in das erste Jahr meiner Anwesenheit in Prag. Ich war der Szandek dieses Knaben . . . ." „Wenn sich die Sache so verhält, dann kenn' ich Munitz's Sohn, dann ist es Benjamin Deutschländer!" rief der Primator. „Auch da zeigt sich, wie wunderbar der allmächtige Gott Verhältnisse und Menschen zusammenfügt und zusammenbringt! Es ist bekannt, daß Munitz an demselben Tage, an dem er nach langjähriger Abwesenheit in seine Vaterstadt zurückgekehrt, Benjamin Deutfchländer mit Gefahr seines eigenen Lebens vor entsetzlichem Tode rettete." „Ich habe Vieles und Vielerlei in den 65 Jahren meines Lebens erlebt und erfahren," sprach Oppenheim, „und so darf es mich selbst nicht wundern, wenn Manches, so gar Wichtiges, in meinem von Sorgen und Studien angestrengtem Geiste in dev Erinnerung verblaßt ist; aber wenn ich darauf zurückgeführt werde, dann tritt mir's wieder deutlich vor die Seele! Ich habe gleich, als ich den Namen Reb Löb Prager hörte, dessen Träger als einen vortrefflichen bezeichnet, doch schwebte mir die Er-

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