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Der Israelit · 1882-07-19 · Heft 29 (19.7.1882) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 29 (19.7.1882)
Date
1882-07-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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730 um auch dort als Jehudi leben zu können. Die Sehnsucht der Russen nach Palästina kommt daher, daß sie keinen Begriff von den sie dort erwartenden Schwierigkeiten haben, umsomehr werden sie enttäuscht werden, wenn sie erst dort sind und jahrelang arbeiten sollen, ohne den geringsten Erfolg ihrer Arbeit zu ersehen, sie dürsten wohl kaum die Ausdauer und die Mittel haben, so lange Zeit auszuharren, als die Württemberger und Franzosen bedurften. um ihre Ansiedlungen in Flor zu bringen. Auch in Amerika liegt das Geld nicht auf der Straße, es wird ihnen dort schwer fallen, sich einzugewöhnen, allein sie haben die Chancen, daß sie vielleicht erst nach manchen Mißgriffen doch zuletzt eine Beschäftigung finden, die sie nicht allein nährt, sondern auch vorwärts bringt, welche Chancen sie in Palästina nicht haben, wenn die Ansiedlung fehlschlägt. Der Broderwerb soll und darf allerdings nicht der ausschließliche Zweck des Menschen sein, er ist aber die Grundlage, die vor Allem gewonnen werden muß. Die Comitü's müssen sich fragen, sind Ansied' lungen in Palästina rentabel, so daß nach einem Jahre die Einwanderer von denselben leben können, die Antwort darauf kann nicht zweifelhaft sein, sie lautet: nein. Es Ist daher ganz gerechtfertigt, daß die Comittz's keine Flüchtlinge nach Palästina befördern, wo sie, wenn man ihnen eine kleine Geldsumme in die Hand gibt, und betrüge solche auch das dreifache der Summe, welche man ihnen in Amerika gibt, dem Mangel und dem Verderben ausgesetzt sind. Die Emigration nach Palästina könnte nur von einem Verein in die Hand genommen werden, der solche Geldsummen besitzt, daß er die Emigranten mindestens mehrere Jahre erhalten könnte und der außerdem solche Verbindungen in Palästina besitzt, daß dort für eine sachkundige und tüchtige Leitung der Ansiedlung gesorgt würde. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Aus Thüringen. Es ist in dieser Zeit des 3-i für jedes jüdische Herz befriedigend und erhebend, in Ihrem viel gelesenen Blatte Berichte aus allen Theilen unseres Vaterlandes, die von dem Streben das Elend unserer bedrängten, russischen Brüder zu lindern, erzählen, daß ich glaube, durch eine kurze Notiz über das was in Gotha für unglückliche Menschen gewirkt wird, einiges Interesse zu erwecken. Das Resultat einer von dem trefflichen Vorstand der jüd. Gemeinde, Hrn. Goldschmidt, anberaumten Sitzung und folgenden von ihm selbst p. bewirkten Collecte war ca. 1500 Mark. Im „Goth. Tageblatt" erschien ein von einem protestantischen Geistlichen an alle Christen des Landes gerichteter Aufruf, der in classisch schöner Sprache das unverschuldete Unglück jener Tausende von der Heimath Vertriebenen schildert und jedem Christen zur Pflicht macht, seinen von Christen verfolgten Brüdern hilfreich beizustehen. Vor Kurzem erließ das in genannter Stadt zusammengetretene Comits einen Aufruf, als dessen Erfolg schon mehrere Quittungen in den Goth. Blättern veröffentlicht wurden. Man begegnet in denselben Namen von gutem Klang u A. dem des berühmten Oberhofpredigers Dr. Schwarz mit 30 Mark. Dem Comitö gehören die Herren Stadt-Schuldirektor Dr. Zschäck, Stadt-Pfarrer Dreyer, Bank-Direktor Döbel, Lehrer am Gymnasium, Aerzte und einige Herren als Deputirte der Freimaurerloge an. Eine von Dilettanten Gotha's zu Gunsten russischer, jüd. Flüchtlinge veranstaltete Vorstellung der „Deborah" von Mosenthal im Sommer-Theater war sehr gut besucht, deren voller Ertrag dem Comittz überwiesen wurde. Die jüd. Gemeinden in Eisenach, Coburg, Erfurt, auch wie man neuerdings vernimmt, Suhl blieben in ihrem Wohlthätigkeitssinn hinter anderen Gemeinden nicht zurück. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien, 3. Juli. Gestern Abend um 9 Uhr wurde in Folge Aufforderung der Branntweinschänkerin Rosalia Berger in der Erdbergerstraße der Privatschreiber Friedrich Neußer aus Neutitschm wegen aufreizender Reden gegen die Juden arretirt. Es wurde erhoben, daß Neußer kurz vorher den Gästen der erwähnten Branntweinschänke eine anti-I semitische Flugschrift, betitelt: „Ein Brief der Christensklaven an die Herren Juden um Christen-Emancipation," vorgelesen hat. Neußer hatte die angeblich in Wien gedruckte Flugschrift dem Schmiedgehilfen Christian Kram, welcher in der Nordbahn-Maschinenfabrik in Florisdorf beschäftigt ist, Übergeben. Bei einer in der Wohnung des Letzteren, Schüttelstraße 37, vorgenommenen Revision wurde das Exemplar auch vorgefunden und saisirt. Gegen Beide wurde nach §. 302 St.-G. die Strafamtshandlung eingeleitet.! Budapest. Aus der Stadt Szenitz in Ober-I Ungarn kommen uns Briefe zweier dortigen Eir-I wohner vom 30. Juni zu, welche die dort am 29.1 Juni l. I. ftattgehabten Judenhetzen ausführlich! schildern. Schon Tags vorher wurden einem schwer-! kranken jüdischen Bürger die Fenster eingeschlager I Dies war jedoch nur das Vorspiel zu den Krawaller,!

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