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Der Israelit · 1882-07-19 · Heft 29 (19.7.1882) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 29 (19.7.1882)
Date
1882-07-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
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728 großer Aufregung verbracht. Wiewohl todtmüde, hatte er es doch nicht wagen gedurft, sich dem Schlafe hinzugeben. Der gefesselte Mörder machte fortwährend die verzweifeltsten Anstrengungen, sich von seinen Banden zu befreien und erforderte deßhalb Eduards ganze Aufmerksamkeit. Sehnsüchtig harrte er seinen Befreiern entgegen. Da, gegen Abend, wurden Schritte laut. Eduards Herz klopfte höher; aber wie erschrak er, als eine rauhe Stimme rief: „Wilkens, alter Trunkenbold, mach auf, es sind Freunde da!" Der gefesselte Mörder fuhr in wahnsinniger Freude empor. Eduard warf sich auf ihn und drückte ihn wieder zu Boden. Dann zog er sein Messer und sprach: „Ein Laut, verruchter Schurke, und dieses Messer durchschneidet Deine Kehle." Draußen wurde heftig gegen die Thüre geklopft. „Mach auf," schrie die rauhe Stimme wieder, „oder wir erbrechen die Thüre. Der alte Trunkenbold hat gewiß frischen Vorrath von Branntewein erhalten und liegt nun im todtesähnlichen Schlafe!" In welcher entsetzlichen Situation befand sich. Eduard Garnham! Sowie die Räuber eindrangen, war er verloren. Schon machten sie Anstalt, die Thüre zu erbrechen. Wie lange konnte ihnen diese widerstehen? Da hörte man plötzlich wildes Geschrei. Schüsse fielen, schreckliche Schmerzensschreie ertönten. „Gott sei Dank," rief Eduard, „die Befreier sind da!" So war es. Jsak und seine Begleiter waren gekommen. Im Mondscheine sahen sie die Thüre der Schäferhütte von fünf schwarzen Gestalten belagert. „Schleichen wir leise hinan," sagte der Polizeilieutenat zu seinen Untergebenen. „Es ist der schwarze John mit seinen Leuten. Wir wollen sie lebendig fangen und die ausgesetzten Preise verdienen!" Das aber sollte nicht so leicht gelingen. Die Schatten der Polizisten fielen auf die vom Monde beleuchtete Schäferhütte. Die Räuber drehten sich um, erkannten die Sicherheitsbeamten und schossen ihre Revolver ab. Ein Polizist fiel tödtlich getroffen zu Boden. Jetzt schossen auch die Polizeibeamten. Aber die Räuber ergriffen die Flucht, sich nach verschiedenen Seiten zerstreuend. Nun begann eine wilde Jagd. Aber die der Wege und Schluchten besser kundigen Räuber erlangten bald bedeutenden Vorsprung, so daß ihre Verfolgung aufgegeben werden mußte. Jetzt klopfte Jsak an die Thüre und rief: „Oeffnet, Mr. Garnham, Eure Befreier sind da!" Eduard öffnete die Thüre und umarmte Jsak unter Freudenthränen. Zunächst trug man den verwundeten Polizisten in die Hütte. Es gelang, die Kugel aus der Wunde zu entfernen und einen Verband anzulegen. Man blieb die Nacht über in der Schäferhütte. Jetzt durfte Eduard Garnham sich den: lange entbehrten Schlafe hingeben Am andern Morgen setzte sich der Transport in Bewegung und man gelangte ohne weiteren Unfall nach Beechworth. Von hier aus wurde ein Bericht nach Sidney gesandt, woraufhin Eduard Garnham vom Gouverneur wegen seiner Flucht aus der Strafanstalt begnadigt wurde. In England erregten natürlich die hier erzählten Ereignisse das größte Aufsehen. Das Urtheil des Schwurgerichts, welches Eduard Garnham zur Deportation verdammt hatte, wurde aufgehoben. Eine neue Untersuchung wegen des an Adam Smith verübten Mordes wurde eingeleitet. Das Ergebniß war, daß John Wilkens des Mordes schuldig befunden und zum Tode verurtheilt wurde. Das Todesurtheil konnte jedoch nicht vollstreckt werden. Der Mörder des alten Adam Smith starb im Gefängnisse Eduard Garnham wurde von aller schuld freigesprochen. Er wurde in alle seine Rechte wieder eingesetzt und trat das reiche Erbe an, welches ihm sein ermordeter Oheim hinterlassen hatte. Die furchtbaren Leiden, die er erduldet, hatten jedoch seinen Lebensmuth gebrochen. Jsak Maibaum, der mit ihm nach London zurückgekehrt war, pflegte ihn mit der größten Sorgfalt. Nicht lange überlebte der an Geist und Körper gebrochene junge Mann die Wiedererlangung seiner Ehre und seiner Reichthümer. Als er starb, fand sich ein Testament vor, durch welches er Jsak Maibaum zu seinem Universalerben eingesetzt hatte; auch waren im Testamente die Polizisten von Bleechworth reich bedacht; ein größeres Legat war für den bei seiner Befreiung verwundeten, später wieder genesenen Polizeisoldaten ausgesetzt. Jetzt ist Mr. Maibaum — der wahre Name ist natürlich nicht von uns genannt — einer der angesehensten Kaufleute der Londoner City; sein Wohnhaus in Bayswater ist eins der schönsten in diesem prachtvollen Stadttheile. Bei der jüngsten Subscription für unsere verfolgten russischen Glaubensgenossen war der Held unserer Erzählung in einer hervorragenden Weise betheiligt. Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des „Israelit" große Bleiche 45. I. Gottsleben's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).

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