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Der Israelit · 1882-07-19 · Heft 29 (19.7.1882) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 29 (19.7.1882)
Date
1882-07-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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727 Feuilleton. I Zn Australien. I v I Mit Tagesanbruch verließ Jsak die Schäfer- IHütte, in der er so Wunderbares erlebt hatte. Das k Gewitter d<r vergangenen Nacht hatte Spuren großer »Verwüstungen zurückgelassen. Mächtige Steine und gebrochene Baumstämme lagen mitten in den Flußbetten, in die sie von gewaltigen Wasserströmen fortgerissen worden waren. Allem in diesem merkwürdigen Lande verschwinden die Fluthen ebenso schnell wieder, wie sie zu kommen pflegen, und so stellten sich dem Wege des einsamen Wanderers nur geringe Schwierigkeiten entgegen. Jsak suchte die Stadt Beechworth zu erreichen, wo, wie er wußte, eine starke Polizeistation sich befand. Als Jsak in Beechworth ankam, erfuhr er, daß die ganze Polizei sich im chinesischen Theater befinde, >wo eben ein chinesisches Drama zur Aufführung ge- | langte. Um dorthin zu kommen, mußte er notgedrungen drei Schillinge*) Eintrittsgeld bezahlen und der Aufführung zuschauen, da sich vor dem Schluffe des Stückes die Polizeibeamten nicht stören ließen. Das Drama handelte von einem Mädchen, das von einem alten Liebhaber belästigt wird. Da sie sich vor ihrem Verfolger nicht schützen kann, beschließt sie, sich zu erhängen, und sucht zu diesem Ende, auf einer hohen Leiter stehend, ihre Schürze an einen Haken der Zimmerdecke zu befestigen. Der Schauspieler, der die Rolle des Mädchens gab, entwickelte dabei bedeutende gymnastische Fertigkeit. Er beschrieb nämlich, während er die Schärpe zu befestigen versuchte, mit seinem Körper rückwärts einen förmlichen Halbkreis und stürzte dann sein Gleichgewicht verlierend, von der Höhe der Leiter herunter, natürlich ohne Schaden zu nehmen. Das Kunststück wurde noch zwei- oder dreimal wiederholt unter dem lebhaftesten Beifalle der Zuschauer, die dabei mächtige Rauchwolken aus ihren Pfeifen und unnatürliche Laute aus ihren Kehlen stießen. Es erfolgte dann ein Kampf zwischen zwei Kriegern, von denen der eine mit einer langen Lanze, der andere mit Schwert und Schild bewaffnet war; daß die Waffen von Metall waren, bewies ihr scharfes Klirren. Der Mann mit der Lanze drang wüthend auf seinen Gegner ein; dieser aber warf sich, als sein Feind zum Stoße ausholte, mit Blitzesschnelle in einen Knäuel, auf den Boden, bedeckt von seinem Schilde, und ließ die Lanze an diesem abprallen. Dann sprang er rasch auf und führte einen gewaltigen *) Ein Schilling gleich einer Mark. Schwertstreich gegen den Lanzenman, welcher den Hieb wunderschön parirte. — Im Hintergründe der Bühne saß die sechs Mann starke Musikbande und kratzte auf unbeschreiblichen Instrumenten katzenmusikartige Weisen herunter. Wenn sich eine Hauptperson umzukleiden hatte, traten zwei Diener mit einem Vorhänge mitten auf die Bühne und hielten das Tuch ausgespannt vor sich hin, hinter welchem sich der Schauspieler sofort und zwar überraschend schnell umkleidete. Die Zuschauer folgten Allem, was vorging, mit der ungetheiltesten Aufmerksamkeit und waren stets bereit, Beifall zu klatschen. Jsak jedoch erwartete mit brennender Ungeduld das Ende des Stückes. Endlich, endlich fiel der Vorhang, und Jsak konnte sich jetzt des obersten Polizeibeamten bemächtigen und ihm in fliegender Me die Ereignisse der vorhergehenden Nacht berichten. „Sir," so schloß er seine Erzählung, „Mr. Garn- Ham, dessen Unschuld erweisen zu helfen Ihr mitberufen seid, wird, wenn er in seinem Rechte wieder hergestellt ist, einer der reichsten Männer der vereinigien drei Königreiche werden und Euch fürstlich zu belohnen im Stande sein." Diese letzten Worten wirkten wie eine Zauberformel. „Ich gehe sogleich mit Euch," sagte der Beamte. „Wie viel Leute, meint Ihr, daß uns begleiten müssen?" „„Mindestens zwanzig,"" antwortete Jsak. „„Der schwarze John und seine Baude Hausen in der Gegend. Die könnten leicht ihrem verbrecherischen Spießgesellen, dem Schäfer John Wilkens, zu Hilfe kommen. Auch ein Gespann müssen wir mitnehmen, um den gefesselten Mörder zu transportiren."" „Gut; so werde ich Alles besorgen, und morgen in aller Frühe wollen wir aufbrechen." „„Nicht doch, Sir, wir müssen sogleich aufbrechen; es ist die größte Gefahr im Verzüge. John Wilkens erwartet, wie er uns selbst erzählt hat, die Räuber noch heute Abend. Wenn die früher kommen als wir, so ist Alles verloren."" „Aber die Nacht wird uns überraschen und die Wege sind durch das gestrige Wetter verdorben." „„Die Wege sind bereits wieder passirbar. Der Mond geht früh auf, und ich kenne Weg und Steg genau und werde Euch sicher führen."" In fieberhafter Eile wurde die Expedition vorbereitet. Da nur zehn Polizisten disponibel waren, so wurden noch fünf starke Bewohner von Beechworth, drei eingeborene Ausftralier und zwei Chinesen engagirt. Alle wurden stark bewaffnet. Außerdem! wurde ein leichter Wagen mit zwei flinken Ponnies bespannt, mitgenommen. Jsak führte den Zug. i Unterdeß hatte Eduard Garnham den Tag in

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