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Der Israelit · 1882-07-19 · Heft 29 (19.7.1882) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 29 (19.7.1882)
Date
1882-07-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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726 durch Bedrohung genöthigt waren, aus Rußland nach Oesterreich immigrirten. Man hofft mit genauer Befolgung dieser Direktiven und unter Zuziehung der vorhandenen und noch in Aussicht stehenden Beihilfen die Action im Wensetlichen noch vor Eintritt der kalten Jahreszeit beendigen zu können. Die Anzahl der bisher zum größten Theile durch das Mansion-House-ComitL in London, zu einem geringeren Theile mit Hilfe anderer Comittzs und durch Privatwohlthätigkeit nach Amerika beförderten russischen Früchtlinge wird auf ungefähr 10,000 Köpfe geschätzt. Pefth, 8. Juli. Ans Papa wird vom 7. d. gemeldet: Vicegespan Vaghelyi wurde in der Nacht vom 6. auf den 7. d. mit Steinen beworfen, als er sich zur Annencapelle begab, um zu sehen, ob dort wieder eine Zusammenrottung stattfinde. Gestern sind zwei Rädelsführer verhaftet worden, nachdem in der vorhergegangenen Nacht abermals, trotz starker Patrouillen, in mehreren Häusern die Fenster eingeschlagen wurden. Die Aufregung ist noch immer sehr groß, man hofft jedoch, daß die Regierung Militär nach der Stadt beordern werde. Was die Nachricht anbelangt, daß die Papaer israelitischen Fabrikanten in Folge der Unruhen ihre christlichen Arbeiter entließen, so ist dieselbe dahin zu reduciren, daß Herr Doch, der durch das Bombardement einen großen Schaden erlitt, am 2. d. sämmtliche Arbeiter, ohne Unterschied der Confession, 60 an der Zahl, an den Bürgermeister wies, damit jener ihnen Arbeit gebe; doch nahm Herr Toch noch an demselben Tage alle seine Arbeiter wieder auf. In einem an den Pesti Naplo gerichteten Briefe erzählt Herr Toch selber den Hergang der Kündigung. Erst als ihm der Bürgermeister eine specielle Patrouille vor seiner Fabrik zusagte, entschloß er sich, die 60 Arbeiter, wovon die Hälfte Juden und Familienväter sind, wieder aufzunehmen. Vicegespan Vaghelyi, ein sehr energischer Mann, hat nunmehr umfassende Vorkehrungen getroffen. Steirramanger (Ungarn), 11. Juli. Zu Ehren des neuernannten Obergespans für das Eisenburger Comitat, Koloman v. Rado, fand gestern ein solenner Fackelzug statt. Während desselben wurden von den Arbeitern einer Maschinenfabrik sämmtliche Laternen sowie fast alle Fenster des neuen israelitischen Tempels zertrümmert und außerdem Drohungen ausgestoßen, daß es bei diesem Zerstörungswerke nicht sein Bewenden haben werde. Die Ursache dieser Feindseligkeit wird darin gesucht, daß Herr v. Rado den Vertretern der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde, welche ihm Tags vorher ihre Ovation darbrachten, erklärte, er werde jede antisemitische Bewegung erforderlichenfalls im Keim ersticken. Einen Tag nach dem Excesse ließ Herr v. Rado in der That den Stadthauptmann und Bürgermeister rufen und forderte sie auf, die strengsten Maßregeln zur Vermeidung ähnlicher Excesse zu ergreifen. Die Rädelsführer des Exzesses wurden ververhaftet. — Heute Abends erhielten wir folgendes Telegramm aus Steinamanger: Soeben erhielt der hiesige Stadthauptmann von zuverlässiger Seite ein Schreiben, worin ihm angezeigt wird, daß eine große Anzahl Arbeiter Vorkehrungen treffen, um sämmtliche hiesige Junden heute Nachts zu plündern, weil einige Maschinen-Arbeiter wegen judenfeindlicher Agitationen inhaftirt wurden Da hier gar kein Militär ist, so herrscht unter den Juden eine große Panique. Rußland. Petersburg, 11. Juli. Nach dem Organe des russischen Judenthum, Woschod, hätte Minister Tolstoi beim Empfange der jüdischen Deputation Herrn Poljakow, dem Führer derselben, gesagt: „Mit inniger Betrübniß habe ich die empörenden, an den Juden in der letzten Zeit verübten Gewalttaten vernommen: ich werde Alles daran setzen, dieser Schändlichkeit ein Ende zu bereiten, wie Sie bald sehen werden; denn in meinen Augen bestehr kein Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden. Als Unterrichtsminister unterschied ich unter den Schülern nur die fleißigen und fähigen von den faulen und unfähigen, ohne die Religion und Nationalität im geringsten zu beachten." Petersburg. „Wie verlautet, soll die Zahl der jüdischen Militärärzte auf 5 pEt. des ärztlichen Gesammtbestandes in den Truppenteilen beschränkt werden. Im Kiewschen Militärbezirk, wo die Zahl der jüdischen Aerzte dieses Prozentverhältniß weit übersteigt, beabsichtigt man diese Norm von 5 pEt. durch Üeberführung der überzähligen jüdischen Aerzte in andere Militärbezirke allmählich herzustellen. Auch in der militärmedizinischen Akademie soll die Aufnahme von jüdischen Studenten in diesem Verhältnisse beschränkt werden. Türkei. Man meldet aus Konftantinopel: Das hiesige israelitische Comitö hat in der vergangenen Woche eine größere Amahl russischer Juden nach Salonichi, Smyrna, Brussa und Rodosto transportiren lassen. Die türkischen Behörden der genannten Städte nahmen die Flüchtlinge in humaner Weise auf und sorgten für deren Jnstallirung. Der Vali von Brussa, Achmed Vefik Pascha, betheiligte sich persönlich an der Unterbringung der jüdischen Handwerker, ließ sie mit Werkzeugen versehen und verschaffte ihnen Arbeit für mehrere Monate.

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