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Der Israelit · 1882-07-19 · Heft 29 (19.7.1882) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 29 (19.7.1882)
Date
1882-07-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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725 jüdischer Lehrer, gegründet hat, an dem sie auch partizipiren. Ich lebe von der, gnädigst von k. Regierung mir gewährten Pension und von dem, was mir meine guten Kinder geben. Dennoch möchte ich dem Stande dadurch ein schwaches Zeichen meiner Liebe zu Theil werden lassen, daß ich Dir per Posteinzahlung 50 Mark für genanntes Stift mit der Bitte übersende, sie dem Vorstand oder Kassier, deren Namen und Aufenthalt mir unbekannt sind, zu übermitteln." — An Stelle des Schlusses des mir vorliegenden lieben Brieses nehme der Spender der ansehnlichen Gabe für bay. Lehrerwaisen namens des bay. Lehrervereins herzlichste Beglückwünschung zu feinem seltenen Familienfeste mit dem Wunsche entgegen, daß ihm ein noch ein langer, schöner, Lebensabend beschieden sein möge! Pf. Hannover, 8. Juli. Herr Landrabbiner Dr. Meyer ist nach langen und schweren Leiden von dem Schauplatze seiner irdischen Thätigkeit abberufen worden. Als junger Mann wurde er, nach dem Weggang Dr. Adlers nach London, vor nunmehr 36 Jahren zum Rabbiner erwählt. Sein religiöser Standpunkt war ein ganz eigentümlicher; er suchte mit allen Richtungen den Frieden aufrecht zu erhalten und ihnen Rechnung zu tragen. Charakteristisch ist das nachstehende Factum. Als in Hannover die neue Synagoge erbaut wurde, gestattete Dr.M., daß am Sabbat daran gcarbeiRt wurde, als sie aber fertig war, mußte mit der Benutzung noch 126 Tage gewartet werden, entsprechend den Sabbaten und Festtagen während der Bauzeit!! — Herr Dr. M. war ein Gegner der sogenannten reformatorischen Richtung, vermochte sich jedoch nicht zu einer consequenten Befolgung echt conservativer Grundsätze emporzuschwingen. Nicht der Friede mit den Feinden des Judenthums, sondern der Friede mit dem Herrn des Weltalls o'Eeotp orvaNi '«iv pa oi?» ist der eche, wahrhafte Friede. Möge der Entschlafene im Jenseits den Frieden finden, den er hienieden vergeblich gesucht hat. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Brody, 5. Juli. Der letzte Ausweis der Brodyer Filialen ergab einen Stand von 10,796 nachdem noch wenige Tage vorher der Stand 11,132 Köpfe betragen hatte, so daß inzwischen also 336 Personen repatriirt worden waren. In diesem früheren Stande von 11,132 Köpfen waren verzeichnet: 2994 Männer, 2375 Weiber, 2938 Kinder, über zehn Jahren und 2825 Kinder unter zehn Jahren. Da aus England und Amerika ungünstige Nachrichten bezüglich der Erschöpfung der Hilfsgelder einliefen, erlitt die Emigration aus Galizien eine Stockung und man beschäftigte sich um so eifriger mit der Repatriirung solcher Personen, welche notorisch nicht vertrieben worden warm. Diese Rücksendungen finden aber namentlich bei Frauen und Mädchen nicht geringen Widerstand. Der Bedarf für die Verpflegung beträgt dermalen wöchentlich 9633 fl., wozu HerrVen^iani, Bevollmächtigter eines Pariser Bankiers, einen 20percentigen Beitrag mit 1826 fl. wöchentlich leistete. In einem Rundschreiben Veneziani's an die sämmtlichen europäischen HilfscomiW wird eine gemeinsame Zusammentretung von Delegirten aller HilfscomiW in Brody zu dem Behufe empfohlen, uni unter den dort anwesenden Flüchtlingen die bestimmte Auswahl der zu Repatriirenden, sowie der zu Emigrirenden zu treffen, wonach die Ausführung dem in Brody bestehenden Local- Comittz, einer Filiale der Wiener Allianz, überlaffen werden soll. Gleichzeitig circulirt hier auch ein Memorandum der Wiener Israelitischen Allianz, welches', die Resutate der von ihren Delegirten gewonnenen Erfahrungen zusammenfasiend, darin gipfelt, daß drei Ziele im Auge behalten werden müssen, und zwar: 1. den Zuzug aus Rußland nach Oesterreich zum hemmen; 2. Brody ehemöglichst zu evacuiren, und 3. zu verhindern, daß das Proletariat der russischen Emigranten sich auf österreichisch-ungarischem Boden festsetze. Mit Rücksicht auf die allzu strenge Auswahl, welche seither unter den zu emigrirenden Flüchtlingen von Seite Englands und Amerikas getroffen worden war, erklärt die Wiener Allianz von ihrem Standpunkte mit Bestimmtheit, daß sie die Zumuthung, den Bodensatz der russisch-jüdischen Flüchtlinge in Oesterreich zu behalten oder dieselben in unsagbares Elend nach Rußland zurückzujagen, von wo dieselben grausam vertrieben wurden, nachdrücklich entschieden zurückweist. Hierauf formulirt das Circulär eine Reihe von Punkten, welche der Beachtung und Vereinbarung bei einer eventuellen Delegirten-Confernz empfohlen werden und aus welchen wir die wesentlichsten in Folgendem herausheben: Es soll sich die Hilfsaction in Betreff der Emigrativn nur auf Solche beschränken, welche in Folge der Gräuel den russischen Boden verlaffen haben. Es sollen Familienglieder in der Regel nicht getrennt und für die leistungsunfähigen Mitglieder dem amerikanischen Comittz separate Unterstützungssummen bezahlt werden. Es soll die Ziffer der zu befördernden Auswanderer soweit gesteigert werden, um vor Eintritt des Herbstes die Hilfsaction zu beendigen; desgleichen soll auch bis zu dieser Zeit für denverbleibenden Rest der Flüchtlinge die sich als unabweisbar darstellende Repatriirung durchgeführt werden, und zwar sollen in dieselben namentlich jene Personen einbezogen werden, welche, ohne daß sie von Gräueln betroffen oder

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