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Der Israelit · 1882-07-19 · Heft 29 (19.7.1882) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 29 (19.7.1882)
Date
1882-07-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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723 Gestern kamen wiederum fünfundfünfzig Personen hier an, während die bereits früher Angekommenen weder Wohnung noch das nöthige Brod haben. Was sollen wir thun? Unser Comittz hat von keiner Seite Unterstützung bekommen, außer der kleinen Summe, die Sie uns angewiesen haben. Diese Unglücklichen scheinen von ihren Mitbrüdern vergessen worden zu sein. Haben Sie doch die Güte, uns telegraphisch eine größere Summe anzuweisen. Die precäre Lage gestattet keinen Aufschub. Es ist schrecklich, das Elend und die Verzweiflung dieser Unglücklichen ansehen zu müssen, obne ihnen helfen zu können. Genehmigen Sie, Herr Rabbiner, den Ausdruck der vorzüglichsten Hochachtung Ihres ganz ergebenen Dieners H. Amzalak. In gleicher Angelegenheit erhalten wir ein hebräisches Schreiben, welches wir ebenfalls in deutscher Sprache folgen lassen: Sr. Ehrwürden, Herrn Rabbiner Dr. Lehmann in Mainz. Jaffa, den 12. Tamus 5642. Das Unterzeichnete ComiW hat von Herrn H. Amzalak die 500 Frcs. erhalten, die Sie geehrter Herr, demselben für die hier weilenden, russischen Emigranten übersandt haben. Im Namen aller jenen armen Unglücklichen sagen wir dafür Ihnen und den edlern Spendern, die Sie dazu in Stand gesetzt haben, den herzlichsten Dank. Allein, wir dürfen Ihnen nicht verschweigen, daß die übersandte Summe kaum für wenige Tage ausreicht. Die Unglücklichen sind ohne Brod und ohne Wohnung der glühenden Sonnenhitze ausgesetzt. Daher wiederholen wir unsere Bitte um Unterstützung. Rufen Sie doch die Edlen unseres Volkes auf, damit jene Bedauernswerthen nicht vor unfern Augen in Hunger und Krankheit dahinsterben. Und noch Schlimmeres droht ihnen: Es ist die Mission, welche sich der Verzweifelnden und Verhungernden zu bemächtigen sucht. Im Aufträge des Comitüs: Der Vorsitzende: S. D. Levantin. Wir haben sofort von den bei uns eingegangenen Unterstützungsgeldern 1000 Frcs. Herrn H. Amzalak telegraphisch anweisen lassen. Zugleich erlauben wir uns die großen Unterftützungscomitös in London, Paris, Berlin, Frankfurt a. M. re. auf diese traurigem Zustände aufmerksam zu machen. Wenn es auch wahr ist, daß jene Emigranten sich gegen den Willen der Hauptunterstützungs-ComitHs nach Syrien begeben haben, so ist doch das kein Grund, die unglücklichen Auswanderer, die namentlich aus dem Süden Rußlands, wo die schrecklichsten Verfolgungen stattgefunden haben, gekommen sind, verhungern zu lassen. Die Hauptfrage ist die, wie ist diesen Unglücklichen die Möglichkeit zu verschaffen sich für die Zukunft selbst zu ernähren! — Wir vermissen in den beiden uns zugekommenen Briefen die Angabe, wie groß die Zahl der hilflosen russichen Emigranten ist, die sich gegenwärtig in Jaffa aufhalten. Mainz, 17. Juli. Das „Franks. Journ." schreibt: „Die Tisza-Eszlarer Geschichte entpuppt sich als eine nichtswürdige Nachahmnng jener Lustmorde, die leider auch wir, im Westfälischen, nahe genug haben. Die Esther Solymossy ist von dem Schächter in den Tempel gelockt und dort vergewaltigt worden, wobei das noch unreife Mädchen solche Verletzungen davon trug, daß der brutale Mensch sich nur sicher zu stellen glaubte, wenn er das Mädchen gänzlich beseitigte." — Wie wir von gutunterrichteter Seite erfahren, beruht auch diese Nachricht auf Erfindung Ungarischer Zeitungen. Würzburg, 5. Juli. Gestern fand die Einweihung des isr. Friedhofes dahier durch die Beerdigung eines Kindes statt. Man hatte sich dazu eigener Umstände halber rasch entschlossen und eine besondere Feierlichkeit nicht veranstaltet. Vor der Bestattung der dahin verbrachten Leiche versammelten sich der Herr Rabbiner, die Cultusverwaltuug und eine Anzahl Glaubensgenossen in dem bereits fertigen sehr schönen Friedhofs-Gebäude. Es folgte dann die Recitation einiger Psalmen und eine kurze Ansprache Seitens des Rabbiners. In dieser wurde besonders hervorgehoben, daß auch die Bibel von Einweihungen spricht, die mit besonderer Feierlichkeit begangen wurden, und wenn nun auch die gegenwärtige keinem Tempel, keiner Wohn- oder Freudenstätte gelte, so gelte sie doch einem Orte des Friedens und der selbstlosen Liebesthätigkeit nc« vn non, und die ernsten Betrachtungen, die sich daran knüpfen, sind heilsamerer Natur, als ein Einweihungsmahl, daher nnttfD - rvu 5« coba buNn n»3 Tx 3iü; auch zeigte sie das Gelingen einesWerkes, das aus einem Bedürsniß hervorging und wofür wir zunächst Gott unfern Dank schulden. Außerdem seien auch die besonderen Fügungen, die bei jedem Unternehmen obwalten, zu beachten. Als eine solche müßten wir es betrachten, daß diese Einweihung nach nunmehr geradezu 300 Jahren stattfinde, seitdem eine für uns leidenvolle Zeit den jüdischen Friedhof Würzburg's geschlossen und einer andern Bestimmung zusührte, was wiederum zum Dank gegen Gott für die Veränderung der Zeiten, aber auch zum Dank gegen eine weise gerechte Regierung und gegen eine einsichtsvolle wohlwollende städtische Verwaltung ver-

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