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Der Israelit · 1882-07-19 · Heft 29 (19.7.1882) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 29 (19.7.1882)
Date
1882-07-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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722 die gesammte Menschheit. Wo noch findet die Barmherzigkeit, die Wohlthätigkeit eine ähnliche Stätte wie in den erbarmungsvollen Herzen eines Israeliten und einer Israelitin? Der Ueberrest Jakobs inmitten vieler Völker erwirbt sich überall, wohin auch immer wir zerstreut worden sind, die Krone der Vaterlandsliebe. In allen Monarchien sind die Juden die getreuesten Unterthanen ihres Fürsten, und in den Republiken sind sie die begeistertsten Bürger ihres Staatswesens. Unsere heilige Religion gebietet uns die reinste und edelste Menschenliebe, befiehlt uns die strengste Rechtlichkeit, hält uns fern von allen Ausschweifungen, gewöhnt uns an Mäßigkeit und Entsagung. Wo das Gottesgcsetz in seiner ganzen Herrlichkeit und Fülle waltet, da erzieht es edle, aufopfernde Menschen, die in die Nähe und in die Ferne Segen verbreiten. In den jüngstverflossenen Jahrzehnten haben sich viele unserer Brüder und Schwestern der Herrschaft des Gottesgesetzes entzogen. Schon fingen die Folgen an, sich in traurigster Weise bemerkbar zu machen, als das Toben der Feinde gewaltsam darauf hinwies, daß wir nur ein Ueberrest find inmitten vieler Völker und stets die Pflicht haben, die Berechtigung unserer Sonderexistenz durch unser tadelloses Leben, durch unser eifriges Bemühen für das Gute und Wahre zu bethätigen. Zwei Factoren waren es, welche uns in der langen Reihe der Jahrhunderte daran hinderten, das Ziel zu erreichen, welche die göttliche Vorsehung uns gesteckt hat: mwo -nuj/nen nD’j/a» iw», die Leidenschaft in der eigenen Brust und die Knechtung durch die Völker. Die Jahrhunderte lang andauernde Verfolgung und Ausschließung hat Israel nicht zu verderben vermocht, während andere Völker in Knechtschaft und Sclaverei geistig, sittlich und körperlich verkümmerten. Hören wir, um nur ein Beispiel anzuführen, was Hermann Vambery in seinem neuesten Buche „Sittenbilder aus dem Morgenlande," über die Christen und Juden im Orient sagt: „Wer die asiatischen Christen richtig charakterisiren will, muß alle Laster und Verkehrtheiten, alle Unduldsamkeiten und Vorurtheilen, die den Bekennern Mohameds verschiedenster Zunge und Farbe eigen sind, zusammenfassen, und nachdem er zu dieser respectablen Summe von Untugenden eine bedeutende Dosis von Sevilität und Verkommenheit, von Lug und Trug, aber auch von zäher Ausdauer und Sparsamkeitssinn hinzugefügt, wird er einen ziemlich treuen Typus der allerdings sehr bunten orientalisch-christlichen Bevölkerung gewonnen haben. Daß diese Züge eines solchen Bildes, ohne den beschönigenden Firniß religiöser Sentimentalität betrachtet, im Allgemeinen uns noch abstoßender und widerwärtiger erscheinen müssen, als das der Mohamedaner selbst, ist ganz natürlich. Es ist dies eine traurige, aber wahre Thatsache, nach deren Ursachen man gleichmäßig auf historischem, religiösem und ethnographischem Gebiete forschen müßte." Ueber die Juden im Orient schreibt Vambery: „Nichts ist befremdender, und fügen wir gleich hinzu, auch betrübender, als das traurige Loos der Juden in verschiedenen Ländern des moslimischen Asiens, ein Loos, das sich vielleicht zeitweiliger Linderungen, erfreute, im Ganzen aber stets weit drückender als das der Christen war. Und ist es nicht noch befremdender, daß zu diesem Haß und zu dieser schrecklichen Animosität die heutigen Juden Asiens wenig oder gar keinen Anlaß geben, denn nach den Hauptzügen ihres Charakters sind sie der christlichen Bevölkerung des Ostens in jeder Hinsicht vorzuziehen und wären einer besseren Behandlung würdig." Wie groß muß das Licht der Gotteslehre, muß die Kraft der Gottesgebote sein, daß der Ueberrest Jakobs den schrecklichen Druck, der fast seit Jahrtausenden währt, hat überwinden können! Seitdem der Druck und die Verfolgungen in den civilisirten Ländern Europas nachgelassen haben, ist es uns doppelt und dreifach heilige Pflicht, den t.kz-, den Trieb zum Bösen in uns kräftig zu bekämpfen und aller Welt zu zeigen, daß der Ueberrest Jakobs inmitten vieler Völker gleicht dem Thau vom Ewigen, dem Thau, der nur befruchtet und wohlthätig wirkt, der zum Lichte erweckt, der für die Unsterblichkeit vorbereitet. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 12. Juli. Wir erhalten von Jaffa den nachstehenden, in französischer Sprache abgefaßten Brief, den wir hier in deutscher Sprache wiedergeben: Jaffa, den 28. Juni 1882. Herrn Rabbiner Dr. Lehmann in Mainz! Ich habe Ihr Telegramm vom 21. d. M. empfangen und in Folge dessen einen Wechsel auf Sie im Betrage von 500 Frcs. an die Ordre der Herren Michael Katz L^Comp. abgegeben. Empfangen «sie für diese kleine Unterstützung, die uns jedoch sehr gelegen gekommen ist, im Namen des Comittzs den herzlichsten Dank. Ich muß Ihnen auseinandersetzen, daß unsere Lage den Emigranten gegenüber gar zu kritisch und ernst wird. Eine große Menge derselben strömt hierher. Sie befinden sich ohne Hilfsmittel, ohne Nahrung und ohne Wohnung.

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