Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1882)
- Date
- 1882-07-12
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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714 fmtbe und sichere Land sich in festen Händen befinde, während das Land, welches man erwerben könne, unfruchtbar, ungesund, wasserarm oder in solchen Gegenden sich befinde, deren Sicherheit eine sehr prekäre sei. Die Rede des Herrn Weiskopf fand vpn Seiten des Herrn Dr. Ehrmann volle Zustimmung, während Herr Dr. Lehmann auf das Entschiedenste widersprach. Derselbe schlug vor, Herrn Dr. Mann von hier, Inhaber der Mohrenapotheke einzuladen, in der Versammlung zu erscheinen; Herr Dr. Mann habe viele Jahre im Orient gelebt, kenne Land und Leute genau, sei erst kürzlich von dort zurückgekehrt, und sei als Nichtjude sicherlich ein ganz unparteiischer Beurtheiler. Darauf hin begaben sich Herr Provinzial- Rabbiner Dr. Cahn aus Fulda und Herr Weiskopf zu Herrn Dr. Mann, der denn auch alsbald erschien. Derselbe conftatirte, daß genug fruchtbares Land in gesunder und sicherer Gegend zu haben sei, machte aber andere gewichtige Bedenken geltend. Wie verlautet wolle die türkische Regierung eine Einwanderung und Ansiedlung der russischen Juden nur dann gestatten, wenn dieselben sich entschließen möchten, türkische Staatsangehörige zu werden. Dies habe aber ganz unerträgliche Folgen. Man sei den Chikanen der türkischen Behörden und namentlich der Steuerexecutoren unaufhörlich ausgesetzt und sei denselben hilflos preisgegeben. Wenn auch für einzelne Einwanderer es zu ermöglichen sei, daß dieselben ihr Heimathsrecht sich erhalten und unter dem Schutze des Consuls ihres Heimathstaates verbleiben, so sei es doch sehr die Frage, ob die hohe Pforte gestatten würde, daß sich in ihrem Lande eine ganze Ansiedlung unter fremder Oberherrschaft bilde. Wenn das auch in früheren Jahren vielfach geschehen sei, so haben sich doch die Berhältniffe in jüngster Zeit, namentlich in Folge des jüngsten orientalischen Krieges anders gestaltet und wache die Türkei in gegenwärtigem Momente ängstlich für ihre Hoheitsrechte. Die Versammlung beschloß, sich in Bezug auf alle die angeregten Fragen ans das Genaueste zu instruiren, das vorgesteckte Ziel sorgfältig im Auge zu behalten, aber erst dann der Realisirung näher zu treten, wenn sie die Ueberzeugung erlangt haben wird, daß die politischen, socialen und localen Verhältnisse eine Aussicht auf guten Erfolg nicht unmöglich machen. Hierauf constituirten sich die Anwesenden (mit Einschluß der zwei obengenannten Herren, die brieflich ihre Mitwirkung zugesagt haben) als: „Provisorisches ComitL zur Ansiedelung ackerbautreibender, russischer Juden im Orient." Die Herren Bodenheimer, Bondi, Dr. Cahn, Fulda, Dr. Lehmann, Dr. Marx, Roos und Schwab wurden beauftragt von Zeit zu Zeit als Subcomittz zusammenzutreten und den Stand der Frage zu prüfen. Wir constatiren noch, daß alle Versammelten von dem heißesten Wunsche beseelt sich zeigten, sowohl einerseits unfern unglücklichen, russischen Glaubensgenossen hilfreich zu sein, als auch andererseits für die Kolonisation des heiligen Landes zu wirken i. dagegen wollte man sich aber auch den nüchterlW und verständigen Erwägungen nicht verschließen. -SS Hoffentlich werden wir bald in der Lage sein, den^ geehrten Lesern das Ergebniß der einzuziehenden Erkundigungen mitzutheilen. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Pefth, 6. Juli. Zur Tisza-Eszlarer Angelegenheit liegt eine Nachricht des „P. L." vor, wonach der Rabbiner Rosenberg von einem in Sztropko im Zempliner Comitat wohnenden Bekannten die briefliche Mittheilung erhalten hatte, daß die gesuchte Esther Solymoffy sich dort als Dienstmädchen aufhalte. Er theilte dies dem Advokaten Dr. Heumann mit, der ihm den Rath gab, dorthin zu reisen. Er befolgte denselben, und zwar nahm er zwei christliche Einwohner aus Tisza-Eszlar mit sich. Nach 5 Tagen kam er mit dem Resultat zurück, daß man sich in der Person des Dienstmädchens geirrt habe. Das Untersuchungsgericht war eben in Tisza-Eszlar angekommen und erhielt Kunde von der Reise des Rosenberg. Derselbe hatte übrigens vor seiner Abreise, in der Meinung, er werde die wirkliche Esther Solymoffy in Sztropko entdecken, zahlreichen Personen mitgetheilt: „In drei Tagen wird die Esther da sein!" Vor den Untersuchungsrichter berufen, erklärt er auf die Frage, wo er gewesen: „Ich war auf einer Reise, die Esther Solymoffy zu suchen." Der Untersuchungsrichter erklärte ihn deßhalb, obgleich Rosenberg sich auf christliche Zeugen berief, die ihn nach Sztropko begleitet hatten, als der Einschmuggelung der Tisza-Dadaer Leiche verdächtig, für werhaftet und ließ den Rabbiner, trotz dessen inständigen Bitten, ihn noch „über Samstag" zu Hause zu lassen, sofort per Wagen nach Nyiregyhaza transportiren. Dr. Heumann meldete sich sofort beim Untersuchungsrichter und erklärte sich bereit, für die Wahrheit des von Rosenberg Gesagten einzustehen. Nichts destoweniger wurde Rosenberg in Haft behalten. Rußland. Aus Odessa, 27. Juni, schreibt man uns: Der hiesige Negociant Herr Brodski, erhielt wie ich