Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1882)
- Date
- 1882-07-12
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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XXHX Jahrgang. Zweite Seiiage;» 11 r. 88 -es Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 10. Juli. Gestern hatten sich im Hause des Herausgebers dieser Blätter einige Herren aus Süd- und Mittel-Deutschland eingefunden, um die. Frage' der Colonisation von Palästina durch russische Auswanderer einer eingehenden Besprechung zu unterziehen. Es waren erschienen die Herren: M. L. Bamberger, Distriktsrabbiner in Kissingen; Herz Bodenheimer, Kaufmann in Darmstadt; Bertram Bondi, Kaufmann in Mainz; Dr. Eahn, Provinzialrabbiner in Fulda; Dr. Ehrmann, Rabbiner in Trier; Joseph Fulda, Banquier in Mainz; Dr. Marx, Rabbiner in Darmstadt; Dr. Plato, Rabbiner in Cöln; Benjamin Roos, Rentner in Frankfurt a. M.; Salomon Moses Schwab, Kaufmann in Frankfurt a. M; Samuel Straus, Rentner in Karlsruhe und S. D. Weis köpf, Kaufmann in Bamberg. — Die Herren Distriktsrabbiner Dr. Salvendi in Dürkheim a. d. H. und S. Mannsbach, Kaufmann in Cöln, hatten brieflich ihre Zustimmung zu den zu fassenden Beschlüssen zugesagt. Der Herausgeber dieser Blätter begrüßte die Versammelten und dankte ihnen, daß sie. Manche aus größerer Entfernung, hierhergekommen, um an dieser wichtigen Berathung Theil zu nehmen. „Durch des Allmächtigen Hilfe," sagte er, „haben sich die Verhältnisse in Rußland zum Bessern gewendet; in Folge dessen hat der Strom der Auswanderung bedeutend nachgelassen; viele der Unglücklichen kehren sogar in die Heimath zurück. Nichtsdestoweniger ist es Pflicht, daran zu denken, daß die in einigen Gegenden Rußlands allzudicht wohnende jüdische Bevölkerung durch Abzug nach andern Gegenden Erleichterung finde. Es ist ein wunderbares Zeichen der Zeit, daß eine allgemeine Sehnsucht nach dem heiligen Lande eine unzählige Menge unserer Glaubensgenossen, namentlich in Rußland, ergriffen hat. In harter und mühseliger Arbeit wünschen sie dem heiligen Boden das Brod abzugewinnen, das sie ernähren soll. Wir haben auf die Winke der göttlichen Vorsehung zu achten, und für Israel eine Zukunft anzubahnen, die vielleicht von den weitgehendsten Folgen sein wird. Auch zur Zeit der Serubabel, Josua, Esra und Nechemia waren die Anfänge gering'und unbedeutend, und unzählige Schwierigkeiten, die scheinbar kaum zu überwinden waren, stellten sich den ersten Führern Israels entgegen; dennoch entwickelte sich aus den 40,000 Einwanderern ein großes und gesegnetes Staats- und Volksleben. Wohl sind wir uns der veränderten Verhältnisse und der noch größeren Schwierigkeiten bewußt. Wir wollen daher uns zunächst mit kleinem Anfänge begnügen und fürs Erste nur fünfzig Familien, und zwar solche, die von Jugend auf mit dem Ackerbaue vertraut sind, im heiligen Lande ansiedeln, derart, daß dieselben eine jüdische Gemeinschaft bilden und sich mit allen jüdischen Gemeinde- Institutionen zu versorgen im Stande seien. Als einst unser großer Lehrer Moscheh vor unsere geknechteten Voreltern in Aegypten trat und im Aufträge Gottes die gewichtigen Worte sprach: ips da glaubten ihm die Israeliten, denn es waren dieselben Ausdrücke, die ihnen Joseph in seiner Sterbestunde als Wahrzeichen überliefert hatte, indem er sprach: nps' nps. Weßhalb die doppelten Ausdrücke? Nur derjenige, hatte Joseph angedeutet, der mit der Verheißung eines gedoppelten, hilfreichen Gedenkens vor Euch hintreten wird, eines hilfreichen Gedenkens für Euch und eines hilfreichen Gedenkens für das Land der Verheißung, der ist der rechte Bote. — Viel ist bereits für unsere unglücklichen Brüder in Rußland geschehen; man hat die bedauernswerthen Auswanderer nach Amerika geschickt, wohl nicht immer zu ihrem Heile. Beweis dafür ist der Umstand, daß Viele schon jetzt arm und elend in die russische Heimath zurückkehren, ärmer und elender als sie früher waren. Versuchen wir es, wenigstens einem Theile derselben, ein neues Asyl indem Lande unserer Väter zu gründen. Möge der allgütige Gott unser Bemühen segnen und es zu einer gedeihlichen Entwickelung führen." Hierauf schlug Herr Dr. Lehmann vor, Herrn Rabbiner Dr. Plato zum Präses der Versammlung und Herrn Rabbiner Dr. Marx zum Secretär zu wählen, was auch allseitige Zustimmung fand. Aus der nun folgenden Debatte wollen wir nur die Hauptmomente hervorheben. Herr S. D. Weiskopf aus Bamberg, welcher längere Zeit im Orient gelebt hat und die dortigen Verhältnisse genau kennt, rieth auf das Entschiedenste von dem ganzen Unternehmen ab. In längerer Rede setzte er auseinander, daß das gute, fruchtbare, ge-