Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1882)
- Date
- 1882-07-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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700 Union, wo der Andrang kein so starker ist. Indem nun den Emigranten ein kleiner Betrag ausbezahlt wird, trifft das Comittz keine Verantwortlichkeit dafür , ob sie dem Religionsgesetze treu bleiben oder nicht, und ist es ihnen anderseits auch möglich mit Hilfe von Gesinnungsgenossen, wozu wohl kaum die Comittzmitglieder zu zählen sind, einen raw zu vermeiden, wer Jehudi bleiben will, der kann es. Daß sie namentlich in der ersten Zeit viele Entbehrungen zu ertragen und daß Alle, bis sie sich eingewohnt haben, nicht auf Rosen gebettet sind, ist selbstredend, um so mehr ist es gerechtfertigt, daß bei der Auswahl auf geeignete Personen gesehen wird. Man sieht hieraus, daß nur in einem gewerbreichen, fruchtbaren, der Arbeitskräfte noch bedürftigen Lande, wie Amerika, die Eiwanderer die Aussicht haben, sich, nachdem sie die ersten Schwierigkeiten überwinden, eine einträgliche mit der Zeit sich immer bessernde Existenz zu verschaffen, daß die Hilfs- Comits's nur das Nöthigste leisten', aber auch bei der großen Menge der Hilfesuchenden nicht mehr zu leisten im Stande sind und daß in einem armen Lande wie Palästina auch nur eine mäßige Zahl von Einwanderern nährenden Verdienst nicht finden können. Damit sind wir wieder auf unseren Ausgangspunkt zurückgekommen, auf die Colonisation von Palästina. Die Million Dollars, die Herr Ellinger für Amerika verlangte, spukt noch in den Köpfen Vieler; „wenn so viel Geld für Amerika, wo sich die Leute nicht heimisch fühlen und wo die Erfüllung ihrer religiösen Vorschriften keine solche Schwierigkeiten bietet, gesammelt wird, warum," sagen sie, „nicht auch eine mäßige Summe auf Palästina verwenden und dort die Colonisation in's Werk setzen?" Hierzu kömmt die natürliche Vorliebe der Juden für Palästina als das heilige Land, als p« und die idyllischen Vorstellungen, die sich die russischen Juden von den Ansiedelungen daselbst machen. Man muß nur die Zuschriften aus Rußland lesen, wie flehentlich sie bitten, sie nicht in die ihnen fremde Welt nach Amerika zu schleudern, sondern sie nach Palästina zu senden, dort Land für sie anzukaufen, damit sie dort mit ihrer Hände Arbeit ihr Brod aus der Erde ziehen, um endlich zu Ruhe und Besitz zu gelangen; Jeder unter seinem Feigenbäume und seiner Rebe. Wahrlich, es wäre den Unglücklichen, unschuldig Verfolgten wohl zu gönnen, ein friedliches Asyl zu finden, wo sie ein ruhiges, arbeisames, beschauliches und sorgenfreies Leben führen könnten und so Mancher würde gern sein Scherflein zu diesem Zwecke beitragen, wenn es hierzu weiter nichts bedürfte als des Ankaufs von Grund und Boden und der Arbeit seitens der Einwanderer, es haben jedoch noch ganz andere Factoren mitzusprechen und sind große Schwierigkeiten zu besiegen. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. □ München, 24. Juni. (Statistisches.) Auf Grund der jüngsten Volkszählung vom Jahre 1880 hat das kgl. bayer. statistische Bureau ein neues Gemeindeverzeichniß erscheinen lassen, das in erster Linie die genaue Ausscheidung der Bevölkerung Bayerns nach Confessionen ermöglicht. Von der Gesammteinwohnerschaft zu 5,284,778 Seelen sind: Katholiken 3,748,032 Protestanten 1,477,312 Israeliten 53,526 Verschiedenen Bekenntnisses 5,908 Von tausend Einwohnern waren also 709 kath., 280 Protest., 10 isr. und in versch. Bekenntnissen. Vergleicht man damit die Verhältnißzahlen von 1840, so waren es damals 711 kathol., 274 Protest, und 14 isr. Bekenntnisses. Die Zahl der Israeliten in Bayern hat sich also prozentual vermindert. Für diese Erscheinung gibt zwar der betr..ulmtk^ Bericht keine-Ursache gn, Allein mir HrMbM mit Sicherheit die Auswanderung als solchen bezeichnen zu können: denn in den letzten fünf Jahren (von 1875—1880) ist die Zahl der Kathol. um 49, die der Protest, um 6l und die der Israeliten um 43 auf 1000 gestiegen. In den einzelnen Regierungsbezirken wechseln die Antheilzahlen der Confessionen sehr beträchtlich. Der Antheil der Israeliten ist am stärksten, näm- 24 auf tausend Einwohner im Kreise Unterfranken, Mittelfranken und Pfalz haben eine isr. Bevölkerung von 18, Oberfranken und Schwaben eine solche von 7, Oberbayern und Oberpfalz von 3 auf 1000 Einwohner. Oesterr -Ungar. Monarchie. Budapest, 7. Juli. Gelegentlich der am 5. Juli c. unter Vorsitz Sr. Ehrw. des Herrn Ober- Rabbiner zu Deutsch-Kreuz, Menachem Katz, hier in Budapest abgehaltenen Rabbinerversammlung wurde infolge der hiesigen Antisemiten-Bewegungen, namentlich aber, da leider selbst beim Gerichtshöfe die Untersuchung in dem bewußten T.-Eszlarer Criminalfalle auf solche Basis gerathen, als ob die Aufgabe darin bestehen würde, einen rituellen Mord zu