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Der Israelit · 1882-07-12 · Heft 28 (12.7.1882) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 28 (12.7.1882)
Date
1882-07-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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699 sind; jedenfalls hat sich kein europäisches continentales Land zur Aufnahme dieser unschuldigen Opfer des Fanatismus bereit gezeigt. Bei dem freien Engländer fällt jedeBesorgniß, daß der konfessionelle Friede durch die einwandernden Russen gestört werden könnte, weg, dagegen werden so hohe Anforderungen an die Arbeiter gestellt, daß der einwandernde Russe ihnen nicht genügen kann und ist daher die Zahl Derjenigen, die dort ein Unterkommen gefunden haben oder ein solches zu finden im Stande wären, eine so geringfügige, daß sie im Großen und Ganzen nicht in Betracht kommt. Die Theilnahme Europa's für die aus Land und Heim Vertriebenen hat sich daher nur in Geldspenden äußern können, die weit schwierigere und bedeutendere Aufgabe, ihnen ein neues Heim zu gewähren, mußte an Amerika überlassen bleiben. Dort ist der Boden noch immer nicht genügend ausgenützt, dort entspricht die Bevölkerung noch immer nicht der Ausdehnung des Landes, dort finden fleißige Hände noch immer willige Aufnahme und ein Feld für ihre Thätigkeit, dort können auch die russischen Auswanderer noch Aufnahme finden. Herr Moritz Ellinger hat im Aufträge des amerikanischen Comittz's den Plan einer Colonisation der russischen Juden in Amerika in großem Maßstabe angeregt und hat dafür eine Million Dollar verlangt. Gegenüber -der herrlichen Idee, aus den hilflos Herumirrenden wohlhatzeM^A^riner zu. .machen und damit an Rußland all oculos zu beweisen, welche brauchbare Kräfte dasselbe verjagt, hat man die Schwierigkeiten der Ausführung nicht genügend gewürdigt. Immerhin bleibt Herrn Ellinger das Verdienst, das Mitgefühl für die unglücklichen russischen Brüder mächtig angeregt und das Hilsswerk in Fluß gebracht zu haben. Die Erfahrung hat gelehrt, daß es unmöglich ist, für Tausende von Menschen die Vorsehung zu spielen und ihnen ein schönes Auskommen zu verschaffen, es ist vielmehr Aufgabe eines jeden Menschen, durch eigne Thätigkeit für sich und seine Angehörigen zu sorgen, es genügt, wenn ihm hierzu Raum gegeben wird. Der Andrang zur Auswanderung nahm so rasch zu, die Zahl der Flüchtlinge vermehrte sich in so rapider Weise, daß man vollauf zu thun hatte, um die nur einigermaßen Erwerbsfähigen herauszusuchen und zu befördern. Es verursachte das allein so viele Ausgaben, daß keine Rede davon sein konnte, für Eolonisationszwecke Gelder zu bewilligen. Obgleich nun das New-PorkeL Comittz m dieser Beziehung von Europa im Stiche gelassen wurde, so hat sich dasselbe doch große Verdienste um die Einwanderer erworben. Trotzdem ist New-Pork überfüllt und ist es nicht rathsaw, immer weitere Schaaren von Russen dorthin zu werfen. Die praktischen Engländer haben daher ein anderes Verfahren eingeschlagen, sie vertheilen die Einwanderer auf die verschiedenen Städte Amerikas, in welchen sich jüd. Corporationen befinden, versehen sie mit durchgehenden Billeten und lassen ihnen an ihrem Bestimmungsort eine kleine Summe auszahlen, es ihnen überlassend, sich weiter fortzuhelfen. Es ist diese Art und Weise vielfach als unzweckmäßig bekämpft worden, man hat geltend gemacht, daß die mit den Verhältnissen nicht vertrauten Einwanderer der Ausbeutung und nachdem die ihnen ausbezahlte kleine Summe verbraucht ist, dem Bettel anheimfallen oder gar in Roth und Elend verkommen. Diese Besorgnisse sind nicht gegründet. Vor Allem muß das Bevormundungssystem aufhören, das amerikanische „lielp ^ourselk" muß platzgreifen und damit die Betreffenden g nöthigt werden, ihre volle Kraft zu entwickeln und solche auf's Aeußerstc anzustrengeu. Allerdings bedürfen sie einer helfenden Hand, allein diese gewähren ihnen die in allen Theilen Ämerika's angcsiedelten Russen. Schon zu verschiedenen Zeiten, namentlich aber vor ungefähr einem Jahre, als die Verfolgungen in Rußland begannen, sind größere Mengen russischer und polnischer Juden nach Amerika ausgewandert. In der ersten Zeit halten dieselben schwer, sehr schwer zu kämpfen, allein mit der Zeit haben sie sich eingcwohnt und sie sind nun im Stande, ihre Angehörigen in der alten Heimath zu unterstützen. Als Beweis dafür dient der Umstand, daß russische Noten in den verschiedenen amerikanischen Städten von ihnen gesucht" werde»i. Erst war die Nachfrage nur für die ganz kleinen Noten, jetzt werden schon 10, 20 u. 30 Nubelnoten verlangt, es zeigt das klar und deutlich, wie die Verhältnisse sich bessern. Diese russischen Juden sind es auch, welche ihren eintreffenden Landsleuten beistehen und ihnen ein Unterkommen und Arbeit zu verschaffen suchen, sie sind hierzu weit besser geeignet als die Comit6mitglieder, welche diesen Leuten weit ferner stehen. Diese Art und Weise hat noch den Vortheil, daß der religiöse Punkt besser gewahrt ist. Das New-Porker Comit6 hat erklärt, daß es nicht im Stande sei, die in Massen Ankommenden derart zu placiren, daß sie nost' nicht zu arbeiten brauchen, daß die Placirung überhaupt kaum möglich sei und große Schwierigkeiten verursache und daß dasselbe daher nicht mehr als 600 Einwanderer pro Monat aufnehmen könne; nach dieser Erklärung schickt das Mansion - house - Comite überhaupt keine Auswanderer mehr nach New - Port. Ohne das New- Porker Eomittz des bösen Willens anzuklagen, müssen wir das Verfahren der Engländer billigen und correct finden. Nach New - Pork strömen die Einwanderer von allen Seiten, es herrscht dort ein Angebot von Arbeitskräften, daß die jedenfalls minder geübten und ausgebildeten russischen Einwanderer dort schwerer zu placiren sind als in den anderen Städten der

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