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Der Israelit · 1882-07-12 · Heft 28 (12.7.1882) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 28 (12.7.1882)
Date
1882-07-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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701 4 eruiren, die folgende Erklärung angenommen u. in den ungar. Tagesblättern publizirt: Seit Jahren wird gegen uns gehetzt und geschürt. Wir haben diesem Hetzen, diesem Schüren keine Aufmerksamkeit zugewendet, weil wir im festen Vertrauen auf Gott, im erhebenden Bewußtsein der Unschuld, in dem nüchternen Sinne der Landesbevölkerung, in dem ungestörten, friedlichen Zusammenleben mit allen Gesellschaftsklassen und in der großen Vergangenheit der ungarischen Nation Garantien genug erblickten, daß im freien aufgeklärten Ungarn kein geeigneter Boden für das Keimen und Gedeihen der Giftpflanzen des Racenhasses sei. Das Land kann vor lauter offenen Fragen nicht zur Antwort kommen, vor lauter Räthseln nicht zu deren Lösung gelangen und nun wird zu all den Problemen, die zwischen Vergangenheit und Zukunft schweben, das Problem derRacenentwicklung gewaltsam gereiht. Der Haß war der Berather der Antisemiten, indem sie gesprochen, die Liebe war unsere Rathgeberin, indem wir geschwiegen. Die Sache hat aber leider eine für jedes edlere Gefühl beschämende Wendung genommen. Unsere Menschenwürde wird so weit mit Füßen getreten, daß das Gerücht kolportirt wird, als würde man der Untersuchung in einem das Tagesgespräch bildenden 5°ÄwiMf.alle ein religiöses Gepräge aufdrücken wollen, da sind ^."r dot'thiw angelangt, wo schweigen eine schwere Unterlassungssünde wäre. ° Wohl -beschleichen uns Scham, Betrübniß und Schmerz, auf solch' unsinnige Beschuldigungen, wie Blutbedarf für religiöse Zwecke, antworten zu müssen, aber das Pflichtgefühl drängt alle anderen Gefühle in den Hintergrund. Die Freunde Ungarns sind tief betrübt und schmerzlich davon durchzuckt, daß solche Märchen, in den geweihten Hallen der Gesetzgebung den Gegenstand einer Diskussion bilden konnten, während die Feinde des theuren Vaterlandes hierüber frohlockten. Suchet und forschet und prüfet alle Disziplinen der jüdischen Literatur, die jüdischen Werke aller, aller Zeiten, und wir übernehmen vor Gott und vor der Welt die Bürgschaft, daß in keinem, keinem derselben die leiseste Spur zu finden ist, die Anlaß zu dieser böswilligen Beschuldigung geben könnte. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, die historischen Belege zu sammeln und nachzuweisen, wie oft solche Anschuldigungen Menschenglück vernichtet und sich hinterher als boshaftes Gewebe verfolgungssüchtiger Feinde herausgestellt. Das ewige Schiedsgericht der Völker, die Weltgeschichte, fällt auch hier ein strenges, aber gerechtes Urtheil, sie verzeichnet in ihren Büchern zur ewigen Schmach die Namen solch' finsterer, blutgieriger Leute. Um diese Schmach von unserer Zeit abzuwälzen, werden wir uns mit den orientalischen Akademien und theologischen Fakultäten Europas ins Einvernehmen setzen, um so das Urtheil der hervorragenden nichtjüdischen Gelehrten zu provociren und sehen wir diesem Verdikt der hiezu berufenen Autoritäten mit Beruhigung entgegen. An unsere Glaubensgenossen richten wir die Bitte, mit Würde und Ruhe auszuharren, bis mit dem Beistände Gottes die Situation sich klären, die Wahrheit an's Tageslicht kommen und das Recht und die Gerechtigkeit zum Siege gelangen werden. Es ist in unserem wie im Interesse des guten Rufes des theuern Vaterlandes gelegen, daß Alarmgerüchte, die zumeist übertrieben sind, nicht kolporttrt werden sollen. Regierung wie alle edleren Menschen, denen Menschenrecht und Menschenwürde mehr als Phrase ist, sind ja ohnehin bestens bestrebt, den Frieden aufrecht zu erhalten, und im Uebrigen kennen wir ja unsere ungarischen Mitbürger, sie sind von den edelsten Gefühlen gettagen und werden sich selbst von den ärgsten Hetzern nicht zu Ausschreitungen verleiten lassen. Theure Glaubensgenossen! Vermeidet jede unnütze aufreizende Polemik, seid bescheiden im Auftreten, lasset keine Verbitterung in Euren Gemächern aufkockMn, unterdrücket keine edle Regung, seid selbst gegen Gegner wohlthätig, und so wird es Euch gelingen, die Feinde von heute zu Freunden von morgen umzuwandeln, und sie werden ihre Spieße in Pflugscharen umgestalten, um gemeinschaftlich den Boden im Schweiße des Angesichtes zu bearbeiten und das Wohl und das Gedeihen des theuren Vaterlandes zw fördern. Die Nacht der Jrrthümer wird endlich weichen und die Nebel des Wahns werden verscheucht werden, und Recht und Wahrheit und Sitte und Kenntniß und Erkenntniß werden zur Macht gelangen. Des Menschen Geist vermag keinen höheren Gedanken zu fassen, und des Menschen Herz kein edleres Gefühl in sich zu bergen, als den Frieden, und die Zukunft birgt ewigen Frieden in ihrem Schoße. Budapest, aus der am 5. Juli 1882 abgehaltenen Rabbinerversammlung. Im Aufträge sämmtlicher orthodoxen Rabbinen Ungarns: Menachem Katz, Ober-Rabbi zuD.-Kreuz, Präses. Leopold L i p s ch i tz, Ober-Rabbiner zu Abauj-Szanto, Schriftführer.

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