Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1882-07-12 · Heft 28 (12.7.1882) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 28 (12.7.1882)
Date
1882-07-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2447898-2447925--18892-2474949
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

C98 war der Plan und der Zweck der göttlichen Vorsehung. Gott hat aber dadurch, daß-Er den Menschen die Freiheit verliehen, seiner Allmacht gleichsam Schranken gesetzt crct? hktd pn aw ho t>on. Zur Durchführung jenes erhabenen Zweckes, zur Erreichung jenes weltbeglückenden Zieles bedurfte es der Mitwirkung Israels einerseits und der aller Nationen der Erde andererseits. Israel vermochte nicht seiner hohen Ausgabe im Lande der Verheißung zu genügen, und die Nationen der Erde überzogen es mit Krieg und Verderben. Damit war aber keinesweges der Beruf Israels erloschen. Was Israel in seiner Größe, Macht und Herrlichkeit nicht zu vollbringen vermocht hatte, das sollte der Ueberrest Jakobs, arm, klein und unbedeutend, vollbringen. Als der römische Soldat den Feuerbrand warf in das Haus unseres Gottes, als seine herrlichen Hallen vernichtet, seine wundervollen Räume von Feuersgluth zerstört, als geraubt wurden die heiligen Geräthe, als nicht mehr darbringen konnte die gottgeweihten Opfer der Priester fromme Schaar, als nicht mehr ertönen durfte der Leviten heiliger Gesang, als die Helden unseres Volkes gefesselt hinweggefübrt und die edelsten Jünglinge und Jungfrauen auf den Sklavenmärkten verkauft wurden, da wurde der Ueberrest Jakobs unter die vielen Völker hinausgestreut. Hatten wir auch Alles verloren : Staat, Tempel, Land, Geld und Gut — die Gotteslehre war uns geblieben und in ihr mehr als alles Verlorene. Arm und gering mußte jeder Einzelne aus dem priesterlichen Volke hinwegziehen in ein fremdes Land, zu unfreundlichen Nationen, deren Sprache er nicht verstand, deren Sitten und Eigenthümlichkeiten er nicht annnehmeu durfte, mit denen er sich nicht vermischen konnte, mit denen er nicht eins werden sollte. So zogen sie hin, die Boten des Herrn, das Licht der Gotteslehre zu tragen zu allen Völkern. Wie groß und herrlich muß dieses Licht sein, daß es die Armen, Elenden und Verachteten zu erhalten vermochte inmitten der vielen feindlich gesinnten Völker! Wie schwer wird es doch in unseren Tagen den aus Rußland Vertriebenen anderswo eine neue Heimath zu finden! Die Debatten im ungarischen Reichstage haben nur zu deutlich gezeigt, wie wenig Sympathien ihnen eutgegengetragen werden. Auch anderswo stellen sich ihrer Ansiedlung die größten Schwierigkeiten entgegen. Denken wir uns nun uni achtzehn Jahrhunderte zurück, da die Eultur noch wenig vorgeschritten war! Wir und unsere Voreltern sind seit unvordenklichen Zeiten Deutsche; aber es gab doch eine Zeit, in der wir in dieses Land einwanderten. Hier am Rhein sind vielleicht seit jenem Zeitpunkte fünfzehnhundert Jahre oder mehr verflossen. Wie mögen damals die Bewohner des Landes die Fremdlinge, die eine andere Sprache redeten, andere Sitten und andere Gewohnheiten hatten und sich mit den Bewohnern des Landes nicht vermischen wollten, ausgenommen haben! Und was Alles haben unsere Väter in den darauffolgenden Jahrhunderten erduldet! Nur d"' Gedanke hielt sie aufrecht, daß Gottes Wille sie ir alle jene Länder unter halbwilde Nationen gesandt habe, um das Licht der Gotteslehre in die fernsten Winkel der Erde zu tragen. Und wenn sie getödtet wurden, so opferten sie freudig ihr Leben zur Heiligung des göttlichen Namens, in dem Bewußtsein, daß die für Gott Gestorbenen einst wieder auffeben werden Tno vrv und daß der Körper der jüdischen Nationalität sich einst wieder erheben wird ^22 Ja, erwachet und jauchzet, die ihr im Staube ruhet, "\bu nnw du o, denn ein Th au, der zum Lichte erwecket, ist Gottes Thau. (Fortsetzung folgt.) Palästina und Amerika Frankfurt a. M. Unter der Aufschrift zur Eolonisation von Palästina enthält dir. 24 dieser Blätter einen trefflich geschriebenen offenen Brief des Herrn Dr. B. Herzberg in Jerusalem an Herrn Charles Netter, worin mit aller Wärme für die Eolonisation des heiligen Landes eingetreten wird. Es kann nicht unsre Ausgabe sein, neues Material zur Beurtheilung dieser höchst wichtigen Frage beizubringen, wohl aber kommt es uns wie Jedem, der diese Angelegenheit mitAüfmerkfamkeii verfolgt, zu, das Leigelirachte Material zu prüfen und Schlüsse daraus zu ziehen, umsomehr als vielseitig das Bestreben vorliegt, den russischen Flüchilingeu zur Auswanderung nach Palästina zu verhelfen, während die großen Hilfs - Comittz's nur die Auswanderung nach Amerika begünstigen und unterstützen. Leider findet sich aus dem europäischen Eontinent kein Land, welches gewillt und geeignet wäre, diese Unglücklichen auszunehmen und ihnen ein neues Heim zu gewähren. Es rührt das zum Theil daher, daß überall auf dem europäischen Eontinente ein Ueberfluß an Arbeitskräften besteht und dadurch einwandernde Arbeiter keine Aussicht haben, sich auch nur die bescheidenste Existenz zu gründen; zum Theil entspringt dies auch aus der Befürchtung, daß durch eine solche Einwanderung der kaum zum Stillstand gebrachten Antisemiten-Bewegung neue Nahrung zugeführt und der unter der Asche glimmende Neid und Haß zu neuer Gluth angefacht werden könnte. Die Verhandlungen im ungarischen Reichstage haben bewiesen, daß solche Befürchtungen nicht ungegründet

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.