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Der Israelit · 1882-07-05 · Heft 27 (5.7.1882) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 27 (5.7.1882)
Date
1882-07-05
Page
– (sequence 18)
Language
German
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686 gerichtlichen Preßpolizei, Ober-Commissär Zöhrer, hat in den Wohnungen der Besteller Hausdurchsuchungen mit Erfolg vorgenommen. Bis jetzt sind von Kunze an die Abnehmer 12,000 dieser Vignetten abgeliefert worden. Die Akten über die Affaire wurden von Seite der Polizei-Behörde an die Staatsanwaltschaft geleitet. Pefih, 30. Juni. Das Endurtheil im Strafprozesse des Vürpalotaer Raubmörders Philipp Hoßter wurde heute nach 12 Uhr Mittags in öffentlicher Sitzung des I. Strafsenats der königl. Kurie durch den Vice-Präsidenten der Kurie B6la Perczel verlesen. Nach demselben wird der Hoßter, der in zwei Instanzen wegen Mordes zum Tode verurtheilt war, von der Anklage des Mordes und des versuchten Mordes sreigesprochen, dagegen wird derselbe wegen Verbrechens des gleichzeitig mit vorsätzlicher Tödtung verbundenen Raubes, sowie der vorsätzlichen Tödtung mehrerer Menschen und schwerer körperlicher Verletzung zu lebenslänglichem Zuchthause verurtheilt. In den Motiven heißt es, es fehle an Beweisen dafür, daß an Kaspar Gold und Genossen ein Mord mit vorher erwogener Absicht verübt wurde, und daß, wenn dies auch geschehen, Hoßter diesen Mord, sei es selbst verübte, sei es an der Verübung desselben, faktisch theilnahm. England. London, 30. Juni. Gestern Abend wurde ein großes Eoncert im Westcnd zu Gunsten des Nan8ion-Hou86-^0nä8 für die „russischen Glaubensbrüder" unter Direction des rühmlichst bekannten Meisters, Rev. Mr. Hast und unter Mitwirkung seiner künstlerisch gebildeten Frl. Töchter abgehalten; es wurde ein sehr günstiges Ergebniß für besagten Wohlthätigkeitszwcck erzielt. Sämmtliche Plätze der großen Musik-Halle waren besetzt, und bemerkte man unter ben Anwesenden auch viele angesehene Nicht- Israeliten. Rußland. Nikolajew, 29. Juni Am 27. Juni begann die Reihe der Schlußverhandlungen wegen der Baltaer Judenunruhen. Ueber jede Klage wird separat verhandelt. Die Jury besteht aus fünf Edelleuten, fünf Bauern und zwei Beamten. Der erste Angeklagte, Jsikiewicz, wurde von den Geschworenen wegen Todtschlags zn 33 Monaten schweren Kerkers, der zweite, Sydorow, wegen Schändung eines jüdischen Mädchens zu vier Jahren Zwangsarbeit in den Bergwerken verurtheilt. In Balta haben am 26. ds. neue Ausschreitungen gegen die Juden stattgefuuden. Aus Sübrußlarrd Ende Juni. Am 27. Juni wurden, wie man dem „Golos" aus Balta telegraphirt, in der besonderen Abtheilung des Kamenez-Podolschen Bezirksgerichts die Prozeßverhandlungen wegen der Balta'schen Unruhen eröffnet. Als Präsident fungirte Ssobitschwski, die Anklage hielt der Procureursgehilfe Kaltanez aufrecht, die Zivilklagen wurden von den vereidigten Rechtsanwälten Fürst Urussow und Kupernik vertreten. Die Geschworenen bestanden aus 5 Edelleuten, 5 Kleinbürgern und 2 Beamten, — sämmtlich Christen. Die erste Anklage war gegen Jshikewitsch gerichtet, der beschuldigt wurde, Unruhen angestiftet und dem Teplitzki schwere Verletzungen zugefügt zu haben, welche seinen Tod zur Folge hatten. Jshikewitsch wurde von den Geschworenen für Schuldig gesprochen, unter Anerkennung mildernder Umstände. Das Gericht verurtheilte ihn zur Abgabe in die Arrestanten- Compagnie auf die Zeit von zwei Jahren und neun Monaten. Der zweite Prozeß betraf Ssidorow, der unter der Anklage stand, während des Krawalles ein 17jährigcs Judemnädcheu genothzüchtigt zu haben. Die Verhandlungen fanden bei geschloffenen Thüren statt. Ssidorow wurde von den Geschworenen für schuldig erklärt ohne Anerkennung mildernder Umstände, und vom Gericht in Anbetracht seiner Minderjährigkeit zu vierjähriger Zwangsarbeit in den Fabriken verurtheilt. Die energischen Reden des Procureurs und die beredten. aus dem Herzen kommenden Worte des Fürsten Urussow, welche in hellen Farben die demoralifirende Wirkung der entfesselten Willkür, die sich in den anti-jüdischen Krawallen gezeigt hatte, schilderten, machten einen tiefen Eindruck. Alle waren erschüttert, viele aus dem Publikum weinten. Die Urtheilssprüche der beiden ersten Prozesse wurden vom Publikum unter lauten Bezeugungen ihrer Zustimmung entgegengenommen. Am 16. Juni gelangten drei andere Prozesse zum Abschluß, und zwar wurde 1) Debinski zu sechsmonatlicher Zuchthausstrafe, 2)Ssakowski zur Abgabe in die Arrestantencompagnie auf zwei Jahre neun Monate, 3) die Ssakowska zu einem Jahr und drei Monaten Arbeitshaus und 4) Krysanowskij zur Ansiedlung nach Sibirien verurtheilt. Einer der Angeklagten "wurde wegen Mangel an Beweisen freigesprochen. Türkei. Der Konftantirropeler Korrespondent der „Daily. News" meldet: „Der hiesige Agent des Projektes des Herrn Cazelet für die Ansiedelung der Juden in der Türkei benachrichtigt -mich, daß die Pforte in wenigen Tagen ein Dekret promulgiren werde, kraft dessen Ländereien in den Vilayets Adena,

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