Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1882)
- Date
- 1882-07-05
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447898-2447924--18882-2474938- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
XXIII. Jahrgang. Zwritr Stilage?» Nr. 27 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Friedberg, im Juni. Die hiesige israel. Gemeinde hat einen großen Verlust erlitten. Herr Mayer I. Hirsch ist von dem Schauplatze seiner irdischen Thätigkeit abberusen worden. Der 't wewigte, der aus einer angesehenen Rabbinerfamaie in Elsaß stammt, hatte sein ganzes Leben den drei Grundpfeilern des Judenthums, der Gotteslehre, dem Gottesdienst und der Ausübung von Wohlthaten gewidmet. Namentlich hatte er sich stets sehr daruin bemüht, daß die jüdischen Zöglinge des hiesigen Lehrerseminars auch in den Dingen Unterricht erhalten, die für ihren künftigen Beruf als jüdische Lehrer nothwendig sind. — Die hiesige isr. Gemeinde ist eine der ältesten in Deutschland. Große Männer haben hier gelehrt und gewirkt, so Rabbi Chajim ben Bezalel, der berühmte Bruder des noch berühmteren, hohen Rabbi Löw von Prag, Rabbi Elijahu Baal-Schem, der Enkel des Rabbi Joselmann von Rosheim, und viele Andere. Der alte Glanz ist dahin, und mit Rabbi Mayer I. Hirsch ist der letzte Ueberrest erloschen. Mögen die jüngern Kräfte sich bestreben, die große Lücke auszufüllen. Biblis, bei Worms, 3. Juli. Wie bereits in diesen Blättern berichtet wurde, ist Herr Dr. Wolfs von hier als Director der Rabbinerschule nach Colmar berufen worden. Das Directorat an der hiesigen jüdischen Schule wurde nunmehr Herrn Dr. L. H e il b u t, gegenwärtig Lehrer an der isr. Religionsschule zu Frankfurt a. M., übertragen. Der Ruf, der Herrn Dr. H., sowohl in wissenschaftlicher als in religiöser Beziehung vorausgeht, gibt der Hoffnung Raum, daß seine Wirksamkeit unter göttlichem Beistände eine gesegnete sein wird. Aus Westphalen. Dem uns vorliegenden Jahresberichte der Unterstützungskaffe des Vereins israelitischer Elementarlehrer für Westphalen und die Rheinprovinz entnehmen wir nachstehende Daten von allgemeinem Interesse. — Mit Ausgabe des letzten Jahresberichts hat der Verein zugleich mit der Generalversammlung zu Münster sein 25jähriges Bestehen festlich begangen und sich bei dieser Gelegenheit allseitiger sympathischer Kundgebungen zu erfreuen gehabt. Auch wurden bei dieser Gelegenheit 6 Herren, die sich um die Förderung des Vereins durch Wort und That verdient gemacht, zu Ehrenmitgliedern ernannt; so daß die Zahl derselben zur Zeit 9 beträgt. Interessant ist die in dem vorliegenden Berichte enthaltene Uebersicht sämmtlicher, von den verschiedenen Gemeinden, Corporationen und Einzelnen während des Bestehens des Vereins bis Ende 1881 geleisteten Beiträge. Die Gesammteinnahme betrug im Jahre 1881: an ordentlichen Beiträgen der Mitglieder 654 M.; an außerordentlichen Beiträgen von Gemeinden, Gesellschaften und Privaten 2960,37; an Zinsen 1919,81, also Gesammteinnahme: 5534,18 M. Hiervon wurden verausgabt: Für Verwaltungskosten, Porto u. dgl. 292,45, dem Fond zugewiesen 750, so daß eine Resteinnahme von 4491,73 M. verbleibt. Von dieser kommt laut § 13 der Statuten die Hälfte zur Vertheilung. Unterstützungsberechtigt sind gegenwärtig 7 Lehrer- Wittwen, theils mit, theils ohne Kinder, ein Kind eines verstorbenen Mitgliedes und 1 emeritirter Lehrer ohne Familie. M. Rosenwald, Iserlohn. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien In den letzten Wochen wurden an Planken, Bäumen und Häusern im ganzen Wiener Polizei-Rayon und auch in den Sommerfrischen Vignetten mit antisemitischen Inhalte angeklebt. Von Seite des Polizei-Präsidiums wurden die eifrigsten Recherchen eingeleitet, um die Veranstalter dieser Agitation zu eruiren; .es lenkte sich nach längeren Beobachtungen der Verdacht, dieser Vignetten zn erzeugen, gegen denSiegelmarken-Fabrikanten Rudolph Kunze, zu Schma in Sachsen gebürtigt, 44 Jahre alt, Margarethen, Wienstraße Nr. 45 wohnhaft. Der Chef des Detectiv-Jnstitutes, kaiserlicher Rath Oberinspektor Strehling, erschien heute Mittags in der Wohnung des Kunze und betrat denselben gerade bei der Erzeugung der antisemitischen Vignetten. Viele Schachteln mit vollendeten Vignetten und die Stanzen zur Erzeugung derselben wurden mit Beschlag belegt. Ferner gelang es zu constatiren, daß vier Personen die Besteller und Abnehmer dieser Vignetten sind. Ihre Namen können vorderhand noch nicht veröffentlicht werden, da die Amtshandlung noch nicht abgeschlossen ist. Der Vorstand der